Christian Sewing überrascht die Märkte Deutsche Bank schreibt Gewinn statt Verlust

Konzern-Chef Christian Sewing überrascht nicht nur mit einem Gewinn sondern

Konzern-Chef Christian Sewing überrascht nicht nur mit einem Gewinn sondern

Foto: Fabrice Coffrini/ AFP

Die Deutsche Bank hat sich im ersten Quartal überraschend gut geschlagen. Trotz der Corona-Krise schrieb Deutschlands größtes Geldhaus einen Gewinn vor Steuern von 206 Millionen Euro, wie das Institut in der Nacht zum Montag mitteilte. Von der Bank selbst befragte Analysten hatten hingegen im Schnitt einen Verlust von 269 Millionen Euro erwartet. In anderen Umfrage waren Analysten im Schnitt von 250 Millionen Euro Quartalsverlust ausgegangen.

Nach Steuern verdiente der Konzern 66 Millionen Euro. "Wir sind sehr zufrieden, dass die Ergebnisse für das erste Quartal unsere Fortschritte beim Umbau unserer Bank, die operative Stärke unseres Geschäfts und unsere Widerstandskraft bestätigen", sagte Konzernchef Christian Sewing.

Auch bei den Erträgen schlug sich die Deutsche Bank besser als erwartet: Sie verbuchte im ersten Quartal Einnahmen von 6,4 Milliarden Euro, die Experten hatten im Schnitt lediglich mit 5,7 Milliarden gerechnet. Die vollständigen Ergebnisse für das erste Quartal wird die Deutsche Bank am Mittwoch veröffentlichen.

Mögliche Treiber für die positive Ertragsentwicklung könnten eine hohe Nachfrage von Unternehmen nach Krediten oder anderen Finanzierungsformen infolge der Corona-Krise gewesen sein. Analyst Kian Abouhossein von der US-Bank JPMorgan vermutet, dass auch ein starker Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen dazu beigetragen haben könnte.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten gut an. Der zuletzt vom Corona-Crash arg gebeutelte Kurs der Deutsche Bank-Aktie  legte zum Handelsstart fast sieben Prozent zu. Seit dem Jahreswechsel hatte das Papier zuvor allerdings ähnlich wie der deutsche Leitindex Dax gut rund ein Fünftel an Wert verloren und war am Freitagabend mit 5,451 Euro aus dem Handel gegangen - ein gutes Stück über ihrem Rekordtief von 4,4485 Euro von Mitte März.


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Doch auch die Deutsche Bank spürt die Folgen der Corona-Krise. Eine halbe Milliarde Euro stellte der Konzern für faule Kredite zurück, das Kapitalpolster schmolz. Analysten hatten hier mit rund 350 Millionen Euro Rückstellungen gerechnet. Auch US-amerikanische Großbanken haben ihre Rückstellungen im abgelaufenen ersten Quartal deutlich erhöhen müssen, womit sich zum Beispiel der Gewinn von Goldman Sachs und Citigroup halbierte.

Die Bank will nun einen Teil des Spielraums, den die Aufseher den Geldhäusern in der Krise eingeräumt haben, für die Kreditvergabe nutzen und macht Abstriche bei ihrem Kapitalziel. "Wir sind fest entschlossen, unsere Bilanz zu nutzen, um Kunden zu unterstützen, die uns jetzt ganz besonders brauchen", sagte Sewing. "Durch diese Entscheidung könnte unsere harte Kernkapitalquote vorübergehend unser Ziel von mindestens 12,5 Prozent leicht unterschreiten, ohne die solide Bilanz unserer Bank zu schwächen." Per Ende März schrumpfte die Kernkapitalquote auf 12,8 Prozent von 13,6 Prozent Ende Dezember.

Analyst Abouhossein zeigte sich von den Zahlen insgesamt positiv überrascht. "Das einzige Negative, das wir sehen können, ist die Aussage, dass die Kernkapitalquote (CET1) zeitweise unter das bisherige Ziel von mindestens 12,5 Prozent fallen könnte." Allerdings hätten Analysten im Schnitt für Ende 2020 ohnehin bereits eine Quote von 12,3 Prozent erwartet.


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Als Reaktion auf die Krise haben die Bankenaufseher in den vergangenen Wochen eine Reihe von Erleichterungen für die Institute beschlossen. So können sie zum Beispiel für den Notfall gebildete Puffer nutzen. Damit wollen die Aufseher sicherstellen, dass die Geldhäuser den Kredithahn nicht zudrehen, sondern Unternehmen und Haushalte in der Krise mit Darlehen unterstützen. Für die Deutsche Bank verringerte sich die geforderte Mindestkapitalquote dank der Erleichterungen der Aufseher auf 10,4 Prozent von 11,6 Prozent. Deutschlands größtes Geldhaus plane weiterhin, einen deutlichen Kapitalpuffer gegenüber den regulatorischen Anforderungen zu halten, erklärte die Bank.

Bank bestätigte Kostenziele

Auch von einem weiteren Ziel für dieses Jahr verabschiedet sich die Bank: Angesichts des möglichen zusätzlichen Wachstums der Bilanz sei es auch unwahrscheinlich, dass die Bank ihr Ziel einer Verschuldungsquote (Leverage Ratio) von 4,5 Prozent für 2020 erreichen wird. Da die genannten Kapitaleffekte als vorübergehend angesehen werden, arbeitet die Bank für das Jahr 2022 weiterhin auf das Ziel einer harten Kernkapitalquote von 12,5 Prozent und einer Leverage Ratio von fünf Prozent hin.

Die Deutsche Bank bekräftigte ihre übrigen Finanzziele. Dazu gehört, die bereinigten Kosten im laufenden Jahr auf 19,5 Milliarden Euro zu senken. Sie befindet sich aktuell im größten Umbau ihrer 150-jährigen Geschichte, dem 18.000 Stellen zum Opfer fallen. Vergleichszahlen für das Vorjahresquartal nannte die Bank nicht. Am Mittwoch präsentiert sie ihre komplette Bilanz für das erste Quartal und stellt sich den Fragen der Analysten.

rei/Reuters/dpa
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