Freitag, 3. April 2020

Rekordgewinne im dritten Quartal Dax-Konzerne geben 81 Milliarden für Übernahmen aus

Neue Siemens-Konzernzentrale: Auf den Kauf von Dresser-Rand in den USA folgte die Fusion der Windkraft-Sparte mit der spanischen Gamesa

Die 30 Dax-Unternehmen haben ihre Gewinne im dritten Quartal mehr als verdoppelt. Insgesamt ist der operative Gewinn auf 32 Milliarden Euro gestiegen. Für Übernahmen geben Dax-Konzerne in diesem Jahr so viel Geld aus wie seit 2007 nicht mehr.

Der operative Gewinn (EBIT) der 30 Dax-Konzerne hat sich im dritten Quartal mehr als verdoppelt: von 12,7 auf 32,3 Milliarden Euro. Dieser starke Anstieg um 154 Prozent ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Volkswagen Börsen-Chart zeigen und die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen in die Gewinnzone zurückgekehrt sind. Auch die Zahl der Mitarbeiter in Dax Unternehmen ist um 2 Prozent gestiegen, wie eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) auf Basis der Quartasberichte der Dax-Unternehmen ergab.

24 Dax-Konzerne legten im dritten Quartal beim Gewinn zu, nur fünf verzeichneten einen niedrigeren operativen Gewinn als im Vorjahr. Gewinntreiber im dritten Quartal sind vor allem VW und die Deutsche Bank: Nach einem Verlust von 3,5 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum konnte Volkswagen nun wieder einen operativen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro ausweisen. Und die Deutsche Bank erzielte ein Ergebnis vor Steuern von 619 Millionen Euro nach einem Verlust von 6,1 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Spitzenreiter beim Gewinn waren im dritten Quartal die beiden Autokonzerne Daimler (4,0 Milliarden Euro) und Volkswagen (3,3 Milliarden Euro), gefolgt vom Versicherungskonzern Allianz, der einen operativen Gewinn von 2,9 Milliarden Euro erwirtschaftete. Keines der 30 Dax-Unternehmen wies im dritten Quartal im operativen Geschäft einen Verlust aus.

Schwacher Euro als Gewinntreiber

Als hilfreich erwies sich bei der Gewinnentwicklung auch der schwache Euro: Anders als im Vorquartal, als die Dax-Konzerne aufgrund des damals hohen Eurokurses noch Umsatzausfälle von mehr als sieben Milliarden Euro verzeichneten, führte der nach dem Brexit-Votum gesunkene Eurokurs nicht zu weiteren Einbußen - im Gegenteil: Der im laufenden vierten Quartal weiter gesunkene Außenwert des Euro dürfte für positive Währungseffekte und ein weiteres Umsatz- und Gewinnwachstum bis zum Jahresende sorgen.

Auch der Umsatz legt zu - aber nur leicht

Trotz der Abschwächung der weltweiten Konjunktur bleiben die Dax-Konzerne auch beim Umsatz auf Wachstumskurs: Im dritten Quartal dieses Jahres lag der Gesamtumsatz DAX-Unternehmen zwar nur leicht - um 0,6 Prozent - höher als im Vorjahr. Gebremst wurde das Wachstum durch den Verkauf des BASF-Gashandelsgeschäfts an Gazprom, der zu einem Umsatzrückgang des Unternehmens um ein Fünftel bzw. 3,4 Milliarden Euro führte. Immerhin 19 Unternehmen konnten beim Umsatz zulegen, nur neun verzeichneten einen Umsatzrückgang (ohne Banken, da diese keinen Umsatz ausweisen).

Das stärkste Plus erzielte HeidelbergCement Börsen-Chart zeigen, dessen Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal um 25 Prozent zulegten, gefolgt vom Pharmakonzern Merck, der ein Umsatzplus von 19 Prozent erwirtschaftete. Bei beiden Unternehmen trugen Akquisitionen zu dem starken Wachstum bei.

Die Mehrheit der Unternehmen schafft zusätzliche Jobs

Trotz der unterm Strich eher schwachen Umsatzentwicklung schaffen die DAX-Konzerne weiter neue Jobs: Die Zahl der Beschäftigten lag im dritten Quartal um 2,0 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Nur sechs Unternehmen haben die Zahl der Mitarbeiter reduziert, bei der großen Mehrheit der Unternehmen wurden hingegen zusätzliche Stellen geschaffen.

"Die deutschen Top-Konzerne sind derzeit mehrheitlich gut unterwegs - sie können beim Umsatz und vor allem beim Gewinn zulegen, und die steigende Nachfrage auf den asiatischen Absatzmärkten sorgt weiter für Wachstum", sagt Mathieu Meyer, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, fest. "Zwar haben sich die weltweiten Konjunkturaussichten zuletzt eingetrübt, aber zumindest in Europa ist die Konsumbereitschaft der Verbraucher noch hoch - vor allem dank extrem niedriger Zinsen und einer steigenden Beschäftigung. Das sorgt vorläufig für eine gewisse Entspannung".

Sparmaßnahmen und Zukäufe - wie sich Dax-Konzerne fit machen

Auf das zunehmend volatile und risikobehaftete wirtschaftliche und politische Umfeld reagieren die Unternehmen, indem sie verstärkt auf Kostensenkungs- und Flexibilisierungsprogramme setzen. "Die Welt ist unberechenbarer geworden, Boom- und Krisenzeiten wechseln sich immer schneller ab. In einem solchen Umfeld müssen die Unternehmen auf ihre Kosten und Flexibilität achten, um im Fall eines Abschwungs rasch reagieren zu können", so Meyer.

Die positive Gewinnentwicklung zeige, dass die Kostensenkungsmaßnahmen der vergangenen Monate griffen. So verzeichneten 19 DAX-Unternehmen im dritten Quartal einen Anstieg der operativen Marge, nur bei acht Unternehmen ging die Marge zurück (ohne Banken und ohne Beiersdorf, da Beiersdorf keinen Gewinn veröffentlichte).

81 Milliarden Euro für Zukäufe - höchster Wert seit 9 Jahren

Während die Unternehmen auf einen Seite ihre Kostenstruktur optimieren, geben sie auf der anderen Seite Rekordsummen für Zukäufe aus: Im laufenden Jahr tätigten die 30 Dax-Konzerne Zukäufe im Gesamtwert von 81,1 Milliarden Euro - das sind 136 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr und der höchste Wert seit dem Jahr 2007, als insgesamt 90 Milliarden Euro für Akquisitionen ausgegeben wurden.

Der Hauptgrund für die rege Transaktionstätigkeit sei laut EY die Anpassung der Geschäftsmodelle an ein neues Wettbewerbsumfeld und das digitale Zeitalter. "Die Zeit der Mischkonzerne ist vorbei", so Meyer. Die Zukunft gehöre global aufgestellten Unternehmen mit fokussierten Geschäftsmodellen und einer hohen Digitalkompetenz. Vor allem in den Vereinigten Staaten werden die Unternehmen bei der Suche nach passenden Zielunternehmen fündig: Fünf der zehn größten Transaktionen des Jahres waren Zukäufe deutscher Unternehmen in den Vereinigten Staaten.

la/mmo

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung