Samstag, 18. Januar 2020

Deutsche-Telekom-Tochter offenbar zu Teilverkäufen bereit T-Mobile US und Sprint  wollen Mega-Fusion wohl mit Zugeständnissen retten

 T-Mobile US und Sprint
ddp/INTERTOPICS/Photoshot
T-Mobile US und Sprint

Die Telekom-Tochter T-Mobile US und ihr Konkurrent Sprint wollen Kreisen zufolge bald Zugeständnisse zur Rettung ihrer geplanten Fusion bekanntgeben. Die beiden US-Mobilfunker wollen dabei zum Beispiel den Verkauf von Sparten anbieten, den Aufbau eines 5G-Netzes innerhalb von drei Jahren und auch die Versorgung von ländlichen Regionen garantieren, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete.

Die Zugeständnisse an die Regulierungsbehörden könnten noch in dieser Woche bekanntgegeben werden. Sprecher der beiden Konzerne wollten die Informationen nicht kommentieren, hieß es weiter. Aktuell prüft das US-Justizministerium und die für die Branche zuständigen Behörde FCC die Fusion. Die neuen Zugeständnisse seien eine Folge der jüngsten Gespräche mit FCC-Vertretern, hieß es in dem Bericht weiter.

Ein Zusammengehen von T-Mobile US und Sprint war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach an Wettbewerbsdenken gescheitert. Nun rechnet die Telekom nach mehreren Unterbrechungen der Prüffrist von 180 Tagen Anfang Juni mit einer Entscheidung. Man befinde sich in der letzten Runde des Prozesses, hatte es zuletzt von der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigengeheißen.

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Vor gut einem Jahr hatte sich die Telekom nach langem Ringen mit dem Sprint-Haupteigner Softbank auf die Modalitäten eines Zusammengehens geeinigt. Mit der Fusion wollen die beiden kleineren Anbieter am US-Mobilfunkmarkt jährlich über 6 Milliarden Dollar an Kosten sparen. Mit dann rund 130 Millionen Mobilfunkkunden wollen sie sich zu einem mächtigen Gegenspieler für die beiden Platzhirsche Verizon und AT&T mausern.

Nach aktuellen Kursen legt die Telekom für die Übernahme von Sprint T-Mobile-US-Aktien im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro) auf den Tisch, die Verschuldung wird auf Jahre spürbar steigen. In den ersten Jahren sollen zudem über 40 Milliarden Dollar in das dann gemeinsame Mobilfunknetz gesteckt werden.

Sprint wies zuletzt einen Milliardenverlust aus

Dabei befindet sich Sprint alles andere als in einer guten Verfassung: Der US-Mobilfunkanbieter wies zuletzt für das abgelaufene Quartal einen Verlust von 2,17 Milliarden Dollar aus - nach einem Gewinn von 69 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz erhöhte sich um 4,4 Prozent auf 8,44 Milliarden Dollar. Allerdings verliert Sprint Kunden: 189.000 waren es allein im letzten Quartal.

Für manchen Experten stellt Sprint daher längst das berüchtigte "fallende Messer" dar, in das die Telekom besser nicht greifen sollte, sagte etwa Roger Entner, Gründer der Branchenberatung Recon Analytics, gegenüber dem "Handelsblatt".

Vor diesem Hintergrund stellt sich in der Gesamtschau die Frage, ob die Telekom nicht besser beraten wäre, die Übernahme abzublasen. Sie könnte Sprint und anderen Wettbewerbern wie in der Vergangenheit die Kunden abzujagen versuchen - Experte Enter sieht das so. Andere Marktbeobachter halten dagegen, dass in der Branche vor allem Größe zähle und nur mit Sprint im Rücken T-Mobile gegen Verizon und AT&T bestehen könne.

rei mit dpa

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