Mittwoch, 13. November 2019

Urteil im Monte-Paschi-Skandal Ex-Deutsche-Bank-Topmanager Faissola zu Haftstrafe verurteilt

Michele Faissola

Der Skandal um die italienische Bank Monte dei Paschi holt die Deutsche Bank erneut ein und sorgt auch in der Führungsetage der Deutschen Bank für Unruhe: Ein Gericht in Mailand hat nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer jetzt den ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Michele Faissola zu einer Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt. Außerdem wurde die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen wegen umstrittener Derivate-Geschäfte mit Monte Paschi zu drei Millionen Euro Geldstrafe verurteilt.

Zusätzlich ordnete das Gericht die Beschlagnahme von 64 Millionen Euro bei der Deutschen Bank an. Die Deutsche Bank kündigte eine Prüfung des Urteils an. Gegen die Urteile ist eine Berufung möglich.

Die Verurteilung Faissolas ist auch aktuell für die Deutsche Bank hochrelevant: Der Italiener berät immer mal wieder den Großaktionär Katar in deren Verhältnis zu Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Bank. Zudem war Stefan Simon, derzeit als Vorstand verantwortlich unter anderem für die Beziehungen zu den Regulierungsbehörden, in der Vergangenheit zwischenzeitlich der anwaltliche Berater Faissolas.

Auch Topmanager der japanischen Bank Nomura verurteilt

Faissola und anderen hochrangigen Bank-Managern wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Verluste bei der italienischen Bank Monte dei Paschi (MPS) vertuscht, Bilanzen gefälscht und die Bankenaufsicht behindert zu haben. Dabei ging es um Vorgänge aus den Jahren 2008 bis 2012. Hintergrund war die Übernahme der Bank Antonveneta durch MPS im Jahr 2008. MPS, die älteste Bank der Welt, kämpft seit langem mit großen Problemen. Die Monte-Paschi-Manager Giuseppe Mussari und Antonio Vigni wurden zu Haftstrafen von jeweils sieben Jahren verurteilt. Alle Angeklagten hatten ihre Unschuld beteuert.

Neben Faissola wurden noch weitere Ex-Manager der Deutschen Bank mit Haftstrafen belegt. Zu den Verurteilten gehören auch Topmanager der japanischen Bank Nomura, die ebenfalls an der Vertuschung beteiligt gewesen sein sollen. Bei Nomura werden 88 Millionen beschlagnahmt, die japanische Bank muss 3,45 Millionen Euro Strafe zahlen. Monte Paschi selbst hatte sich schon 2016 mit dem Gericht geeinigt.

Insgesamt wurden sechs frühere Manager der Deutschen Bank - darunter einer aus ihrer Londoner Filiale - laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb Jahren und vier Jahren und acht Monaten verurteilt. Zwei frühere Nomura-Manager erhielten Urteile von drei Jahren und fünf Monaten beziehungsweise vier Jahren und acht Monaten. "Wir sind von diesem Urteil enttäuscht und werden die Begründung prüfen, sobald diese vorliegt", teilte die Deutsche Bank am Freitag mit.

la/mmo/reuters

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