Montag, 6. April 2020

Konzern lenkt gegenüber Bundesnetzagentur ein Post nimmt Preiserhöhungen für Pakete zurück

"Ungerechtfertigte Preiserhöhungen einseitig zu Lasten von Privatkunden": Die Bundesnetzagentur kritisiert mit klaren Worten die jüngste Preisrunde der Deutschen Post. Die Post-Tochter DHL senkt nun die Preise zum 1. Mai.

Auf Druck der Bundesnetzagentur wird die Deutsche Post ihre kürzliche Preiserhöhung für Pakete zurücknehmen. Die Behörde hatte die Preise als zu hoch beanstandet und ein offizielles Verfahren eingeleitet. Die Preise sollen zum 1. Mai wieder gesenkt werden. Dies geschehe, "um eine langwierige rechtliche Auseinandersetzung mit der Bundesnetzagentur zu vermeiden", begründete der Konzern seine Entscheidung am Mittwoch.

Die Post hatte ihre Preise für Privatkunden zum Jahreswechsel erhöht. Die Kosten für Personal und Transport seien gestiegen, hatte das Unternehmen dazu erklärt. Bei den unterschiedlichen Arten von Paketen fiel die Anhebung verschieden aus.

Ein bis zu zwei Kilo schweres, mittelgroßes Päckchen innerhalb Deutschlands kostet in der Filiale nun 4,79 Euro, zuvor waren es 4,50 Euro. Der Versand eines 10-Kilo-Pakets verteuerte sich um einen Euro auf 10,49 Euro. Im Durchschnitt stiegen die Preise um 3 Prozent. Günstiger kommt weg, wer seine Pakete online frankiert. Zuletzt hatte der Konzern seine Paketgebühren 2017 angehoben.

Die Bundesnetzagentur hält diese neuen Preise für zu hoch. Die Regulierungsbehörde vermutet, dass sie die tatsächlich anfallenden Kosten überschreiten. Mit ihrer marktbeherrschenden Stellung könne die Post diese Preise deshalb im Sinne des Wettbewerbs nicht verlangen. Im Paketbereich hat der Bonner Konzern einen Marktanteil von rund 70 Prozent.

Privatkundengeschäft verliert im Paketbereich zunehmend an Bedeutung

"Es gibt deutliche Hinweise, dass die Post einseitig zu Lasten von Privatkunden ungerechtfertigte Erhöhungen der Paketpreise vorgenommen hat", hatte der Chef der Bonner Regulierungsbehörde, Jochen Homann, die Einleitung des Verfahrens begründet.

Ab Anfang Mai sollen für Päckchen und Pakete die gleichen Preise gelten wie zuvor. Das Datum erklärt sich laut Post dadurch, dass IT-Systeme und Kundeninformationen wieder auf die alten Beträge angepasst werden müssten.

Die Post muss somit mittelfristig auf die Mehreinnahmen durch Pakete von privaten Kunden verzichten. Wie groß der Anteil des Privatkundengeschäfts im Paketbereich ist, dazu äußert sich die Post nicht. In jedem Fall ist das Geschäft mit Privatpaketen seit Jahren rückläufig und bewegt sich laut Experten mittlerweile im niedrigen einstelligen Bereich. "Ertragsmäßig ist das vernachlässigbar", sagt der Hamburger Logistikexperte Horst Manner-Romberg.

Wann und wie die nächste Preiserhöhung ansteht, bleibt bis auf Weiteres unklar. "Aber natürlich werden wir irgendwann die Preise auch wieder erhöhen müssen", sagte der Post-Sprecher.

Mit dem Einlenken der Post hat die Regulierungsbehörde das offizielle Verfahren gegen Konzern nun eingestellt, wie ein Sprecher am Montag erklärte.

rei/dpa/Reuters/mihec

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung