Freitag, 19. Juli 2019

Einigung auf Tarifvertrag Mehr Geld und mehr Wahlfreiheit für Bahn-Beschäftigte

Streik durch Einigung mit EVG abgewendet

Deutsche Bahn und die Gewerkschaft EVG haben sich auf höhere Löhne und mehr Wahlmodelle für Beschäftigte bei der Bahn geeinigt. Reisende zu Weihnachten dürften aufatmen, denn Streiks sind damit abgewendet. Wie verhält sich jetzt die Lokführergewerkschaft GDL?

Nach der Tarifeinigung der Deutschen Bahn mit der Gewerkschaft EVG müssen Bahnreisende in diesem Jahr keine weiteren Streiks befürchten. Zwar dauert der Tarifstreit mit der kleineren Lokführergewerkschaft GDL an. Aber es wird bis zum Jahresende keine Streiks geben, weil die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) nach geltender Regelung erst nach einem Schlichtungsverfahren dazu aufrufen darf. Über das weitere Vorgehen hielt sich die GDL am Wochenende zunächst bedeckt. Bei der Deutschen Bahn AG hieß es: "Wir sind selbstverständlich weiter verhandlungsbereit."

Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatten sich am Samstag nach mehr als zweimonatigen Verhandlungen auf einen Tarifvertrag verständigt. Nach der Vereinbarung sollen die Löhne ab Juli 2019 zunächst um 3,5 Prozent, ab Juli 2020 dann um weitere 2,6 Prozent steigen, teilten beide Seiten mit.

Für die Zeit von Oktober 2018 bis Juni 2019 erhalten die Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro. Zudem sollen die Mitarbeiter erneut die Möglichkeit bekommen, statt der zweiten Stufe der Gehaltserhöhung mehr Urlaub oder eine Arbeitszeitverkürzung zu wählen. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 29 Monaten bis Ende Februar 2021.

Mit der Einigung sind weitere Streiks der EVG wie am vergangenen Montag, als Millionen von Berufspendlern und Fernreisende betroffen waren, abgewendet.

Doch wie wird sich die kleinere Lokführer-Gewerkschaft GDL verhalten? Hier steht eine Einigung noch auch. "Wir werden uns an diesem Wochenende nicht äußern", sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Bei der Bahn hieß es: "Wir sind selbstverständlich weiter verhandlungsbereit."

Einigung mit GDL steht noch aus

GDL Die GDL hatte am Freitag die Verhandlungen erneut für gescheitert erklärt. Gewerkschaftschef Claus Weselsky begründete dies damit, dass die Bahn einen angeblich bis zu Ende verhandelten Vertrag nicht unterschreiben wolle.

EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba sprach nach viertägigen Verhandlungen von einem "Erfolg auf ganzer Linie". Für DB-Personalvorstand Martin Seiler ist die Einigung ein großer Schritt "in eine modernere Tarif- und Arbeitswelt". Nun könne sich das Unternehmen darauf konzentrieren, die Agenda für eine bessere Bahn umzusetzen und Qualität sowie Pünktlichkeit zu verbessern.

EVG fordert ursprünglich 7,5 Prozent mehr

Die Bahn hatte zuletzt am Mittwoch ein neues Angebot vorgelegt, über das seitdem verhandelt wurde. Die EVG hatte ebenso wie die GDL ursprünglich 7,5 Prozent mehr Lohn gefordert. Zudem wollten die Arbeitnehmervertreter für die Beschäftigten Verbesserungen unter anderem bei Urlaubs- und Arbeitszeiten sowie der betrieblichen Altersvorsorge durchsetzen. Die Bahn strebt für beide Gewerkschaften vergleichbare Abschlüsse an. Beide Gewerkschaften zusammen verhandeln für rund 160.000 Beschäftigte.

rei/Reuters/dpa

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