Mittwoch, 27. Mai 2020

Spanischer Börsenbetreiber Steigt die Deutsche Börse in den Bieterkampf um BME ein?

Börse in Madrid: Der Betreiber BME ist ein begehrtes Übernahmeobjekt
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Börse in Madrid: Der Betreiber BME ist ein begehrtes Übernahmeobjekt

Die Deutsche Börse Börsen-Chart zeigen prüft offenbar den Einstieg in den milliardenschweren Bieterkampf um den spanischen Börsenbetreiber Bolsas y Mercados Espanoles (BME). Die Überlegungen des Frankfurter Dax-Konzerns seien noch in einem frühen Stadium, berichten die spanischen Zeitungen "La Expansion" und "La Informacion" übereinstimmend unter Berufung auf Finanzkreise. Die beiden Unternehmen lehnten am Dienstag eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Erst am Montag hatte die Mehrländerbörse Euronext Übernahmegespräche mit BME bestätigt, über die zuvor bereits Gerüchte kursierten. Wenige Minuten danach erhielten die Spanier ein Kaufangebot von dem Schweizer Börsenbetreiber Six. Kämen die Schweizer mit dem größten Deal in der Firmengeschichte zum Zug, würden sie die Deutsche Börse als Nummer drei in Europa verdrängen.

Die Aktien der BME kletterten gestern um fast 40 Prozent auf ein Viejahreshoch von 35,50 Euro. Der größte Kurssprung der Firmengeschichte hob die Anteile über das Angebot der Schweizer von 34 Euro je Stück.

BME ist einer der letzten unabhängigen Handelsplätze in Europa

BME ist einer der letzten unabhängigen Handelsplätze auf dem europäischen Kontinent und betreibt alle Börsen und Finanzmärkte in Spanien. Das Unternehmen kämpft allerdings seit einigen Jahren mit rückläufigen Umsätzen und Gewinnen: 2018 stand bei 304 Millionen Euro Umsatz unter dem Strich ein Nettoergebnis von 136 Millionen Euro.

Europäischer Marktführer ist die Londoner Stock Exchange, die selbst gerade mit der Übernahme des Datenanbieters Refinitiv beschäftigt ist, vor Euronext. Seit Jahren schließen sich in Europa und auch weltweit die ehemals nationalen Börsen zusammen, um Skalenvorteile zu heben.

Die Deutsche Börse ist ebenfalls an Übernahmen interessiert - fokussiert sich dabei aber eigentlich nicht unbedingt auf Betreiber, die vor allem auf Aktienmärkte spezialisiert sind, sondern auf Handelsplattformen für Devisen und Rohstoffe. Hier hatte es zuletzt einen Rückschlag gegeben, da die Refinitiv-Tochter FXall nicht zu haben war.

mg/dpa-afx, rtr

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