Donnerstag, 22. August 2019

"Jahrhundertkatastrophe" Milliardenschäden in Deutschlands Wäldern

Ein von Borkenkäfern befallener Wald im Harz (Archivaufnahme)

Die deutschen Waldbesitzer fürchten wegen Borkenkäfer-Plage und Dürre Milliardenkosten. Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Käferholz und bei Stürmen umgeknickte Bäume. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter. Allein der Abtransport könnte nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) 2,1 Milliarden Euro kosten.

"Es handelt sich um eine Jahrhundertkatastrophe für die Wälder in Deutschland", sagt AGDW-Sprecherin Larissa Schulz-Trieglaff. Die Arbeitsgemeinschaft ist der Dachverband der kommunalen und privaten Waldbesitzer in Deutschland.

Stürme und Borkenkäfer haben bundesweit mutmaßlich etwa 110.000 Hektar Wald zerstört. Die Waldeigentümer schätzen, dass bundesweit für die Wiederaufforstung etwa 300 Millionen Bäume nachgepflanzt werden müssten, die Kosten beliefen sich nach Schätzung der AGDW auf weitere 640 Millionen Euro. Sowohl der Bund als auch einzelne Bundesländer wie Thüringen böten finanzielle Hilfen, die aber nicht die Kosten deckten.

"Bei fast allen Baumarten täglich Hiobsbotschaften"

"Die Dürre und die vorangegangenen Stürme haben ganze Wälder in Mittel- und Ostdeutschland zerstört", sagt Schulz-Trieglaff. "Für manche Forstbetriebe ist dies existenzbedrohend, da der Markt mit dem beschädigten Holz übersättigt ist und sich die Holzpreise halbiert haben oder noch weiter gesunken sind."

Forstwissenschaftler und -fachleute sind bundesweit tief beunruhigt. "Wir haben bei fast allen Baumarten täglich Hiobsbotschaften über Vitalitätsminderung und Schäden", sagt Olaf Schmidt, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising.

Ein Beispiel: der Volkenberg bei Erlabrunn nordwestlich von Würzburg. Dort steht der Ende des 19. Jahrhunderts angepflanzte größte Schwarzkiefernwald Deutschlands. Heimat dieses Baums ist der trockene Süden Europas, doch auch der Schwarzkiefernwald bei Erlabrunn leidet.

"Bisher ist die Schwarzkiefer dort auch ganz gut gewachsen", sagt LWF-Präsident Schmidt. "Seit einigen Jahren ist der Bestand von dem Pilz Diplodia befallen, der das Kieferntriebsterben verursacht. Ich bin fest überzeugt, dass der Klimawandel den Pilz fördert, denn der liebt Wärme und Trockenheit." So trage der Klimawandel zu den Schäden an den Schwarzkiefern bei - "vielleicht direkt durch die Trockenheit, auf jeden Fall aber sekundär durch den Pilzbefall".

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