Dienstag, 16. Juli 2019

Bahn-Tarifkonflikt Lokführer lehnen neues Angebot der Bahn ab

ICE ohne Lokführer: Streiken wollen die Lokführer-Gewerkschaften trotz des festgefahrenen Tarifkonflikts nicht. Zu Weihnachten dürften sie mit Streiks auch auf wenig Verständnis stoßen in der Bevölkerung

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn haben die Gewerkschaften und der Konzern die Gespräche in der Nacht unterbrochen. Eine schnelle Lösung zeichnet sich nicht ab. Ein neues Angebot lehnte die kleinere Gewerkschaft GDL bereits ab. Die Parteien wollen heute weiterverhandeln.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn zeichnet sich keine rasche Lösung ab. Die Deutsche Bahn legte am Mittwoch ein neues Angebot an die Gewerkschaften vor und wollte so Bewegung in die schwierigen Verhandlungen bringen. Ein Kompromiss kam zunächst nicht zustande.

Beide Seiten unterbrachen die Gespräche in der Nacht zum Donnerstag in Berlin und wollten am Vormittag erneut zusammentreffen. Zum Zwischenstand machten Sprecher von Bahn und EVG keine Angaben. Die EVG hatte am Montag zu einem Warnstreik aufgerufen, der den Zugverkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmlegte.

Strittig war zuletzt, wie hoch die Lohnsteigerung ausfallen soll. Die EVG hatte ursprünglich wie die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL 7,5 Prozent mehr Geld gefordert.

Das erste Angebot der Bahn sah zwei Anhebungen vor: 2,5 Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Für die Monate Oktober 2018 bis Februar 2019 sollte eine Einmalzahlung von 500 Euro hinzukommen.

Welche Zugeständnisse das neue Angebot enthält, blieb zunächst offen. Die GDL lehnte es allerdings bereits ab und will weiterverhandeln. GDL-Chef Claus Weselsky sprach im SWR von "Taktiererei". Das neue Angebot sei "genauso viel wert wie das vorhergehende Angebot", sagte Weselsky im SWR. Für die erste Erhöhungsstufe habe die Bahn nun 3,2 Prozent geboten, verlange zugleich aber eine längere Laufzeit.

Die Bahn versuche lediglich über eine höhere Zahl - 3,2 Prozent statt 2,5 Prozent - bei der angebotenen ersten von zwei Stufen den Eindruck zu erzeugen, dies sei ein besseres Angebot. "Wenn man allerdings auf 34 Monate Laufzeit geht, dann kommt man zu dem Schluss, dass beide Angebote gleichwertig sind." Die Bahn müsse sich die Frage gefallen lassen, "ob sie mit Taschenspielertricks die Kollegen blenden will".

rei/dpa

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