Freitag, 23. August 2019

Front gegen Milliardendeal wächst 10 US-Bundesstaaten wollen mit Kartellklage T-Mobile-Sprint-Deal verhindern

Der Widerstand gegen eine Übernahme wächst

Die geplante milliardenschwere Übernahme des US-Mobilfunkers Sprint durch die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom geht vor Gericht. Zehn US-Bundesstaaten wollen den Deal mit einer Kartellklage verhindern. Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James hat die Klage am Dienstagnachmittag (Ortszeit) bei einem Bundesbezirksgericht in New York eingereicht.

Kurz zuvor hatte die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg über die anstehende Kartellklage berichtet. Der Wettbewerb werde eingeschränkt und die Kosten für Verbraucher würden jährlich um bis zu 4,5 Milliarden Dollar steigen, befürchten die klagenden Staaten.

Verbraucherschützer und Gegner der Fusion in den USA äußern diesen unbelegten Verdacht schon länger, bezifferten bislang allerdings nie einen möglichen Schaden. T-Mobile US und Sprint hingegen haben den Kunden in der Vergangenheit sogar günstigere Tarife in Aussicht gestellt. Eine Stellungnahme der beiden Konzerne lag am Dienstagabend (MEZ) noch nicht vor.

Die Klage dürfte den Druck auf Makan Delrahim, Leiter der Kartellabteilung des US-Justizministeriums, beachtlich erhöhen. Das Ministerium befindet sich derzeit in der Endphase der Prüfung der geplanten Übernahme. Angeblich tendiere es dazu, die Zugeständnisse der beiden Konzerne abzulehnen.

Nach Übernahme mehr als 50 Prozent Marktanteil in manchen US-Regionen

Die klagenden Staaten machten geltend, dass T-Mobile und Sprint im Geschäft mit Privatkunden nach der Fusion in einigen Gebieten der USA einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent hätten. Mögliche Tariferhöhungen nach dem Zusammenschluss würden überproportional Verbraucher mit geringerem Einkommen treffen, insbesondere Kunden der Prepaid-Marken Boost und Metro von Sprint und T-Mobile. Die Kläger sollen sich auf die Expertise namhafter Ökonomen der Elite-Universitäten Berkeley und Yale stützen.

Zuletzt hatten die Telekom-Tochter und Sprint noch Hoffnung geschöpft, weil die Aufsichtsbehörde des US-Bundesstaates Pennsylvania die Übernahme genehmigt und zuvor die US-Regulierungsbehörde FCC Zustimmung signalisiert hatte. Die beiden Parteien hätten signifikante Zugeständnisse gemacht. Sie böten neben Verkäufen auch den Aufbau eines 5G-Netzes sowie 5G-Dienstleistungen auch in ländlichen Gebieten an, begründete die FCC.

Allerdings können US-Bundesstaaten, wie es sich jetzt abzeichnet, ihr Veto gegen eine Fusion vor Gericht einlegen. Ein Zusammengehen von T-Mobile US und Sprint war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an Wettbewerbsbedenken gescheitert.

T-Mobile US will mit der Übernahme von Sprint mit dann insgesamt rund 130 Millionen Kunden einen schlagkräftigen Gegner für die beiden US-Mobilfunkplatzhirsche Verizon und AT&T formen. Dazu wollen die Unternehmen 6 Milliarden Dollar an jährlichen Kosten einsparen.

Manche Telekom-Experten raten angesichts des hohen Preises (umgerechnet 27 Milliarden Dollar in eigenen Aktien) und der hohen Auflagen von der Übernahme ab. Die Verschuldung des Bonner Konzerns würde rasant und auf Jahre spürbar steigen, machen sie geltend. In den ersten Jahren sollen zudem über 40 Milliarden Dollar in das dann gemeinsame Mobilfunknetz investiert werden. Auch hatte Sprint für das letzte Quartal einen Milliardenverlust ausgewiesen und Marktanteile in den USA verloren.

rei

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