Dienstag, 21. Mai 2019

Sanierungsstau bei Deutscher Bahn Bahn baut dieses Jahr an 800 Stellen gleichzeitig

Gleisarbeiten: Davon wird es dieses Jahr mehr denn je geben - und die Bahnkunden brauchen Geduld

Die Deutsche Bahn saniert 2019 rund 1500 Kilometer Gleise, 300 Brücken und rund 650 Bahnhöfe. "Wir sagen dem Stau auf der Schiene den Kampf an", erklärte Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla am Mittwoch in Berlin. Allerdings bedeutet dies, dass ab März täglich an 800 Stellen gleichzeitig gebaut wird.

10,7 Milliarden Euro fließen dafür in die Schieneninfrastruktur und die Bahnhöfe. Den Großteil der Summe übernimmt der Bund. Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 ist da noch nicht eingerechnet.

Welche Einschränkungen für Zugreisende dadurch konkret entstehen, konnte die Bahn noch nicht präzisieren. "Wir ergreifen verschiedene Maßnahmen, um die Bauauswirkungen für Kunden gering zu halten", erklärte das Unternehmen.

Dazu zähle das sogenannte "kundenfreundliche Bauen". So soll beispielsweise die Brückensanierung neu gestaltet werden. In der Vergangenheit riss die Bahn alte Brücken ab - und unterbrach so den Verkehr an der betroffenen Stelle, bis eine neue Brücke stand. Künftig will das Unternehmen zunächst Behelfsbrücken bauen und den Verkehr auf diese umleiten. "Durch solche Mittel ist es uns im vergangenen Jahr bereits gelungen, die mit Baumaßnahmen verbundenen Verspätungen um 27 Prozent zu reduzieren", sagte ein Bahn-Sprecher.


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Trotzdem kam im vergangenen Jahr etwa jeder vierte Fernzug zu spät. Dafür führt die Bahn auch externe Gründe ins Feld: Stürme, Starkregen, Blitzeinschläge und Trockenheit. Zur Wahrheit gehört auch, dass es angesichts steigender Fahrgastzahlen Engpässe gibt bei Personal und Schienennetz.

Auf vier Korridoren testet das Unternehmen zudem, wie sich Verspätungen besser verhindern lassen. Im Korridor zwischen Köln und Dortmund setzt sich die Bahn sechs Prozent weniger Verspätungen bis Jahresende zum Ziel.

Bahn Baustellen 2019
Deutsche Bahn
Bahn Baustellen 2019

Das deutsche Schienennetz ist stark belastet, seit 1994 fahren nach Bahnangaben 50 Prozent mehr Personen- und Güterzüge darauf. Um es zu entlasten, plant die Bahn für 2019 insgesamt 50 weitere Neu- und Ausbauprojekte.

Trotz des Versprechens der Bahn, die Einschränkungen für die Fahrgäste so gering wie möglich zu halten, einige Großvorhaben werden die Bahnkunden sehr wohl und deutlich zu spüren bekommen. Allen voran die Generalüberholung der ersten, rund 30 Jahre alten Schnellfahrstrecken. Sie beginnt 2019 mit dem Abschnitt Hannover-Göttingen, wo vom 11. Juni bis 14. Dezember gebaut wird.

Folge: Totalsperrung, Umleitung, Zugausfälle. Zwischen Hamburg und Frankfurt, Berlin und Frankfurt sowie Hamburg und München brauchen die Züge dann 30 bis 45 Minuten länger - sofern alles läuft wie geplant. Und die Züge werden voraussichtlich auch voller sein, weil weniger fahren als üblich, wie die Bahn ankündigte.

Die Nord-Süd-Strecke ist einer der wichtigsten Strecken im Netz: 15,5 Millionen Fahrgäste fahren pro Jahr mit ICE und Intercity zwischen Hannover und Würzburg. Bis Ende 2023 soll die gesamte Strecke saniert sein.

Dazu kommen viele weitere Baustellen. Zwischen Berlin und Wolfsburg etwa können ICE noch bis Mitte Mai nur höchstens Tempo 160 fahren, weil an der Leit- und Sicherungstechnik gearbeitet wird.

Zwischen Augsburg und Nürnberg sind die Züge von Ende März bis Ende Juni 20 bis 25 Minuten länger unterwegs, weil an Weichen und Gleisen gearbeitet wird. Von Ende Oktober bis Mitte Dezember können Züge mehrerer ICE-Linien nicht am Frankfurter Flughafen halten, weil S-Bahn-Züge über den Fernbahnhof umgeleitet werden.

rei/afp/dpa

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