Dienstag, 22. Oktober 2019

Der DEnglische Patient Stop gripping in the loo!

Ferienzeit ist Englischzeit! So polieren Sie Ihr Reiseenglisch auf

Homestories, Claims, Shakehands ... ausgerechnet Medienleute greifen besonders tief ins Klo, wenn sie Englisch sprechen - oder besser gesagt: so tun als ob!

Peter Littger
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    Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie auch darunter leiden, hilft Ihnen diese Kolumne von Peter Littger. Er berichtet als Denglischer Patient aus allen möglichen Lebenslagen über deutsch-englische Sprachverwirrungen und nicht zuletzt über seine eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. Sein Buch "The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache" ist ein Bestseller.
    Auf Twitter unter @FluentEnglish.

Es ist ja immer ganz leicht über die halbe Welt zu lästern und sich selber auszulassen. Diese Kolumne gibt mir die Gelegenheit es einmal anders zu machen. Schließlich sind es wir Journalisten, Werber und Medienmanager, die nonstop denglischen Nonsens fabrizieren - und als "Denglische Patienten" längst auf die Intensivstation gehören. Wenn ich nur an die vielen Fernsehübertragungen denke, auf denen wir eine ganz eigene Kulturtechnik praktizieren:

Shakehands!

Jeder englischsprachige Mensch nennt den Handschlag "handshake". Doch wir haben daraus ein spezielles Medienformat gemacht: vor laufender Kamera, mal mit Kanzlerin, mal mit Bundestrainer. Und das selbstverständlich auch auf Englisch:

"Please, come here for the shakehands."

"The what?"

Jeder, der was mit Medien macht, kennt die Momente, in denen man selbstverständlich in unsere Lieblingsfremdsprache übergeht - also auch was mit Englisch macht: Man glaubt nicht mehr an "Print". Produziert "Content" - der, schön "searchable", "shareable", "snackable" und idealerweise "paid" sein soll. Kämpft gegen "Ad Blocker". Ist für "Native Advertising". Gegen "Product Placement". Und setzt auf "Storytelling" .

Dabei bin ich der letzte, der gegen Anglizismen in den Medien wäre! Schon, weil ich im Kino "Cliffhanger" lieber mag als "offene Enden".

Doch was gar nicht geht, ist mediales Krüppelenglisch, das wir todernst in den englischen Sprachraum exportieren:

"Can we please make a homestory?" "A what?"

Angela Merkel beim handshake

Liebe Kollegen Journalisten, auch wenn es im "Spiegel" eine Rubrik "Homestory" gibt, bedeutet das nicht, dass Engländer oder Amerikaner das so zuhause sagen - geschweige denn verstehen. Man spricht zwar von "photo story", "love story", "crime story", aber ein Porträt ist genau das: "a portrait" (gesprochen: pohr-trä-t) Oder einfach ein "interview".

"This is our new claim!"

Liebe Kollegen Werber, auch wenn die Lufthansa im Jahr 2012 ihren damals neuen Spruch "Nonstop you!" in aller Welt als "claim" verkaufte - eine Rechtsforderung, Reklamation oder so was Ähnliches war das nicht! Sondern "a tagline" oder "a slogan".

"This is a very nice spot!"

Liebe Kollegen Medienmanager, bestimmt habt Ihr manchmal Pickel, die sich schön ausdrücken lassen. Falls Ihr einen Werbefilm meint, solltet Ihr "commercial" oder "advertising film" sagen.

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Vollends versagt der Bildungsauftrag unserer Medien, wenn sie das Pseudoenglisch in gebildeten Programmen für gebildete Leute verbreiten. So wies mich Michael, ein Leser, auf eine Sendung des Deutschlandradios hin, die Barak Obama mit dem folgenden Satz zitierte:

"You cannot hide nuclear weapons in a closet."

Jetzt raten Sie mal, was die gebührenfinanzierte Redaktion daraus gemacht hat!

"Nuklearmaterial kann man nicht im Klo verstecken"

http://www.deutschlandradiokultur.deAm Eingang der Intensivstation für denglische Medienleute hängt jetzt ein Schild:

Stop gripping in the loo!

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The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache


KiWi-Taschenbuch, 320 Seiten, Juni 2016, 9,99 Euro

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