Geldwäsche-Verdacht Razzia bei Deutscher Bank - "Panama Papers" führten Ermittler auf die Spur

Erneut steht die Deutsche Bank im Fadenkreuz von Ermittlern. Am Donnerstag durchsuchten sie die Zentrale in Frankfurt wegen des Verdachts der Geldwäsche. Die berüchtigten "Panama Papers" sollen die Ermittler auf die Spur geführt haben. Die Bank war womöglich Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich. So könnte Geld aus Straftaten auf Konten der Bank geflossen sein, ohne dass sie Anzeige erstattete.
Polizeiwagen vor der Zentrale der Deutschen Bank: Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der Steuerfahndung gehen bei der Bank dem Verdacht der Geldwäsche nach

Polizeiwagen vor der Zentrale der Deutschen Bank: Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der Steuerfahndung gehen bei der Bank dem Verdacht der Geldwäsche nach

Foto: REUTERS

Razzia bei der Deutschen Bank: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt und das Bundeskriminalamt haben am Donnerstag Geschäftsräume des größten heimischen Geldhauses durchsucht. Grund seien Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche, teilte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mit.

Etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts, der Steuerfahndung und der Bundespolizei durchsuchten seit dem Morgen sechs Objekte in Frankfurt, Eschborn und Groß-Umstadt. Die Ermittlungen richten sich den Angaben zufolge gegen zwei Mitarbeiter im Alter von 46 und 50 Jahren sowie andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens.

Die Aktien des immer wieder von Rechtsverstößen gebeutelten Instituts gingen auf Talfahrt: Papiere der Deutschen Bank  verloren binnen weniger Minuten fast 5 Prozent an Wert. "Das bedeutet einen immensen Vertrauensverlust und kann sehr teuer werden für die Bank", sagte ein Aktienhändler.

Beim Hauptquartier des Instituts in der Frankfurter Taunusanlage waren am Vormittag mindestens zehn Mannschaftswagen der Bundespolizei zu sehen, zudem mehrere Zivilfahrzeuge mit Blaulicht. Die Deutsche Bank erklärte, sie arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen.

Im Video: Razzia in Frankfurt

Reuters

"Panama Papers" führten Ermittler auf die Spur

Nach einer Auswertung des beim Bundeskriminalamtes vorliegenden Datenbestandes der sogenannten "Offshore-Leaks" und "Panama Papers" habe sich der Verdacht ergeben, dass die Deutsche Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich war und dabei Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutsche Bank transferiert wurden, ohne dass die Bank Geldwäscheverdachtsanzeigen erstattete.

Über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sollen allein im Jahr 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

Bei den sogenannten "Panama Papers" handelt es sich um vertrauliche Unterlagen, die ein internationales Recherchenetzwerk im Frühjahr 2016 aufgedeckt hatte. Darin wurde enthüllt, wie Politiker, Sportfunktionäre, Milliardäre, Prominente und Kriminelle weltweit von der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca gegründete Briefkastenfirmen in Panama nutzen, um Steuern in ihren Heimatländern zu umgehen. Im Sommer 2017 teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit, im Besitz der Dokumente zu sein und diese auszuwerten.

Deutsche Bank geriet zuletzt im Danske-Bank-Skandal ins Fadenkreuz der Ermittler

Die Deutsche Bank stand schon öfter im Fokus der Ermittler. In den vergangenen Jahren fanden mehrfach Razzien bei dem Institut statt. 2015 beispielsweise waren die Frankfurter Doppeltürme - die Zentrale der Deutschen Bank - wegen des Verdachts der Beteiligung an Steuertricksereien durchsucht worden.

Vorwürfe, die Bank haben sich in puncto Geldwäsche- und Geldwäscheprävention nicht immer korrekt verhalten, sind nicht neu. Erst im September hatte die Finanzaufsichtsbehörde Bafin einen Aufpasser bei dem Institut installiert, weil sie unzufrieden war mit den Kontrollmechanismen - ein bis dato einmaliger Vorgang.

Danske-Bank-Skandal - Deutsche Bank brach Beziehung erst spät ab

Zuletzt war die Bank auch im Zusammenhang mit dem Geldwäscheskandal bei der Danske Bank ins Fadenkreuz geraten. Sie war bis 2015 als so geannte Korrespondenzbank für die Dänen tätig. Eine Mitverantwortung im Geldwäscheskandal bei der Danske Bank wies die Bank erst kürzlich zurück. Dabei hatte sie als Korrespondenzbank nach einem "Spiegel"-Bericht allein 2007 etwa Transaktionen im Volumen von 150 Milliarden Dollar für die dänische Bank abgewickelt.

Die Frankfurter bestreiten allerdings, konkrete Kenntnis über die Herkunft der Gelder gehabt zu haben. Es sei die Aufgabe von Danske als kontoführender Bank gewesen, im Rahmen ihrer "Know Your Customer"-Prozesse ihre Kunden zu überprüfen. Die Deutsche Bank selbst hätte dazu gar keine Möglichkeit gehabt.

Erst 2015 brach die Deutsche Bank ihre Geschäftsbeziehung zu Danske ab, "nachdem wir zuvor einen Anstieg von verdächtigen Transaktionen von Danske-Kunden identifiziert hatten", wie der Konzern mitteilte.

Tatsächlich aber soll es laut "Spiegel" intern lange vor 2015 deutliche Hinweise gegeben haben, dass etwas nicht stimme mit Danske-Kunden. So hätten die Deutsche Bank und ihre US-Tochter bereits zwischen März 2013 und November 2014 mindestens ein Dutzend Geldzahlungen von Danske-Kunden auf Deutsche-Bank-Konten in sechsstelliger Höhe zurückgewiesen - weil intern die Systeme anschlugen.

Die US-Bank JP Morgan, die ebenfalls als Korrespondenzbank für die Dänen arbeitete, hatte bereits 2013 die Verbindung zur Danske Bank gekappt. In Frankfurt ließ man sich dafür zwei Jahre mehr Zeit.

mit Nachrichtenagenturen
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