Donnerstag, 22. August 2019

Wenn die Mehrwertsteuer sinkt Bahnchef Lutz verspricht niedrigere Ticketpreise

Bahnchef Richard Lutz
Soeren Stache / DPA
Bahnchef Richard Lutz

Die Deutsche Bahn verspricht, eine mögliche Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehr-Tickets an die Kunden weiterzugeben. "Unsere Kunden würden von einer niedrigeren Mehrwertsteuer erheblich profitieren - sei es in Form neuer attraktiver Angebote oder reduzierter Ticketpreise", erklärte Bahn-Chef Richard Lutz am Montag. Auch eine Kombination aus beidem sei denkbar.

Das hieße aber nicht automatisch, dass die Fahrkarten im gleichen Maße günstiger würden. Denn eine solche Entscheidung der Politik würde auch "zusätzlichen Spielraum für weitere Investitionen in unsere Fahrzeugflotte schaffen".

Tatsächlich ist die Bahn mit mehr als 20 Milliarden Euro hoch verschuldet und noch weit davon entfernt, ihre Investitionen selbst bezahlen zu können. Im ersten Halbjahr war der Betriebsgewinn des Staatskonzerns um mehr als ein Fünftel auf rund 760 Millionen Euro abgesackt. Nach Abzug von Steuern blieben unterm Strich noch 200 Millionen Euro, ein Minus von mehr als 60 Prozent.

Steuersatz im Fernverkehr könnte auch auf 7 Prozent fallen

Im Fernverkehr mit ICE, Intercity oder Eurocity fällt bisher der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf die Tickets an. Kostet ein Ticket den Kunden 119 Euro, gehen davon 19 Euro an den Staat. Unter anderem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), CSU-Chef Markus Söder und die SPD wollen, dass künftig der reduzierte Steuersatz von sieben Prozent gilt - im Nahverkehr ist das schon so. Die Deutsche Bahn schätzt, dass dies pro Jahr mindestens fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste bringen würde.

Der ökologisch orientierte Verkehrsclub VCD fordert eine Umsetzung noch in diesem Jahr. "Die Deutsche Bahn hat ankündigt, dass die Einsparungen den Fahrgästen zugutekommen sollen, deshalb können Bahnkunden sich vermutlich auf niedrigere Ticketpreise freuen", teilte VCD-Bahnexperte Philipp Kosok mit. "Die Bahnunternehmen wären aber gut beraten, einen Teil der gesparten Abgaben in zusätzliche Züge und Personal zu investieren." Das Angebot auf der Schiene müsse "deutlich ausgeweitet werden".

rei/dpa/afp

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