Freitag, 21. Juni 2019

Gründerkolumne Digitale Transformation 2.0@14

Netzwerkkabel: Die Welt ist vernetzt - und Deutschland hinkt hinterher

3. Teil: Der gesellschaftliche Hintergrund

Wenn die technologischen Möglichkeiten der Informationstechnik mit dem prinzipiellen, offenen und schnellen Zugang zum Internet die eine Seite der Medaille darstellen, dann ist die andere Seite mit der Kompetenz im Umgang mit diesen Möglichkeiten belegt. Im Mittelpunkt steht hier das Wissen um den Aufbau, die Gestaltung und die Nutzung des Internets als Medienplattform.

Die Informatikfachgesellschaft Association for Computing Machinery (ACM) hat festgestellt: "Europa droht aufgrund fehlender Fachkräfte in der Informatik den Anschluss an die technische Entwicklung zu verlieren. Zwar hätte es Anfang der 1970er- und 1980er-Jahre einige Anstrengungen zur Einführung von Inhalten der Informatik und der allgemeinen informatischen Bildung ("digital literacy") in schulische Lehrpläne und universitäre Curricula gegeben. Mittlerweile hätten jedoch in etlichen Ländern diese Bestrebungen wieder nachgelassen und seien zum Teil sogar rückgängig gemacht wurden.

Eine solche Entwicklung sei unverantwortlich. Andere Länder bildeten die Schüler in der Informatik bedeutend gründlicher aus. Der Bericht betont: 'Keine angemessene Informatikausbildung anzubieten, bedeutet, dass Europa seiner neuen Generation von Bürgern in der Bildung wie auch wirtschaftlich schadet."

Indien, Südkorea, Israel und USA eilen voraus

In Großbritannien warnen analog die Experten hinter dem Report der Royal Society aus dem Jahr 2012: "Wer Informatik nicht zur Allgemeinbildung zähle, versündige sich an der Chancengerechtigkeit." Menschen dürfen nicht über fehlende Medienkompetenz an der digitalen Entwicklung ausgeschlossen werden. Schon in der Grundschule sollten die Kinder mit einfacher Software umgehen können.

Andere Länder haben bereits umgesteuert und nationale Computer-Lehrpläne entwickelt: Indien, Südkorea, Israel, USA, Neuseeland. Estland lässt sogar Erstklässler programmieren.

In Deutschland dagegen gibt es derzeit kein übergreifendes Angebot. Hamburg gab unlängst sogar die Rücknahme von Informatik als Pflichtfach bekannt. Hier müssen neue Wege gegangen werden, um die digitale Medienkompetenz in der Ausbildung zu stärken. Wichtig in diesem Zusammenhang ist aber, dass es bei dieser Frage nicht um eine rein technische, sondern eher anwendungsorientierte Informatik geht, bei der nicht nur die Programmierung, sondern auch die Nutzung der digitalen Medien unterrichtet wird.

Die Gesellschaft selbst scheint sich auf die zunehmende Digitalisierung schon eingestellt zu haben. Laut einer Studie des Bitkom "rechnen die Menschen in Deutschland für die kommenden zehn Jahre mit einer noch größeren Veränderung ihres Lebens durch neue Technologien als im Jahrzehnt davor. Die Digitalisierung erfasst dabei nach Medien, Finanzwesen und Handel nun verstärkt auch Bereiche wie Mobilität, Bildung, Gesundheitsversorgung und Industrie", die größten Veränderungen erwarteten die Bundesbürger im Gesundheitswesen und am Arbeitsplatz.

Insgesamt könnten sich 76 Prozent der Bürger ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. Fast genauso viele (74%) haben Spaß an neuen Diensten. Überfordert fühlt sich allerdings gut ein Drittel (36%). Von einer Informationsflut erdrückt fühlt sich knapp ein Viertel. Der BITKOM-Studie zufolge stehen in Deutschland 64% der Bürger technischen Neuerungen im IKT-Bereich positiv oder sehr positiv gegenüber. Negativ eingestellt sind 20%, weitere 9% sogar sehr negativ."

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