Samstag, 24. August 2019

Schwacher Ausblick nach mäßigem Jahr Deutsche Bahn erwartet weiter fallende Gewinne

Mehr Menschen fahren mit der Deutschen Bahn: Die kann daraus allerdings nicht mehr Gewinn generieren

Die Deutsche Bahn hat 2018 gerade so das mehrfach gekürzte Gewinnziel erreicht - bei steigenden Umsätzen und mehr Fahrgästen. Der Nettogewinn reicht nicht, um die Dividende an den Bund zu zahlen. Für das laufende Jahr sagt der Vorstand fallende Gewinne voraus.

Die Deutsche Bahn rechnet nach einem Krisenjahr 2018 angesichts nötiger Investitionen in Pünktlichkeit, Personal und Fahrzeuge mit einem weiter sinkenden Gewinn. In diesem Jahr werde der Betriebsgewinn auf gut 1,9 Milliarden Euro zurückgehen, teilte der Staatskonzern am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz mit. Der Umsatz soll dagegen leicht auf über 45 Milliarden Euro zulegen.

Bahnchef Richard Lutz wies daraufhin, dass trotz aller Probleme mit der Qualität der Verkehr auf der Schiene zulege. Dies verursache aber "Wachstumsschmerzen", etwa auf dem Schienennetz. Man arbeite daran, pünktlicher zu werden, nachdem 2018 mehr als jeder vierte Fernzug verspätet war. "Den einen Hebel, den man umlegt, und schon wird die Bahn besser, den gibt es aber leider nicht."

Für 2018 Jahr weist der Konzern einen Gewinn von 2,1 Milliarden aus und erreicht damit das mehrfach gekürzte Gewinnziel dank eines scharfe Sparkurses knapp. Der Umsatz stieg dagegen unter anderem wegen eines neuen Passagierrekords im Fernverkehr um 3 Prozent auf gut 44 Milliarden Euro.

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Bild: DPA

Geholfen hat der Bahn dabei auch ein neuer Passagierrekord mit erstmals mehr als 150 Millionen Fahrgästen in IC und ICE, der allerdings mit zahlreichen Sonderangeboten erkauft wurde. Gut lief auch die internationale Spedition Schenker sowie das Geschäft mit dem Schienennetz, das auch von der Nachfrage von Konkurrenzbahnen profitierte.

Dagegen blieb die Güterbahn in der Krise und verdoppelte den Verlust auf fast 200 Millionen Euro, obwohl die Nachfrage der Wirtschaft auch hier hoch war. Bahnchef Lutz verwies unter anderem auf das Schienennetz, das immer stärker belastet werde. "Die Kapazität wird das zentrale Thema in den nächsten Jahren bleiben", sagte Lutz. In den kommenden Jahren will der Bund jeweils eine Milliarde mehr als bisher in die Sanierung des Netzes investieren.


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Die eigenen Investitionen in Fahrzeuge oder in Personal - die Bahn will jährlich über 20.000 Mitarbeiter einstellen - kann sie nicht aus eigener Kraft stemmen. Nach Abzug von Steuern und Zinszahlungen auf die fast 20 Milliarden Euro Schulden blieb der Bahn 2018 nur noch ein Nettogewinn von 542 Millionen Euro. Das reicht nicht einmal, um die Dividende von 650 Millionen Euro an den Bund zu zahlen.

Bahn hält Arriva-Verkauf noch in diesem Jahr für möglich

Da dem Unternehmen allein in diesem Jahr 2,2 Milliarden Euro unter anderem für die Investitionen in höhere Pünktlichkeit fehlen, bereitet die Bahn den Verkauf oder einen Börsengang der internationalen Nahverkehrstochter Arriva vor.

Den Verkauf der Tochter hält die Bahn noch in diesem Jahr für möglich: "Wir gehen davon aus, dass wir das Projekt in diesem Jahr noch abschließen könnten", sagte Finanzvorstand Alexander Doll am Donnerstag in Berlin.

Bahnchef Richard Lutz ergänzte, man prüfe alle Optionen wie Komplett- oder Teilverkauf und einen Börsengang. Er gehe davon aus, dass man im Juli dann schlauer sein werde. Der Brexit mache ihn dabei nicht bange. Arriva hat den Sitz in Großbritannien und macht mit über 50.000 Mitarbeitern mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz. Die Tochter könnte verkauft werden, um die nötigen Bahn-Investitionen in Deutschland zu finanzieren und die Schulden zu begrenzen.

rei/Reuters

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