Richter lassen Vergleich für Vorstandschef Kengeter platzen  Deutsche Börse trommelt Aufsichtsräte zu Krisensitzung zusammen

Zwei in einem Boot: Deutsche-Börse-Vorstandschef Carsten Kengeter (l) und sein Aufsichtsratschef Joachim Faber, hier bereits nur mittelmäßig gelaunt auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns im Mai in Frankfurt.

Zwei in einem Boot: Deutsche-Börse-Vorstandschef Carsten Kengeter (l) und sein Aufsichtsratschef Joachim Faber, hier bereits nur mittelmäßig gelaunt auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns im Mai in Frankfurt.

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Nach einer schweren Schlappe vor Gericht hat der Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Joachim Faber, sein Gremium für diesen Donnerstag (26. Oktober) zu einer Krisensitzung zusammengerufen. Hauptthema wird die Entscheidung des Amtsgerichts Frankfurt am Main sein, die den Betreiber des wichtigsten deutschen Finanzmarktplatzes in eine schwere Führungskrise gestürzt hatte.

Die Richter hatten einen Vergleich abgelehnt, der ein Strafverfahren gegen den Vorstandschef der Deutschen Börse , Carsten Kengeter, wegen eines möglichen Insidervergehens beenden sollte, wie der Konzern am Montagabend mitgeteilt hatte . Aufsichtsratschef Faber ist ein wichtiger Architekt dieses Vergleichs. Der Vergleich galt als Voraussetzung für eine Verlängerung des Vertrags für Kengeter, der im März nächsten Jahres endet.

Mit der Entscheidung ist nun sowohl die Zukunft Kengeters als auch Fabers an der Konzernspitze ungewiss.

Kengeter hatte sich im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro mit Börse-Aktien eingedeckt und Gratisanteilsscheine in ähnlichem Umfang erhalten, während er parallel heimlich mit der Londoner Börse LSE über einen Zusammenschluss gesprochen haben soll. Die Öffentlichkeit informierte die Börse erst im Februar 2016 darüber, mit der LSE Fusionsgespräche zu führen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen Unternehmen und CEO wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des Insiderhandels ein.

Im September einigten sich Börse, Kengeter und Staatsanwaltschaft darauf, dass das Verfahren eingestellt wird - gegen Zahlung von 10,5 Millionen Euro Buße durch die Börse und 500.000 Euro Geldauflage für Kengeter.

Am Montagabend teilte die Börse nun mit: "Dem Gericht erscheint eine Fortführung der Ermittlungen angesichts der Bedeutung des Verfahrens derzeit opportun. Die weitergehenden Ermittlungen könnten von einer Einstellung des Verfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts bis hin zur Anklageerhebung führen. Das Gericht hat die Sache, sowohl soweit es um die Ermittlungen gegen den Vorstandsvorsitzenden als auch um mögliche Schritte gegen die Gesellschaft geht, an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben, die nun über weitere Verfahrensschritte entscheiden wird." Eine wesentliche Rolle bei der Entscheidung hat nach Informationen von manager-magazin.de die skeptische Haltung der Finanzaufsicht BaFin gegen den Kompromiss gespielt. Die BaFin untersteht dem Bundesfinanzministerium.

soc