Dienstag, 15. Oktober 2019

Milliardendeal mit Takeaway.com Delivery Hero verkauft Lieferheld, Foodora und Pizza.de - Aktie auf Höhenflug

Delivery Hero verkauft auch seinen in Deutschland aktiven Lieferdienst Foodora
Delivery Hero
Delivery Hero verkauft auch seinen in Deutschland aktiven Lieferdienst Foodora

Der weltgrößte Essen-Lieferdienst Delivery Hero verkauft sein Deutschland-Geschäft für rund 930 Millionen Euro. Bei der Transaktion mit dem Lieferheld-Konkurrenten Takeaway.com erhält Delivery einen Aktienanteil von 18 Prozent an dem niederländischen Rivalen.

Das Wettrennen auf dem deutschen Liefermarkt hat ein Ende: Der Essenszusteller Delivery Hero Börsen-Chart zeigen verkauft sein Deutschlandgeschäft für rund 930 Millionen Euro an den niederländischen Konkurrenten Takeaway.com. Die Lieferdienste Lieferheld, Pizza.de und Foodora sollen gegen Cash und Aktien den Besitzer wechseln, wie der Berliner MDax-Konzern in der Nacht auf Freitag mitteilte. Die Unternehmen wollen den Deal in der ersten Jahreshälfte 2019 abschließen. Die Transaktion muss noch von den Takeaway-Aktionären abgenickt werden.

Über eine Fusion der beiden Schwergewichte des hart umkämpften Liefermarkts wird schon länger spekuliert. Die Unternehmen haben in der Vergangenheit Hunderte Millionen Euro in das Marketing für ihre konkurrierenden Marken Lieferheld (Delivery Hero) und Lieferando gesteckt - beide aber erwirtschafteten in den letzten Jahren keine Gewinne.

Delivery Hero geht davon aus, durch die Aktienbeteiligung einen Anteil von ungefähr 18 Prozent an Takeaway.com aufzubauen. Die Hälfte des Barerlöses von etwa 508 Millionen Euro will der Konzern in weiteres Wachstum seiner internationalen Märkte investieren und beispielsweise mehr Restaurants auf seine Plattform holen, wo Kunden bei verschiedenen Lieferdiensten in ihrer Stadt bestellen können.

Es sei schon lange klar gewesen, dass Delivery Hero bei einem potenziellen Deal der Verkäufer sein würde, erklärte CEO Niklas Östberg am Freitagmorgen in einem Pressegespräch. Ohne den deutschen Markt "wäre die strategische Position von Takeaway sehr schwach", da die Region etwa 50 Prozent des Geschäfts der Niederländer ausmache.

Aktie auf Höhenflug

Östberg sieht sich in dem Rennen der beiden Wettbewerber nicht als Verlierer. Man habe im vergangenen Jahr beweisen können, dass Delivery Hero in Deutschland stark wachsen und ein großer Player sein könne. "Das zeigt sich auch in dem Kaufpreis", so der CEO. Er sei mit den 930 Millionen Euro neun Mal so hoch wie der Umsatz seines Deutschlandgeschäfts. Den Anteil an Takeaway plane man außerdem, langfristig zu halten.

Die Anleger scheinen ebenfalls überzeugt: Die Aktie von Delivery Hero schoss am Freitagmorgen zeitweise mehr als 25 Prozent in die Höhe, die von Takeaway.com mehr als 27 Prozent.


Lesen Sie auch:
Wo der Liefer-Hype an Grenzen stößt
Uber und Deliveroo - Platzt eine der größten Tech-Wetten Europas?
Lieferando geht gegen Delivery Hero vor


Delivery Hero erwartet nun durch die neu geplanten Investitionen zusätzliche Umsatzerlöse von 45 Millionen Euro im Jahr 2019 und ab 2020 zusätzliche wiederkehrende Umsatzerlöse von 81 Millionen pro Jahr. Für das kommende Geschäftsjahr nimmt sich Delivery Hero vor, zwischen 1,08 bis 1,15 Milliarden Euro umzusetzen. Der angepasste Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei negativen 270 bis 320 Millionen Euro liegen.

Foodora - ein schwieriges Geschäft

Einen Geschäftszweig, der viel Geld verbrennt, gibt Östberg jetzt an die Niederländer ab: Foodora, den Lieferdienst mit den pink gekleideten Radkurieren. Im Gegensatz zu Lieferheld und Pizza.de, wo Lieferdienste von Restaurants auf einer Plattform gesammelt werden, stellt Foodora den Restaurants die Fahrer und eine Software zur Verfügung und bekommt pro Auslieferung eine Gebühr. Das Business ist teuer, da die Kosten für die Fahrer vergleichsweise hoch sind. Verdienen die Kuriere weniger, ist die Marge höher. Ihre Arbeitsbedingungen werden immer wieder kritisiert.

Zuletzt zog sich Foodora aus einigen Ländern zurück. Laut Östberg macht das Logistiksegment etwa zehn Prozent des Geschäfts in Deutschland aus, aber: "Das Wachstum ist sehr langsam, es ist sehr schwierig in Deutschland. Aber nicht unmöglich." Sein Takeaway-CEO-Kollege Jitse Groen hat sich dazu in der Vergangenheit schon deutlicher geäußert - das Business sei "unmöglich profitabel zu kriegen".

2018 hat Delivery Hero zusätzlich zu seinem Heimatmarkt bereits vier weitere Regionen verlassen: Australien, Frankreich, Italien und die Niederlande. Aktiv ist das Unternehmen nach eigenen Angaben weiter in mehr als 40 Ländern in Südamerika, dem Nahen Osten, Südostasien und Europa. Östberg gab am Freitagmorgen an, sein Konzern werde künftig eher nicht auf der Verkäuferseite stehen. "In 80 Prozent unserer Märkte sind wir Marktführer." Allerdings bleibe er da pragmatisch.

Mit Material von dpa-afx, rtr

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung