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Mit Tempo 300 durch Ostdeutschland: Auf diesen Strecken sparen Bahnfahrer am meisten Zeit

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Geschäftsreisen zwischen München und Berlin Bahn oder Flieger? Diese neue ICE-Trasse ändert alles

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Mit Tempo 300 durch Ostdeutschland: Auf diesen Strecken sparen Bahnfahrer am meisten Zeit

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Wenn Mitarbeiter des Technologiekonzerns Siemens (Kurswerte anzeigen) zwischen den beiden Unternehmens-Hauptsitzen München und Berlin reisen, stehen sie bald vor einer neuen Fragestellung: Nehmen sie für den Trip wie gewohnt das Flugzeug - oder doch den Zug?

Denn ab dem 10. Dezember geht die neue ICE-Schnellfahrstrecke zwischen der bayerischen und der deutschen Hauptstadt in Betrieb. Dank einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern dauert die Fahrt mit dem Sprinter nur noch knapp vier Stunden. Bisher sind es sechseinhalb.

"Die Verbindung erleichtert den Verkehr zwischen unseren Standorten erheblich", sagt ein Siemens-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. Direkt an der seit der Wiedervereinigung geplanten Strecke liegt auch der wichtigste Siemens-Standort Erlangen/Nürnberg mit 44.000 Mitarbeitern. In München arbeiten 9000, in Berlin 11.500 Menschen für den Konzern. Das sind zusammen mehr als die Hälfte aller in Deutschland beschäftigten Siemensianer.

"Die größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn"

Nicht nur für sie ändert sich viel durch den 10-Milliarden-Euro-Bau. Von ihm profitieren laut Bahn insgesamt 17 Millionen Menschen, die in der Nähe der Strecke wohnen. "Das ist die größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn", sagt Unternehmenschef Richard Lutz.

Der gesamte Geschäftsreiseverkehr entlang der insgesamt 689 Kilometer langen Bahnstrecke dürfte durcheinandergeraten. Fluggesellschaften wie Air Berlin (Kurswerte anzeigen) und die Lufthansa (Kurswerte anzeigen) bekommen einen ernsten Konkurrenten durch die Bahn, ebenso Flughäfen wie Nürnberg oder Leipzig-Halle.

"Es wird Verschiebungen geben", erwartet Geschäftsreisen-Expertin Inge Pirner, Präsidiumsmitglied beim Verband Deutsches Reisemanagement (VDR). "Dem Flugzeug werden garantiert Gäste abhandenkommen."

Besonders attraktiv wird die Bahn auf Verbindungen wie Nürnberg-Berlin oder Leipzig-München. Für diese Strecken benötigt der Zug künftig nur noch etwa drei statt knapp fünf Stunden. "Da müssen die Fluggesellschaften schauen, ob die Auslastung der Flugzeuge noch passt", sagt Pirner.

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Am Flughafen Nürnberg hat die Geschäftsführung die Änderungen fest im Blick. Zum Winterflugplan 2017/18 werde es allerdings zunächst weiterhin täglich vier Verbindungen mit Air Berlin und zwei mit Germanwings in die Hauptstadt geben, sagte eine Flughafen-Sprecherin gegenüber manager-magazin. Zumal viele Passagiere in Berlin umsteigen. "Mittelfristig sind allerdings Änderungen denkbar."

Doch auch zwischen Berlin und München ist die Bahn trotz immerhin vier Stunden Fahrzeit in vielen Fällen künftig das effizientere Verkehrsmittel, erwartet Pirner: "Wer von Innenstadt zu Innenstadt mit dem Flugzeug reist, schafft das nur mit allergrößter Mühe in dreieinhalb bis vier Stunden."

Sicherheitskontrollen an Flughäfen nehmen zu, Reisen dauern länger

Viel Zeit nehmen An- und Abreise zum Flughafen sowie Wartezeiten in Anspruch. Noch länger werde die Flugreise unterm Strich nach Eröffnung des Berliner Großflughafens BER dauern, der außerhalb der Innenstadt liegt und für viele Reisende nicht so schnell zu erreichen ist wie Tegel.

"Eine Grundregel in Bezug auf die Wahl des Verkehrsmittels lautet, dass sich eine Zugfahrt aus Produktivitätsgründen bei einer Dauer von bis zu vier Stunden eignet", sagt Stefan Vorndran, Geschäftsführer beim weltweit drittgrößten Geschäftsreisen-Vermittler BCD Travel. "Ab vier Stunden sehen die Reiserichtlinien unserer Unternehmenskunden häufig die Flugverbindung vor."

Allerdings nähmen die Sicherheitskontrollen an Flughäfen tendenziell zu, auch auf innerdeutschen Flügen. Sie könnten daher mehr Zeit in Anspruch nehmen. Für die Bahn spricht auch der im Vergleich zum Flieger komfortable Sitzabstand von 92 Zentimetern in der ersten Klasse an (Flugzeug: etwa 80 Zentimeter).

Entsprechend selbstbewusst gibt sich die Deutsche Bahn. Das Staatsunternehmen will den Marktanteil zwischen Berlin und München von derzeit 15 bis 20 Prozent verdoppeln und dabei das Flugzeug überholen, das heute auf 50 Prozent kommt. Derzeit reisen verkehrsmittelübergreifend gut 6000 Menschen am Tag von Berlin nach München.

Die Lufthansa will sich allerdings nicht kampflos geschlagen geben und weitet das Angebot zwischen München und Berlin sogar aus. Im Winterflugplan 2017/18 sind 110 Starts und Landungen pro Woche verzeichnet - 12 mehr als ein Jahr zuvor. Durch die neue Bahn-Trasse erwarte das Unternehmen "keine bis minimale Auswirkungen". Die Nachfrage wachse weiter.

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Tatsächlich wird der zu verteilende Kuchen offenbar größer. "Unsere Flugauswertungen zeigen, dass die Strecke München-Berlin in den letzten Jahren an Wichtigkeit gewonnen hat", sagt BCD-Mann Vorndran. "Das ist sicherlich auch der Grund, weshalb die Deutsche Bahn hier ein attraktives Angebot für Geschäftsreisende formuliert."

Wie dieses genau aussieht, ist jedoch noch unklar. Die Fahrzeiten stehen noch nicht fest. Sicher ist, dass stündlich ein ICE zwischen den Großstädten verkehren soll, und dazu drei Sprinter am Tag fahren - einer morgens, einer mittags, einer abends.

"Die Frage ist, ob drei Sprinterverbindungen pro Tag ausreichend sind", sagt Geschäftsreisen-Expertin Pirner. Im normalen ICE dauert die Fahrt zwischen München und Berlin eine gute halbe Stunde länger, die den Ausschlag zugunsten des Flugzeuges geben könnte.

Was bringt der Mittagssprinter?

Fraglich sei zudem, ob ein Mittagssprinter erfolgreich sein werde. Denn das größte Reiseaufkommen sei am Morgen und am Abend zu erwarten.

Freuen können sich Firmen auf möglicherweise sinkende Reisekosten. Wahrscheinlich ist, dass die Fluggesellschaften neu kalkulieren müssen, um mit dem Zug mithalten zu können. "Es hängt aber stark davon ab, wie viel die Bahn für die Fahrt im Sprinter verlangt", sagt Pirner. Die Lufthansa bleibt bisher standhaft - die Tarife bleiben laut der Sprecherin vorerst stabil.

Bei Siemens erwarten die Reise-Strategen so oder so eine "enorme Verbesserung" für die Mitarbeiter. Zumal die Mitarbeiter dann häufiger nicht mehr einer Boeing oder einem Airbus unterwegs sind, sondern in einem Hochgeschwindigkeitszug, den das Unternehmen selbst gebaut hat.

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