Amerikaner scheiden aus Poker um Börsen-Fusion aus Der Traum von der europäischen Mega-Börse rückt näher

Von mm-newsdesk
Eine Hürde weniger - dennoch bleibt für Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter noch viel zu tun

Eine Hürde weniger - dennoch bleibt für Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter noch viel zu tun

Foto: DPA
Fotostrecke

Deutsche Börse sucht Partner: Woran die früheren Fusionsversuche scheiterten

Foto: DPA

Deutsche-Börse -Chef Carsten Kengeter und LSE -Boss Xavier Rolet kommen ihrem Traum von einer europäischen Mega-Börse näher. Der US-Konkurrent ICE, der mit einer Gegenofferte für die London Stock Exchange (LSE) geliebäugelt hatte, zog sich am Mittwoch frustriert aus dem Poker zurück.

Er habe ein Jahr lang vergeblich versucht, sich mit dem LSE-Management zu treffen, klagte ICE-Chef Jeffrey Sprecher. Das Engagement der LSE sei "enttäuschend" gewesen.

Durch den Rückzug von Sprecher, der für sein aggressives Vorgehen in Übernahmeschlachten bekannt ist, steigen die Chancen, dass der Zusammenschluss von Deutscher und Londoner Börse im dritten Anlauf gelingt. Die Aktien der Deutsche Börse schossen Mittwoch rund 7 Prozent nach oben und waren damit mit Abstand größter Gewinner im Dax. LSE-Papiere brachen zeitweise um 10 Prozent ein, weil ein Wettbieten um die Londoner Börse unwahrscheinlicher geworden ist.

Die Deutsche Börse und die LSE wollen durch ihren gut 25 Milliarden Euro schweren Zusammenschluss einen europäischen Champion bilden, der den deutlich größeren Konkurrenten aus den USA und Asien Paroli bieten kann. Eine Gegenofferte der ICE, die im März offiziell Interesse an der LSE bekundet hatte, galt dafür neben der Zustimmung der Aufsichtsbehörden als größtes Hindernis.

Funkt jetzt noch die Chicago Mercantile Exchange dazwischen?

Banker halten es aber für denkbar, dass noch ein anderer Konkurrent seinen Hut in den Ring wirft - etwa die Chicago Mercantile Exchange (CME). Neue Bieter hätten allerdings mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen wie die ICE, sagte eine mit dem Prozess vertraute Person.

Sprecher hat die Intercontinental Exchange (ICE) 2000 gegründet und sie binnen weniger Jahre durch mehrere spektakuläre Übernahmen zu einem der größten Börsenbetreiber weltweit gemacht. 2013 schluckte er die altehrwürdige New York Stock Exchange und damit auch die in London ansässige Derivate-Börse Liffe. Der Versuch, auch die LSE zu kaufen, stieß in London jedoch auf wenig Gegenliebe.

LSE-Chef Rolet machte mehrfach deutlich, dass er lieber einen Zusammenschluss auf Augenhöhe mit der Deutschen Börse will als eine Übernahme durch die ICE. Er wolle nicht, dass ein Unternehmen die LSE aufspalte und alles zerstöre, was man in den vergangenen Jahren aufgebaut habe, sagte er in einem Interview. "Ein Unternehmen aus Atlanta wird sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, wie sich die europäische Industrie finanziert." Experten gehen zudem davon aus, dass europäische Aufsichtsbehörden einer feindlichen Übernahme der LSE nicht zugestimmt hätten.

Kengeter: "Ein Warten war für uns nicht möglich"

Mit den verfügbaren Informationen habe die ICE nicht erhärten können, dass ein Zusammenschluss mit der LSE vorteilhaft für Märkte und Aktionäre sei, erklärten die Amerikaner. Erschwerend kam für sie die Unsicherheit über ein mögliches Austreten Großbritanniens aus der EU hinzu.

Im Fall eines "Brexit", über den erst am 23. Juni abgestimmt wird, würde der Wert der LSE aus Sicht von Analysten sinken. Für die ICE wäre es deshalb ein großes Wagnis gewesen, im Vorfeld des Referendums ein attraktives Angebot für die Londoner Börse auf den Tisch zu legen.

Deutsche-Börse-Chef Kengeter wusste schon länger, dass US-Konkurrenten Interesse an der LSE haben, wie er am Dienstagabend erklärte . Deshalb sei er den Amerikanern mit seinen Fusionsplänen zuvorgekommen. "Ein Warten war für uns nicht möglich, obwohl es uns sicherlich viele Fragen erspart hätte." Die Folgen eines "Brexit" für die fusionierte Mega-Börse werden auch in Frankfurt kontrovers diskutiert. Aus Sicht von Kengeter macht ein Zusammenschluss beider Konzerne jedoch unabhängig vom Ausgang des Referendums Sinn.

Entspannt zurücklehnen kann sich Kengeter allerdings nicht, zumal sich die ICE ein Hintertürchen offenhielt. Das Unternehmen behalte sich vor, innerhalb der nächsten sechs Monate doch noch eine Offerte für die LSE vorzulegen, falls die britische Übernahme-Behörde dem zustimme. Ein Angebot wäre auch dann möglich, wenn die Fusion von Deutscher Börse und LSE platze, wenn ein anderer Bieter die Fühler nach der LSE ausstrecke oder wenn sich die Rahmenbedingungen grundlegend änderten.

Auch steht noch die Zustimmung Zustimmung etlicher Aufsichtsbehörden aus. "Es gibt noch viele Hürden", hatte Kengeter am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung in Frankfurt gesagt. "Wir haben die Unterlagen an die Aufsichtsbehörden in Brüssel noch nicht eingereicht. Wir sind natürlich im Gespräch mit hiesigen und auch weiteren Regulatoren und Aufsehern."

luk /rei/reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.