Samstag, 7. Dezember 2019

Geldwäsche-Verdacht Razzia bei Deutscher Bank - "Panama Papers" führten Ermittler auf die Spur

Polizeiwagen vor der Zentrale der Deutschen Bank: Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der Steuerfahndung gehen bei der Bank dem Verdacht der Geldwäsche nach

Erneut steht die Deutsche Bank im Fadenkreuz von Ermittlern. Am Donnerstag durchsuchten sie die Zentrale in Frankfurt wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die berüchtigten "Panama Papers" sollen die Ermittler auf die Spur geführt haben. Die Bank war womöglich Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich. So könnte Geld aus Straftaten auf Konten der Bank geflossen sein, ohne dass sie Anzeige erstattete.

Razzia bei der Deutschen Bank: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt haben am Donnerstag Geschäftsräume des größten heimischen Geldhauses durchsucht. Grund seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung und der Bundespolizei durchsuchten seit dem Morgen sechs Objekte in Frankfurt, Eschborn und Groß-Umstadt. Die Ermittlungen richten sich den Angaben zufolge gegen zwei Mitarbeiter im Alter von 46 und 50 Jahren sowie andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens.

Die Aktien des immer wieder von Rechtsverstößen gebeutelten Instituts gingen auf Talfahrt: Papiere der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen verloren binnen weniger Minuten fast 5 Prozent an Wert. "Das bedeutet einen immensen Vertrauensverlust und kann sehr teuer werden für die Bank", sagte ein Aktienhändler.

Beim Hauptquartier des Instituts in der Frankfurter Taunusanlage waren am Vormittag mindestens zehn Mannschaftswagen der Bundespolizei zu sehen, zudem mehrere Zivilfahrzeuge mit Blaulicht. Die Deutsche Bank erklärte, sie arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen.

Im Video: Razzia in Frankfurt

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Bild: REUTERS

"Panama Papers" führten Ermittler auf die Spur

Nach einer Auswertung des beim Bundeskriminalamtes vorliegenden Datenbestandes der sogenannten "Offshore-Leaks" und "Panama Papers" habe sich der Verdacht ergeben, dass die Deutsche Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war und dabei Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutsche Bank transferiert wurden, ohne dass die Bank Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattete.

Über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sollen allein im Jahr 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

Bei den sogenannten "Panama Papers" handelt es sich um vertrauliche Unterlagen, die ein internationales Recherchenetzwerk im Frühjahr 2016 aufgedeckt hatte. Darin wurde enthüllt, wie Politiker, Sportfunktionäre, Milliardäre, Prominente und Kriminelle weltweit von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen in Panama nutzen, um Steuern in ihren Heimatländern zu umgehen. Im Sommer 2017 teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit, im Besitz der Dokumente zu sein und diese auszuwerten.

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