Dienstag, 12. November 2019

Der Wille ist da, die Milliarden fehlen Bahn will mit mehr Personal aus der Krise fahren

Bahn-Chef Lutz

Mehr Personal und mehr Züge sollen die Krise der Bahn lösen helfen. So weit so bekannt. Offen ist nach wie vor die Finanzierung der zusätzlichen Investitionen. Für Personal, Fahrzeuge und das Schienennetz fehlen dem Staatskonzern gut elf Milliarden Euro bis 2023.

Mit mehr Personal will die Deutsche Bahn den Weg aus der Krise schaffen und pünktlicher werden. Rund 22.000 neue Mitarbeiter will der Staatskonzern dieses Jahr einstellen - vor allem Lokführer, Fahrdienstleister und Instandhalter. Das bekräftigte der Bahnvorstand unter der Führung von Richard Lutz nach einem Treffen mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Bereits im vergangenen Jahr hatte die Bahn rund 24.000 neue Mitarbeiter rekrutiert.

Zudem sollen fünf Prozent mehr ICE-Züge - täglich mindestens 225 - einsatzbereit sein. Die Bahn will auch die Mitarbeiter-Teams verdoppeln, die sich um die pünktliche Abfahrt von Zügen kümmern.

Die Deutsche Bahn kündigte zudem an, dass sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr im Jahr 2019 um 1,6 Prozentpunkte auf 76,5 Prozent erhöhen werde. Ein Quantensprung ist das nicht gerade. Die Pünktlichkeit der Züge könne nicht so schnell von 75 auf 95 Prozent gesteigert werden, weil es Kapazitätsengpässe gebe, begründete der Verkehrsminister.

Bessere Information der Kunden

Bahnkunden sollen in den Bahnhöfen indes auch besser informiert werden. Rund 80 Bahnhöfe sollen in den kommenden Monaten mit neuen Anzeigen, Monitoren und Tafeln ausgerüstet werden.

Scheuer zeigte sich zufrieden über das vorgelegte Paket. Er hatte nach einem ersten Treffen mit der Bahn am Dienstag gesagt, für Bahnkunden solle es bis zum Sommer spürbare Verbesserungen geben.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Scheuer dämpfte nach dem Treffen Erwartungen.

Finanzierung steht noch in den Sternen

Minister Scheuer kündigte ein erneutes Treffen mit der Konzernführung um Vorstandschef Richard Lutz für den 30. Januar an. Dann solle es um die Finanzierung der Bahn sowie Strukturen des Konzerns gehen. Bahn-Chef Lutz erwägt den Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva, um einen Teil der Lücke zu schließen. Dies ist jedoch in Politik und Aufsichtsrat der Bahn umstritten.

"Wir haben den politischen Willen, in die Infrastruktur massiv zu investieren", sagte Scheuer. Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht zusätzliche Milliarden, etwa für die Modernisierung der Flotte und des Netzes.

rei/dpa/Reuters

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