Sonntag, 15. Dezember 2019

Fall Kirch Warum die Deutsche Bank die Fusion von Springer und Holtzbrinck plante

Friede Springer, Leo Kirch (Archivbild 2002): Kirch hielt zeitweise 40 Prozent der Springer-Anteile - Springer hingegen hielt eine Put-Option für ProSieben, die den hochverschuldeten Kirch völlig überforderte

Es wäre die spektakulärste Fusion der deutschen Medienszene gewesen: 2001 plante die Deutsche Bank die Fusion der Verlagsriesen Holtzbrinck und Springer, um sich den Problemkunden Kirch vom Hals zu schaffen. Neu aufgetauchte Dokumente belegen erstmals, wie nah sich die beiden Medienhäuser kamen.

Leo Kirchs Lage Ende 2001 ist düster. Insgesamt beträgt die Schuldenlast es Münchener Medienunternehmers 7 Milliarden Mark - mindestens.

Es brennt an allen Ecken und Enden. So untersucht das Bundesamt für das Kreditwesen per Sonderprüfung Art und Umfang der Darlehen, die die Hausbanken Kirch gewährt haben. Allein die Bayerische Landesbank steht mit weit mehr als 1 Milliarde Dollar im Feuer.

Mit dem Staatsgeld kann Kirch der angeschlagenen Neuer-Markt-Ikone EM.TV die Mehrheit an der Formel-1-Gesellschaft SLEC abkaufen. Kirchs Pay-TV-Sender Premiere hat für 3 Milliarden Mark die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga gekauft und schreibt horrende Verluste. Mit Hollywood-Studios wie Columbia-Tristar, Universal, Fox, Paramount und Disney Buena Vista verhandelt der Patriarch über Änderungen an eigentlich unkündbaren Filmbezugsverträgen, um finanziellen Spielraum zu gewinnen.

Rupert Murdoch, sein Partner bei Premiere und zugleich härtester Rivale, ventiliert bereits sein Interesse an einer Vollübernahme der Kirch-Gruppe.

Planspiele beim Gläubiger Deutsche Bank

Der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen schuldet der schwerkranke Kirch gut 1 Milliarde Mark. Als Sicherheit hat er bei dem Geldhaus seine Aktien am Springer-Konzern verpfändet. Seit dem Tod von Verlagsgründer Axel Cäsar Springer 1985 hält Kirch rund 40 Prozent der Anteile. Milliardenschulden, ein hochdefizitäres Kerngeschäft: Die größte Medienpleite des Landes nimmt Gestalt an.

Doch die cleveren Strippenzieher der Deutschen Bank sind schon einen Schritt weiter. Sie haben konkrete Vorstellungen, wie sich aus dem taumelnden Kirch-Imperium etwas Neues aufbauen lässt.

Aus Dokumenten, die manager magazin vorliegen, wird klar, wie weit oben in der Bank-Hierarchie die Causa aufgehängt war. Und wie frühzeitig sich die Bank für den Fall in Stellung brachte, dass Kirch, der erst im April 2002 Insolvenz anmeldete, zerschlagen werden muss. Bis heute behauptet das Geldhaus das Gegenteil und streitet mit Kirchs Erben um Schadenersatz.

Die Idee der Deutschbanker im Herbst 2001: Warum nicht Kirchs Springer-Aktien, die er bei ihnen verpfändet hat und deren Wert allmählich verfällt, in eine neue Gesellschaft einbringen? Eine, die so groß und ertragreich wäre, dass sich die Bank um ihre Kreditposition keine Sorgen mehr machen müsste?

Die der größte Medienkonzern des Landes wäre?

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