Mittwoch, 22. Mai 2019

Der DEnglische Patient When English goes in the trouser

Ferienzeit ist Englischzeit! So polieren Sie Ihr Reiseenglisch auf

Vorsicht, wenn Sie unsere Lieblingsfremdsprache sprechen: Manchmal quasseln wir nämlich von Hoden, Ärschen und, ähem, Sex - ohne es zu wollen!

Peter Littger
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    Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie auch darunter leiden, hilft Ihnen diese Kolumne von Peter Littger. Er berichtet als Denglischer Patient aus allen möglichen Lebenslagen über deutsch-englische Sprachverwirrungen und nicht zuletzt über seine eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. Sein Buch "The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache" ist ein Bestseller.
    Auf Twitter unter @FluentEnglish.

Langsam sind wir alle zurück aus den großen Ferien - in denen wir wieder viel Englisch gesprochen haben. Ich kenne das selbst: Hat man sich mehrere Wochen im Ausland in unserer Lieblingsfremdsprache verständigt, kann das Selbstbewusstsein leicht gefährlich anschwellen. Man hält sich englischtechnisch für unschlagbar - bloß weil einen in Italien am Eisstand niemand korrigiert hat, als man schon wieder zwei geeiste Hoden bestellt hat:

"Two ice balls please!"

Wäre der Eisverkäufer ein Engländer gewesen, hätte er vielleicht entgegnet: "My testicles are not for sale, Sir!" Denn die feine englische Art zwei Eiskugeln zu bestellen, klingt so: "Two scoops of ice cream please!" Doch wer sagt schon so was - außer Engländer? Und dass sie selbst über hodige Kalauer lachen können, konnte ich auf einem Konzert von Nigel Kennedy in Cambridge erleben. Der Geiger hatte einen österreichischen Gitarristen, den er als "Johannes from Salzburg - the city of the Mozart balls" vorstellte. Dann fragte Kennedy sein Publikum:

"How many Mozart balls would you like?"

… bevor er selbst kichernd die Antwort gab:

"Both of them!"

Lecker: "Two scoops of ice cream."

Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen unser Englisch ganz schön in die Hose geht! Auf ein Beispiel habe ich ja schon in meiner ersten Kolumne hingewiesen: "I have itchy arse/ass." Es kommt zwar nicht oft vor, aber wenn, dann erzeugt es großes Staunen - und ein bisschen Ekel: Da es "Ischias" im Englischen nicht gibt, klingen unsere Ischias-Schmerzen stets wie Klagen über "Kratzarsch"

Viel alltäglicher sind hingegen unsere unfreiwilligen Hinweise auf die Ärsche der Anderen. Dabei wollen wir doch nur über die Rückseite von Dingen sprechen, zum Bespiel eines Blattes, weil dort vielleicht eine Notiz steht. Heraus kommt jedoch die Aufforderung:

"Please show me your backside!"

Wer tatsächlich die Rückseite meint, sagt "the back page", "the back", "the rear" (of a house) oder auch "flipside" im Sinn einer "Kehrseite". Joan, eine Leserin aus England, die in der Schweiz Englisch unterrichtet, schrieb mir: "I cringe every time I hear ,backside' and am constantly reminding my students that they should never use it in England."

Danke, liebe Joan! Sie haben uns damit auch auf einen der vielen Unterschiede zwischen amerikanischem und britischem Englisch aufmerksam gemacht: In den USA wird "backside" durchaus als Rückseite verstanden, aber nicht in England. Ich denke, jeder, der viel reist, sollte gerade diese feinen Unterschiede kennen, um nicht andauernd unfreiwillig unter der Gürtellinie zu landen. Zwei Beispiele:

- "Fanny bag": Was in den USA eine "Gürteltasche" ist, klingt in England wie eine "Vagina Tasche"

- "I knock her up": Was in England harmlos klingt wie "ich habe an ihre Tür geklopft und sie geweckt", ist in den USA unmissverständlich: "Ich habe sie geschwängert."

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Den größten Vogel schießen allerdings die Vögel ab, die mal eben ganz locker aus der Hüfte fragen möchten: "Willst Du mich verschaukeln?" Halt, das war doch was mit "fuck" - stimmt! Doch was genau - das bleibt oft im Ungewissen. Der denglische Sprecher muss sich schnell entscheiden und will lässig bleiben. Also fragt er:

"Do you want to fuck me?"

Schweigen. Denn das ist - allermeistens - die falsche Frage. Eindeutig unzweideutig hätte man fragen müssen: "Are you fucking with me?"

Wir wollen ja schließlich niemanden verarschen!

Englisch im Urlaub - "We have a nice Pension!"

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