Mittwoch, 13. November 2019

Hohe Investitionen Telekom kürzt Dividende, Aktie fällt

Telekom-Chef Tim Höttges: Hohe Investitionen in den USA und hohe Kosten für Mobilfunklizenzen führen dazu, dass der Konzern die Dividende senkt. Anleger trennen sich von Papieren

Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen hat nach Zuwächsen in den ersten neun Monaten ihre Jahresprognose angehoben. Der operative Gewinn soll nun 2019 bei 24,1 Milliarden Euro liegen, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Das sind rund 200 Millionen Euro mehr als bislang kalkuliert.

Im dritten Quartal konnte die Telekom unter anderem dank des erneut starken US-Geschäfts, dessen Dominanz zuletzt zu einem Kulturkampf innerhalb des Konzerns geführt hatte, diesen Wert um 5,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro verbessern. Aus eigener Kraft, das heißt ohne Zukäufe und Wechselkurseffekte, wäre der Konzern allerdings nicht ganz so stark gewachsen. "Unsere Gewinne stiegen in den ersten neun Monaten dieses Jahres in allen Bereichen des Konzerns - zum Teil mit zweistelligen Wachstumszahlen. Gleichzeitig investieren wir Rekordsummen", sagte Vorstandschef Tim Höttges.

Die Erlöse kletterten von Juli bis September um 4,8 Prozent und übertrafen damit erstmals die Marke von 20 Milliarden Euro. Unter dem Strich legte der auf die Aktionäre des Konzerns entfallende Gewinn unerwartet stark um fast ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro zu.

Dividende wird reduziert, Aktie gerät unter Druck

Was Anleger trotz der höheren Gewinnprognose veranlasst, die Aktie loszuschlagen: Für 2019 kündigte Höttges eine Dividende von nur noch 60 Cent je Aktie an - das sind zehn Cent weniger als für das Jahr zuvor. Höttges verwies unter anderem auf hohe Kosten für die Mobilfunkauktion in Deutschland. Die Gewinnbeteiligung soll aber unabhängig davon gezahlt werden, ob der geplante Milliarden-Deal der US-Mobilfunktochter T-Mobile über die Bühne geht oder nicht.

Doch die Kürzung der Dividende stößt vielen Anlegern sauer auf: Die Deutsche Telekom dümpelt seit Jahren um die Marke von 15 Euro je Aktie. Das Papier hat Aktionären, die die Telekom-Aktie in der dritten Tranche im Juni 2000 zu 66,50 Euro gekauft haben, bis heute schwere Kursverluste eingebracht. Viele Aktionäre hatten die Aktie in den vergangenen Jahren nur noch wegen der vergleichsweise hohen Dividendenrendite in ihrem Depot gehalten - und sehen nun keinen Grund mehr dafür.

Weniger Dividende gibt Spielraum für mehr Investitonen in den USA

Analyst Akhil Dattani von JPMorgan sprach von einer gemischt ausgefallenen Quartalsbilanz. Enttäuscht habe vor allem die Nettoverschuldung von insgesamt 78,8 Milliarden Euro, die wegen Wechselkursveränderungen und Absicherungen, aber auch rechnungslegungsbedingt um 3,2 Milliarden Euro über der durchschnittlichen Analystenerwartung liege.

Zudem sieht Dattani in der neuen Dividendenpolitik sowohl Positives als auch Negatives. Die bis auf Weiteres auf mindestens 60 Cent je Aktie festgeschriebene Ausschüttung sei im Falle eines erfolgreichen Zusammenschlusses mit T-Mobile besser als erwartet. "Eine Enttäuschung wäre sie aber in einem No-Deal-Szenario", schrieb der JPMorgan-Experte. Das Vorgehen der Telekom sei indes strategisch weise, da es dem Unternehmen mehr Flexibilität gebe, in den USA über die Tochter gegebenenfalls auch ein eigenes Gebot für 5G-Lizenzen abzugeben.

Auch Analyst Andrew Lee von Goldman Sachs teilt diese Ansicht. Die Dividendenkürzung signalisiere Investitionen und damit eine mögliche Neuverschuldung in den USA mit oder ohne Deal der Tochter T-Mobile US mit Sprint, schrieb er. Ansonsten nannte er die vorgelegten Quartalszahlen "wie erwartet".


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Unterdessen setzt die Telekom auf weitere Expansion in den USA. Die US-Tochter T-Mobile will mit dem US-Mobilfunkanbieter Sprint fusionieren. Der Konzern setzt auf eine Freigabe im kommenden Jahr. Vor einem Bundesgericht in den USA haben mehrere Bundesstaaten gegen die Pläne geklagt. Sie befürchten, dass ein Zusammenschluss der Nummer drei und vier des US-Mobilfunkmarktes die Preise in die Höhe treiben würde.

Die 60-Cent-Marke soll dem Konzern zufolge auch die Mindestdividende für die kommenden Jahre sein. Zuvor waren hier am unteren Rand noch 50 Cent angepeilt. Damit will die Telekom die Unsicherheit um den geplanten Zusammenschluss von T-Mobile und Sprint beseitigen. Für diesen Fall sollte die Untergrenze gelten.

mg/rtr, dpa-afx

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