Streamingdienst Deezer kooperiert mit Fußballclubs Content statt Bande

Deezer hat sein Sport-Portfolio in den vergangenen Monaten erweitert. Neben dem FC St. Pauli gehören jetzt auch der FC Barcelona und Manchester United zu den Kooperationspartnern des Musikstreaming-Diensts. Was hat Deezer im Sport vor?
Von Gabriel Wagner
Manchester-Spieler Ashley Young: Neue Zielgruppen über Sport

Manchester-Spieler Ashley Young: Neue Zielgruppen über Sport

Foto: Youtube / Deezer

Der Markt der Musikstreaming-Dienste wächst und ist hart umkämpft. Allein in Deutschland setzten Spotify und Co. im Jahr 2015 rund 223 Millionen Euro um. In den vergangenen Jahren drängten neue Player wie Apple  Music oder Amazon  Music auf den Markt. Um sich von der starken Konkurrenz abzugrenzen, hat sich der Musikstreaming-Dienst Deezer, der wie andere den Großteil seines Umsatzes durch Werbung und Pay-Angebote erwirtschaftet, vor einigen Jahren ein zusätzliches Geschäftsfeld gesucht.

Seit 2014 unterhält das französische Unternehmen weltweit verschiedene Kooperationen.

"Wir sind der einzige Musikstreaming-Dienst, der sich dem Sport so konsequent angenommen hat", sagt Michael Krause, der als CEO die Geschäfte von Deezer in den Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) verantwortet.

In Deutschland kooperiert das Unternehmen, das hierzulande 23 feste Mitarbeiter beschäftigt (siehe Infokasten), seit 2014 mit der Radioplattform Sport1.fm und offeriert seinen Kunden noch bis Saisonende Live- und On-Demand-Angebote der Bundesliga und 2. Bundesliga. Für den kommenden DFL-Medienrechtezyklus ab der Saison 2017/18 sicherte sich diese Audiorechte allerdings Konkurrent Amazon.

Mit der Premier League und der UEFA Champions League unterhält Deezer aktuell ähnlich gelagerte Partnerschaften. Während der UEFA EURO gab es zudem eine Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bezüglich exklusiver Inhalte der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Seit Anfang 2016 hat Deezer auf Clubebene eine Partnerschaft mit dem FC St. Pauli. Dadurch hat Deezer laut Krause national und international "eine riesige Anzahl von neuen Kunden erreicht". Konkreter wird der Deezer-Mann nicht.

Kein Sponsor

Zum Jahreswechsel schlossen Krause und der Streaming-Dienst zudem langfristige Verträge mit den internationalen Schwergewichten FC Barcelona und Manchester United . Bei sämtlichen Kooperationen mit den Clubs setzt Deezer auf digitale Schwerpunkte wie die Veröffentlichung individueller Playlists einzelner Spieler oder Gewinnspiele auf der Deezer-Homepage und der App. Ergänzt werden die Kooperationen durch im Paket enthaltene Kampagnen, die auch über Social Media gestreut werden.

Deezer
Foto: REUTERS

Gründung: 2007Hauptsitz: ParisCEO: Hans-Holger AlbrechtUmsatz (2015): 143 Mio. EuroVerbreitung: 182 StaatenAktive User weltweit: 10 Mio.Deutschlandsitz: BerlinDeutschlandverantwortung: Michael Krause (CEO EMEA)Mitarbeiter Deutschland: 23Sportverantwortung DACH: Ben Fawkes (Senior Manager Audio Content), Ervin Reszler (Marketing Manager)Partnerclubs: FC St. Pauli, FC Barcelona, Manchester United, Flamengo Rio de JaneiroQuellen: Deezer, SPONSORs 3/2017

Krause betont, dass sich Deezer nicht als klassischer Sponsor sieht und keine Werbepräsenzen in Stadien buchen wird. "In performanceorientierten Werbevermarktungszeiten ist es schwer, mit Bandenwerbung zu argumentieren", sagt Krause. Für den Deezer-Mann sind Integrationen in die Digitalkanäle der Partnerclubs deutlich zielführender. "Mit im Stadion kreiertem Content können sowohl der Club als auch wir starke Reichweiten erreichen.

Wenn man diesen dann noch mit der jeweiligen Club-App vernetzt und beispielsweise 100.000 User diese während des Spiels nutzen und eine bestimmte Anzahl davon wiederum auf unserer Landingpage landet, dann ist das ein messbarer Erfolg für uns", erklärt Krause.

Deezer will durch die Partnerschaften mit den Clubs neue Zielgruppen ansprechen.

Gleichzeitig soll sich das Unternehmen mit exklusivem, clubspezifischem Inhalt von anderen Streaming-Diensten abheben.

Vorteil für die Partnerclubs: Auch sie können ihre digitalen Reichweiten erhöhen, indem sie sich auf Deezer eine eigene Markenwelt mit eigenen Playlists und Podcasts aufbauen. Zudem können bestehende Clubsponsoren in die Partnerschaften eingebunden werden und so ihre Sichtbarkeit verstärken.

Beim FC St. Pauli beispielsweise veranstaltet Deezer zusammen mit Club-Sponsor Levi's regelmäßig Konzerte in der VIP-Loge des Modeunternehmens im Millerntor-Stadion.

Nach den bestehenden Clubpartnerschaften sollen nun für Deezer weitere folgen.

"Der Fußball ist ein Zielmarkt für uns", sagt Krause. Potenzielle Partnerclubs sollen wie schon der FC St. Pauli eine große Fanbasis mitbringen, um die angestrebte Reichweitensteigerung für Deezer durch mehr potenzielle Hörer zu erleichtern.

Deezer will sich in seinen Zielmärkten auf die populärsten Sportarten der jeweiligen Länder konzentrieren. "In Deutschland werden wir uns weiterhin auf Fußball fokussieren", sagt Krause. In anderen Märkten wie den USA, Großbritannien oder Asien stehen für Deezer auch die Sportarten American Football, Cricket und Rugby im Fokus.

Diesen Text veröffentlichten wir mit freundlicher Genehmigung von SPONSORs,  dem Fachmagazin Sportport-Business. Erschienen in der März-Ausgabe von SPONSORs.

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