Donnerstag, 9. April 2020

Schlimmer als erwartet Bahn-Gewinn bricht ein, Schuldenberg wächst

"Wir fangen gerade erst an - und wissen, dass da viel Arbeit vor uns liegt", sagt Bahn-Chef Richard Lutz

Der Gewinn der Deutschen Bahn ist um 60 Prozent eingebrochen. Zugleich stiegen die Schulden auf mehr als 20 Milliarden Euro. Während es im Fernverkehr mit IC und ICE besser läuft, bereiten Güter- und Personennahverkehr weiter Sorgen.

Der Deutschen Bahn ist wegen Problemen in fast allen Geschäftsbereichen im ersten Halbjahr der Gewinn weit stärker als erwartet weggebrochen. Der Betriebsgewinn sackte um über ein Fünftel auf knapp 760 Millionen Euro ab, teilte der Staatskonzern am Donnerstag mit. Bahnchef Richard Lutz nannte als Grund zusätzliche Anstrengungen für mehr Qualität und Leistung.

Nach Abzug von Steuern und Zinszahlungen blieben unterm Strich noch 200 Millionen Euro, ein Minus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Bahn ist damit noch weiter davon entfernt, einmal ihre Investitionen selbst bezahlen zu können. So stiegen im Gegenzug die Schulden auf ein Rekordhoch von mehr als 20 Milliarden Euro.

Bahnchef Lutz will nun im zweiten Halbjahr die Wende schaffen und im Gesamtjahr weiter einen Betriebsgewinn von mehr als 1,9 Milliarden Euro erreichen. Man sei auf dem Weg zu einer besseren Bahn gut vorangekommen, sagte Lutz. Das Ziel einer starken Schiene sei aber ein Mammutprojekt. "Wir fangen gerade erst an - und wissen, dass da viel Arbeit vor uns liegt." Bei den Pünktlichkeitswerten der Fernzüge sei man auf einem guten Weg. Allerdings blieben diese im Schnitt der ersten sechs Monate noch unter den Werten des Vorjahres.

Bahn verfehlt offenbar eigene Vorgaben

Lutz setzt auch auf den Faktor Klimaschutz und daher auf staatliche Hilfen. Der Umsatz des Konzerns zeige zudem, dass die Bahn gefragt sei. In der Tat legten die Erlöse leicht auf 22 Milliarden Euro zu. Reuters vorliegende interne Dokumente zeigen jedoch, dass auch damit wie beim Gewinn die eigenen Vorgaben verfehlt wurden.

Hoffnung macht der Bahn weiter der Fernverkehr mit IC und ICE. Im ersten Halbjahr fuhren fast 72 Millionen Reisende mit den Zügen. Im Gesamtjahr soll es ein Rekord von mehr als 150 Millionen werden. Auch der Gewinn der Sparte legte um rund 9 Prozent zu.

Güter- und Personennahverkehr bereiten weiter Sorgen

Probleme bereitet dagegen vor allem weiter die seit Jahren kriselnde Güterbahn - und auch der Personennahverkehr. Die Entwicklung der Geschäftsfelder sei "überwiegend angespannt", heißt es im Geschäftsbericht.

Die Geschäfte der internationalen Spedition Schenker (LKW, Schiff, Flugzeug) liefen zwar besser als im Vorjahr - aber auch sie blieb bei den Umsätzen unter den Erwartungen. Das konjunkturabhängige Geschäft könnte in den nächsten Monaten unter Druck geraten. Die Wirtschaftsprognosen in vielen Ländern - darunter Deutschland - weisen nach unten.

Der Konzern dehnte angesichts des wegbrechenden Gewinns seine Schulden über die Marke von 20 Milliarden Euro hinaus aus. Damit wurde die vom Haushaltsausschuss des Bundestages vor drei Jahren gesetzte Grenze praktisch erreicht. Auch die Bahn selbst will die Schulden begrenzen, da ihre Kreditwürdigkeit von Agenturen sonst herabgestuft werden könnte. Das wiederum würde die Zinszahlungen auf die Schuldenlast weiter erhöhen.


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Der Konzern plant so den Verkauf seiner internationalen Nahverkehrstochter Arriva - auch ein Börsengang wäre möglich. Damit könnte der Konzern um geschätzt drei bis vier Milliarden Euro entlastet werden. Gespräche mit Investoren werden bereits geführt, eine Entscheidung soll im September fallen. Darüber hinaus steht auch ein Verkauf von knapp 25 Prozent an der Tochter Schenker zur Debatte.

rei/Reuters

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