Samstag, 25. Januar 2020

Umstellung am Neujahrsmorgen Deutsche Bahn senkt Ticketpreise und will besser werden

Die Deutsche Bahn hat die Preise für Fahrkarten im Fernverkehr um 10 Prozent gesenkt

Zur Abwechslung mal eine gute Nachricht von der Deutschen Bahn: Seit dem Neujahrsmorgen können Bahn-Kunden um 10 Prozent günstigere Tickets für den Fernverkehr buchen. Damit gibt die Bahn eine vom Bund beschlossene Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent vollständig an die Kunden weiter.

Allein dadurch rechnet der Konzern mit jährlich rund 5 Millionen zusätzlichen Fahrgästen. "Wir wollen noch mal viele Kunden ranholen an die Bahn, rein in die Züge", sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu den Plänen.

Die Umstellung des Buchungssystems zum neuen Jahr dauere mehrere Stunden, erläuterte die Bahn. Wegen des Silvester-Verkehrs am 31. Dezember sollte damit erst möglichst spät begonnen werden. Wer vor 5 Uhr am Neujahrsmorgen gebucht hat, soll noch den teureren Preis mit 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt haben. Eine spätere Erstattung der Differenz sei aber nicht möglich.

Die Mehrwertsteuer-Reduzierung ist ein Teil des Klimapakets, mit dem der Bund den Treibhausgasausstoß in den kommenden Jahren drastisch reduzieren will. Das betrifft auch den Verkehr.

Vielen Pendlern und Reisenden dürfte vor allem daran liegen, dass im neuen Jahr 2020 weniger Züge ausfallen und die Bahn pünktlicher fährt. Dass der im vergangenen Jahr immer stärker in die Kritik geratene Staatskonzern darüber hinaus attraktiver werden muss, dürfte ebenso Konsens sein.


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Immerhin: 2020 will die Deutsche Bahn ihr Wlan-Angebot für Reisende im Fernverkehr deutlich verbessern. "Wir wollen unseren Kunden nahtloses Surfen ermöglichen - in den Zügen und an den Bahnhöfen", erklärte Digital-Vorstand Sabina Jeschke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Derzeit werde ein zusammenhängendes Netzwerk aufgebaut. Dadurch soll nach dpa-Informationen ein einheitliches Wlan-Netz im Zug und an den Bahnhöfen entstehen, was unterbrechungsfreies Surfen und Telefonieren möglich machen soll.

Zusammenhängendes Wlan-Netz in Zügen und an Bahnhöfen geplant

Bislang bietet die Deutsche Bahn kostenloses Internet flächendeckend nur in ihren Fernverkehrszügen an. Aufgrund der schwierigen technischen Umsetzung ist die Wlan-Verbindung aus Sicht vieler Reisender aber häufig unterbrochen. Zudem können sich die Fahrgäste an den Bahnhöfen oft nur in andere, häufig kostenpflichtige Netze etwa von der Telekom einloggen. Dies soll sich im neuen Jahr ändern. Bei der Qualität in den Zügen komme es aber auch auf die Antennenmast-Infrastruktur entlang der Strecken an, die wiederum Sache der Mobilfunkbetreiber sei, hieß es bei der Bahn.

Das Projekt ist demnach eines der zentralen Digitalisierungsvorhaben, in die der bundeseigene Konzern in den kommenden vier Jahren rund zwei Milliarden Euro investieren will. Dazu gehört nach dpa-Informationen auch die Digitalisierung des Bahnbetriebs, etwa über Sensoren in den Zügen. Weitere Vorhaben, die mit dem Geld finanziert werden sollen, wurden zunächst nicht bekannt.


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Derzeit überarbeitet die Deutsche Bahn ihre IT-Landschaft für die Betriebssysteme. Die Arbeiten betreffen auch die Bahn-App, über die etwa Handytickets gebucht werden können. In spätestens drei Jahren sollen Reisende etwa durchgängige Reiseketten buchen können, was auch die Teilstrecken abseits der Schiene betrifft.

Auch ein Spracherkennungssystem nach Vorbild von Apples "Siri" ist geplant.

Zudem soll es bis spätestens Ende 2021 möglich sein, Erstattungen nach Zugverspätungen online beantragen zu können. Bislang ist dafür ein analoges Formular notwendig.

rei/dpa

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