Montag, 27. Mai 2019

Deal mit Staatsanwaltschaft kritisch gesehen Finanzaufsicht BaFin erhöht Druck auf Börsenchef Kengeter

Carsten Kengeter: Dass der Börsenchef unbelastet weitermachen und seinen Vertrag verlängern kann, wird immer unwahrscheinlicher

Für Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wird die Luft immer dünner. Nach Informationen von manager-magazin.de hat die Finanzaufsicht BaFin jetzt auch schriftlich begründet, warum sie den zwischen Börse, Kengeter und Staatsanwaltschaft getroffenen Kompromiss zur Einstellung des Verfahrens gegen den CEO kritisch sieht.

Damit wird immer unwahrscheinlicher, dass Kengeter unbelastet weitermachen und seinen im März 2018 ablaufenden Vertrag verlängern kann, wie es sein Aufsichtsratschef Joachim Faber wünscht.

Kengeter hatte sich im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro mit Börse-Aktien eingedeckt und Gratisanteilsscheine in ähnlichem Umfang erhalten, während er parallel heimlich mit der Londoner Börse LSE über einen Zusammenschluss gesprochen haben soll. Die Öffentlichkeit informierte die Börse erst im Februar 2016 darüber, mit der LSE Fusionsgespräche zu führen. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen Unternehmen und CEO wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des Insiderhandels ein.

Im September einigten sich Börse, Kengeter und Staatsanwaltschaft darauf, dass das Verfahren eingestellt wird - gegen Zahlung von 10,5 Millionen Euro Buße durch die Börse und 500.000 Euro Geldauflage für Kengeter.

Gericht muss dem Deal zwischen Börse, Kengeter und Staatsanwalt noch zustimmen

Das Amtsgericht Frankfurt muss dem Deal allerdings zustimmen und dafür auch die rechtliche Würdigung des Falls durch die BaFin abwarten - weil die Finanzaufsicht einen "gewichtigen Anteil an der Entscheidung" des Gerichts haben werde, wie es hieß.

Seit Montag nun liegt die BaFin-Stellungnahme dem Amtsgericht vor - und sie ist nach Informationen aus Finanzkreisen genauso kritisch wie es frühere Äußerungen seitens der BaFin schon erahnen ließen.

Inzwischen hat das Gericht die Stellungnahme zur aktenführenden Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Die muss nun entscheiden: Stellt sie das Verfahren gegen Kengeter ein und riskiert, dass das Amtsgericht dem Deal nicht zustimmt und alles wieder von vorn beginnt?

Oder handelt sie einen neuen Kompromiss mit Kengeter aus, der auch dem Votum des Gerichts standhält - etwa eine höhere Geldauflage?

Rasche rechtliche Klärung unwahrscheinlich

So oder so ist klar: Eine rasche rechtliche Klärung des Falls ist unwahrscheinlich. Aber Faber und der Aufsichtsrat müssten jetzt entscheiden, ob Kengeters Vertrag verlängert oder ein unbelasteter Nachfolger gesucht wird. Bislang gilt Faber als nibelungentreu zu seinem Schützling Kengeter. Sein Spiel auf Zeit wird indes zum Eigentor - ihm läuft die Zeit weg.

Am heutigen Mittwoch will Faber die restlichen Aufsichtsräte über die Stellungnahme der BaFin informieren, wie zu hören ist. Denkbar also, dass er bald seine schützende Hand über Kengeter wegzieht und sich nach einem neuen CEO für den Dax-Konzern umschaut.

Anleger reagierten am Donnerstag mit Verkäufen: Die Aktie der Deutschen Börse gab am Nachmittag gegen den Trend deutlich nach.

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