Sonntag, 23. Februar 2020

Umsatzranking weltweit Vier deutsche Familienunternehmen in der Weltspitze

VW, Lidl, BMW und Aldi gehören zu den zwölf umsatzstärksten Familienunternehmen weltweit

Deutsche Familienunternehmen sind weltweit aktiv und spielen in der Weltspitze mit: Dies zeigt ein globales Ranking der 100 umsatzstärksten Familienfirmen weltweit. Allein aus den Top 12 kommen vier Unternehmen aus Deutschland.

Deutsche Mittelständler gelten als "Hidden Champions", die weltweit aktiv sind und in ihren Nischenmärkten zu den Weltmarktführern zählen. Viele von ihnen sind in Familienhand: Die Bedeutung der deutschen Familienunternehmen wird auch in einem Ranking deutlich, das die 100 umsatzstärksten Unternehmen der Welt miteinander vergleicht. Lediglich die deutlich größere Volkswirtschaft USA ist mehr Familienunternehmen unter den Top 100 vertreten als Deutschland. Blickt man auf den Anteil unter den 12 führenden Familienunternehmen weltweit, stellt Deutschland gleich vier Unternehmen unter den Top 12.

Zu den zwölf global umsatzstärksten Konzernen, die von Familien dominiert werden, zählen Volkswagen (Rang 2), die Schwarz-Gruppe (Lidl und Kaufland, Rang 6), der Autobauer BMW (Rang 8) sowie der Discounter Aldi Nord und Süd (Rang 11) (siehe Fotostrecke). Zu diesen Ergebnissen kommt eine Analyse der Stuttgarter Kanzlei Binz & Partner, die auf Familienunternehmen spezialisiert ist. Lediglich die USA schicken mit 6 Familienunternehmen noch mehr Vertreter in die Top 12 - die beiden Länder bestücken die Spitzengruppe damit fast im Alleingang.

12 deutsche Familienunternehmen in den Top 100

Die 12 deutschen Familienunternehmen des weltweiten Top 100 Rankings erzielten 2018 zusammen 704 Milliarden Euro an Umsatz, das entspricht 15 Prozent des Gesamtumsatzes von knapp 4,8 Billionen Euro. Neben Volkswagen (Familien Piech/Porsche), Schwarz-Gruppe (Schwarz), BMW (Quandt/Klatten), Aldi Nord/Süd (Albrecht) schaffen es Continental (Schaeffler), Phoenix (Merckle), Ceconomy (Haniel), Heraeus (Heraeus), Henkel (Henkel), Bertelsmann (Mohn), Boehringer Ingelheim (Boehringer/von Baumbach) und Rethmann (Familie Rethmann mit den Unternehmen Remondis, Rhenus und Saria) in den Kreis der Top100.

"Wir wissen, dass es in Deutschland eine starke Kultur des Familienunternehmens gibt. Wir wissen auch, dass gerade Weltmarktführer in Nischen häufig aus Deutschland kommen", sagt Mark Binz, Senior-Partner bei Binz & Partner. Doch die Umsatz-Analyse zeige außerdem, dass die großen familienkontrollierten Konzerne auch im globalen Kontext eine herausragende Stellung einnehmen.

Walmart vor VV das umsatzstärkste Familienunternehmen der Welt

Der Anteil der deutschen Familienunternehmen unter den Top 100 (12 Prozent) wird nur vom Anteil US-amerikanischer Familienunternehmen (24 Prozent) übertroffen. Die 24 US-Firmen kommen zusammen auf 1,572 Billionen Euro Umsatz im Jahr 2018 (33 Prozent). Mit Walmart stammt das mit 449 Milliarden Euro Umsatz größte Familienunternehmen der Welt aus den USA. Ohne Walmart stehen die US-Familienunternehmen immerhin noch für 24 Prozent des Umsatzes aller Top 100 Firmen.

Deutschland auf Platz 2 noch vor China

Hinter den USA folgt im Umsatzranking Deutschland noch vor China (zehn Unternehmen, 500 Milliarden Euro Umsatz, 11 Prozent des globalen Top 100 Umsatzes). Professor Binz sagt: "Das deutsche Modell des Familienunternehmens beweist demnach auch im internationalen Vergleich seine außergewöhnliche Leistungsfähigkeit".

Diese Einschätzung wird untermauert durch einen Blick auf Unternehmens-Rankings nach Umsatz beziehungsweise Marktkapitalisierung aller Unternehmen (nicht nur der Familienunternehmen). In diesen Betrachtungen nehmen deutsche Unternehmen keine derart führende Position ein. Das Ranking "2018 Fortune Global 100" beispielsweise führt acht deutsche Unternehmen: Volkswagen (Rang 7), Daimler (16), Allianz (38), BMW (51), Siemens (66), Bosch (75), Deutsche Telekom (81) und Uniper (88)). Bei Ranglisten nach Marktkapitalisierung spielen deutsche Konzerne schon längst nicht mehr in der ersten Liga.

Top 100 aus 24 Ländern, doch jedes dritte kommt aus Deutschland oder USA

Aus insgesamt 24 Ländern stammen die Unternehmen der Top 100. Neben den USA, Deutschland und China verfügen Frankreich und Indien über einen überproportional großen Sektor an Familienunternehmen. Frankreichs neun Top 100 Unternehmen erzielten 2018 einen addierten Umsatz von 267 Milliarden Euro, Indiens sechs Firmen kamen auf 349 Milliarden Euro an Umsatz.

Arnault, Agnelli, Tata, Kamprad, Koc: Die Familienfürsten weltweit

In vielen Ländern spielen einzelne Unternehmerclans eine tragende Rolle. Zu diesen gehören in Italien die Familie Agnelli (Exor Group), in Indien die Familien Tata, Ambani (Reliance Industries) und Mittal (ArcelorMittal), in Frankreich die Familien Mulliez (Auchan Holding), Arnault (LVMH) und Bettencourt (L'Oréal), in der Türkei Koç, in Schweden Kamprad (Ikea), in der Schweiz Hoffman/Oeri (Roche), in Dänemark Møller (A. P. Møller-Mærsk) oder in den Niederlanden Heineken.

"Diese Unternehmen und ihre Eigentümer besitzen in ihren Ländern Gewicht, weit über die reine Wirtschaftskraft der einzelnen Firmen hinaus", sagt Binz. Doch nirgends ist die Bedeutung von Unternehmerfamilien relativ gesehen so groß wie in Deutschland." Dies zeigt sich auch mit Blick auf die beschäftigten Menschen: Die weltweiten Top 100 Familienunternehmen beschäftigten 2018 zusammen fast 16 Millionen Mitarbeiter, die deutschen allein rund 2,1 Millionen Personen.

In der Untersuchung von Binz und Partner wurden reine Familienunternehmen berücksichtigt sowie börsennotierte Unternehmen, an denen die Inhaberfamilie oder die Familien-Stiftung mindestens 32 Prozent der Stimmrechtsanteile hält.

la/mmo

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