Freitag, 19. Juli 2019

Sorge und Zweifel an US-Übernahme Sollte Telekom besser ohne Sprint wachsen?

 T-Mobile US und Sprint: Ein guter Deal für die Deutsche Telekom in den USA?
ddp/INTERTOPICS/Photoshot
T-Mobile US und Sprint: Ein guter Deal für die Deutsche Telekom in den USA?

Die Telekom-Tochter T-Mobile wächst in den USA seit 18 Quartalen - US-Behörden könnten ob dieser enormen Stärke die geplante Sprint-Übernahme unter Auflagen stellen oder erneut untersagen. Dabei häuft Sprint Milliardenverluste an und verliert immer mehr Kunden. Sollte die Telekom noch an dem Deal festhalten? Nein, sagen einzelne Experten.

Dank eines kräftigen Wachstums der Tochter T-Mobile US ist die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen im ersten Quartal beim Umsatz und Ergebnis vorangekommen. Von Januar bis März steigerte der größte europäische Telekom-Konzern seinen Umsatz um 3,5 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) stieg um knapp 4 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro.

Die Ergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Die T-Aktie notierte am Vormittag leicht im Plus. Für den Ausbau und die Modernisierung von Netzen in Deutschland und den USA gab die Telekom im ersten Quartal 3,7 Milliarden Euro aus, das waren fast 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Unter dem Strich belasteten aber bereits Kosten für die geplante milliardenschwere Übernahme des US-Mobilfunkrivalen Sprint: Der Nettogewinn der Deutschen Telekomging um gut 9 Prozent auf 900 Millionen Euro.

1,7 Millionen neue Kunden in den USA

Zugpferd war erneut die amerikanische Mobilfunktochter T-Mobile US, die Umsatz und Gewinne deutlich ausbaute und 1,7 Millionen neue Kunden hinzugewann. T-Mobile US jagt den Platzhirschen AT&T und Verizon seit vielen Quartalen mit einer aggressiven Preispolitik und Marketingaktionen Kunden ab.

Die Telekom will die Tochter mit dem Rivalen Sprint fusionieren, jedoch steht die Zustimmung der Aufsichtsbehörden noch aus. Während die Firmen günstigere Tarife in Aussicht stellen, befürchten Verbraucherschützer höhere Preise nach einem Zusammenschluss. An Wettbewerbsbedenken war ein Zusammengehen von T-Mobile US und Sprint in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gescheitert.

Das Projekt soll das Meisterstück von Tim Höttges werden. Mit Sprint zusammen will die Telekom am US-Mobilfunkmarkt jährlich mehr als 6 Milliarden Dollar an Kosten sparen - und die beiden Platzhirsche Verizon und AT&T angreifen.

Nach aktuellen Kursen legt die Telekom dafür T-Mobile-US-Aktien im Wert von gut 30 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro) auf den Tisch, die Verschuldung wird auf Jahre spürbar steigen. Auch der Gewinn der Bonner wird durch die Kosten für den Zusammenschluss spürbar leiden. In den ersten Jahren sollen zudem über 40 Milliarden Dollar in das dann gemeinsame Mobilfunknetz investiert werden.

Sprint mit Milliardenverlust und Kundenschwund, Sorge vor Auflagen

Dabei befindet sich Sprint alles andere als in einer guten Verfassung: Der US-Mobilfunkanbieter wies am Vortag für das abgelaufene Quartal einen Verlust von 2,17 Milliarden Dollar aus - nach einem Gewinn von 69 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz erhöhte sich um 4,4 Prozent auf 8,44 Milliarden Dollar. Allerdings verliert Sprint Kunden: 189.000 waren es allein im letzten Quartal.

Für manchen Experten stellt Sprint daher längst das berüchtigte "fallende Messer" dar, in das die Telekom besser nicht greifen sollte, sagt etwa Roger Entner, Gründer der Branchenberatung Recon Analytics, gegenüber dem "Handelsblatt".

Zudem wird spekuliert, dass die US-Behörden für die Übernahme noch Auflagen machen könnten, sich T-Mobile US für den Deal womöglich von Geschäft in den USA trennen muss. Schließlich ist T-Mobile in den USA enorm erfolgreich, wächst dort seit 18 Quartalen kontinuierlich, baut seinen Marktanteil dank seiner aggressiven Strategie kontinuierlich aus.

Vor diesem Hintergrund stellt sich in der Gesamtschau die Frage, ob die Telekom nicht besser beraten wäre, die Übernahme abzublasen. Sie könnte Sprint und anderen Wettbewerbern wie in der Vergangenheit die Kunden abzujagen versuchen - Experte Enter sieht das so. Andere Marktbeobachter halten dagegen, dass in der Branche vor allem Größe zähle und nur mit Sprint im Rücken T-Mobile gegen Verizon und AT&T bestehen könne.

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Wie wichtig die USA für die Deutsche Telekom sind, zeigt auch die maue Entwicklung in Deutschland: Hier wuchsen die Erlöse lediglich um 0,6 Prozent. Der Konzern gewann aber auch hierzulande Kunden hinzu und steigerte das bereinigte Betriebsergebnis um 2,4 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Höttges bestätigte die Prognosen für das Gesamtjahr. Demnach soll das Betriebsergebnis bei 23,9 Milliarden Euro liegen, Umsatz und Investitionen sollen weiter steigen.

rei mit Nachrichtenagenturen

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