Deutsche Wohnen steigt in den Dax auf Zahns langer Kampf um die erste Börsenliga

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn: "Wir werden uns weiterhin gegenüber unseren Marktteilnehmern behaupten" - ein Seitenhieb auf den Vonovia-Konzern, der erneut Übernahme-Avancen startet?

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn: "Wir werden uns weiterhin gegenüber unseren Marktteilnehmern behaupten" - ein Seitenhieb auf den Vonovia-Konzern, der erneut Übernahme-Avancen startet?

Foto: REUTERS

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn ist am Ziel: Der von ihm geführte Immobilienkonzern steigt am 22. Juni 2020, zwei Jahrzehnte nach seiner Gründung durch die Deutsche Bank, in den deutschen Leitindex Dax (Kurswerte anzeigen) auf. Seit 2008 führt der 56-Jährige die Deutsche Wohnen bereits - damit ist er einer der am längsten amtierenden Dax-Chefs. Nun schmeißt Zahn die Lufthansa  aus der ersten Börsenliga.

Der zweitgrößte deutsche Wohnungsvermieter hinter Marktführer Vonovia , der bereits seit fünf Jahren im Dax gelistet ist, ist nach einer Reihe von Übernahmen und Zukäufen mit fast 15 Milliarden Euro inzwischen fast so viel wert wie die Deutsche Bank  , die auf eine Marktkapitalisierung von 17 Milliarden kommt. Ende 2008 kostete eine Deutsche-Wohnen-Aktie  zwei Euro, mittlerweile müssen Anleger mehr als 40 Euro auf den Tisch legen.

Deutsche Wohnen gilt schon seit längerem als Dax-Kandidat, sie hatte aber bei der letzten Index-Überprüfung im September wegen Kursrückgängen in Folge von Debatten um Mietendeckel und Enteignungen in Berlin gegenüber dem Triebwerksbauer MTU Aero Engines  den Kürzeren gezogen. Der Großteil der Immobilien liegt in der Hauptstadt. Im Januar hatte das dortige Abgeordnetenhaus die Mieten für fünf Jahre eingefroren. Nur Neubauten seit 2014 und öffentlich geförderte Wohnungen sind davon ausgenommen.

Insgesamt unterhält die Deutsche Wohnen, die ursprünglich die Wohnungsimmobilien der Deutschen Bank bündelte und daher zu Beginn vor allem im Rhein-Main-Gebiet und in Rheinland-Pfalz tätig war, 164.000 Wohn- und Gewerbeeinheiten mit einem Wert von 24 Milliarden Euro. Der Immobilienboom und die steigenden Mieteinnahmen ließen den Gewinn in den vergangenen Jahren stetig wachsen. 2019 kletterte das operative Ergebnis aus dem Vermietungsgeschäft (FFO), die für die Branche wichtigste Ertragskennzahl, um elf Prozent auf 538 Millionen Euro.

Einfluss auf eine mögliche Fusion mit Vonovia?

Der Aufstieg könnte nun verschiedene Folgen für die Deutsche Wohnen haben: Der Mieterbund fürchtet bereits höheres Interesse internationaler Investoren und damit eine steigende Profitorientierung des Unternehmens. Spannend dürfte aus Investorensicht zudem werden, inwieweit der Dax-Aufstieg die mögliche Fusion mit Vonovia beeinflusst. Wie manager magazin vor Kurzem erfuhr , will Vonovia-Chef Rolf Buch einen neuen Vorstoß starten, den mit Abstand bedeutendsten Konzern unter den europäischen Wohnungsgiganten aus Deutschlands beiden größten Anbietern zu schmieden.

Einen ersten, feindlichen Versuch zur Übernahme hatte Vonovia vor vier Jahren aufgegeben, nachdem sich der Vorstand und die Aktionäre von Deutsche Wohnen gewehrt hatten. Buch und Zahn hatten sich monatelang mit harten Bandagen bekämpft. Investoren ging es damals auch um eine Grundsatzentscheidung: Einige favorisierten den Zusammenschluss zu einem Branchenriesen im Dax. Andere wollten dagegen weiter die Wahl haben zwischen zwei börsennotierten Wohnungskonzernen mit unterschiedlichen Investitionsschwerpunkten.


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Die Übernahme von Deutsche Wohnen durch Vonovia dürfte nun auf jeden Fall teurer für Buch werden. Der Aufstieg in den Dax lässt Anleger bei der Deutsche Wohnen wieder zugreifen. Und Zahn stellt den Investoren weiteres Wachstum in Aussicht: "Wir haben uns nicht auf einer Position ausgeruht, und werden dies auch in Zukunft nicht tun", sagte der Vorstandschef am Freitag bei der virtuellen Hauptversammlung des Unternehmens. "Wir sehen den Sprung in den Dax als große Verantwortung und Ansporn zugleich, unsere Wachstumsstrategie auch in Zukunft fortzusetzen. Wir werden uns weiterhin gegenüber unseren Marktteilnehmern behaupten."

Von der Pandemie sieht sich Deutsche Wohnen kaum betroffen. "Weder auf der Wohn- noch auf der gewerblichen Seite haben wir bislang signifikante Mietausfälle", sagte Zahn. Für eine Bilanz sei es aber noch zu früh. "Wir können noch nicht abschätzen, wie sich die wirtschaftliche Situation unserer Mieter in absehbarer Zeit entwickeln wird." An Investitionen in Sanierungen und Modernisierungen der Wohnungen halte der Konzern trotz der Viruskrise fest.

Mit Material von Reuters
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