Donnerstag, 22. August 2019

Frauen im Vorstand Wo Frauen im Topmanagement gefragt sind - und wo nicht

Abgang von Janina Kugel bei Siemens: Diese Frauen spielen in Deutschlands Top-Manager-Liga
Daimler

In der Topetage börsennotierter Unternehmen in Deutschland sitzen einer Studie zufolge aktuell so viele Frauen wie nie. Männer geben allerdings weiter den Ton an. Im ersten Halbjahr gab es 61 Topmanagerinnen in den 160 Unternehmen der drei Börsenindizes Dax , MDax und SDax. Ihnen saßen 640 Männer gegenüber.

Der Frauenanteil stieg zum Stichtag 1. Juli auf den Höchstwert von 8,7 Prozent - Anfang 2015 hatte der der Anteil nur 4,8 Prozent betragen. Jedoch werden auch im Jahr 2019 zwei von drei Unternehmen (67 Prozent) ausschließlich von Männern im Vorstand geführt, wie aus einer Studie des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY hervorgeht. Der Anteil der Unternehmen mit einem weiblichen Chef (CEO) liegt bei gerade einmal 1,9 Prozent: Von den 160 untersuchten Unternehmen werden nur 3 von einer Frau geführt.

Bislang gilt: Je kleiner das Unternehmen, desto geringer ist tendenziell der Frauenanteil. Den höchsten Frauenanteil im Vorstand weist unter den drei untersuchten Indizes Dax, MDax und SDax der deutsche Leitindex Dax auf: Von den 199 Vorstandsposten der 30 Dax-Unternehmen sind derzeit 28 von einer Frau besetzt, das entspricht einer Quote von 14 Prozent. Im Dax ist die Quote mit 8,6 Prozent deutlich niedriger: Hier finden sich 21 weibliche Vorstände unter den insgesamt 244 MDax-Vorständen. Noch geringer ist die Quote im SDax: Hier finden sich nur 12 Frauen unter den 258 Vorstandsmitgliedern, eine Quote von 4,7 Prozent.

Höchster Frauenanteil in der Telekommunikation - Pharma und IT dagegen Männerdomäne

Besonders häufig schafften Managerinnen in der Telekommunikationsbranche den Aufstieg in die Führungsetage. 16 Prozent der Vorstandsmitglieder in den ausgewerteten Telekommunikationsfirmen sind Frauen. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Finanzbranche sowie die Transport- und Logistikbranche mit 14 beziehungsweise 13 Prozent. Das bedeutet: In der Telekommunikationsbranche ist fast jedes sechste Vorstandsmitglied eine Frau. In der Finanzbranche ist rund jeder siebte Vorstand weiblich.

Bei Pharma- und Biotechunternehmen, Rohstoffkonzernen und in der IT- und Technologiebranche dagegen liegt der Anteil aktuell ungefähr nur zwischen 5 und 6 Prozent. Das bedeutet, dass aktuell nur jedes 20. Vorstandsmitglied in Unternehmen dieser Branchen eine Frau ist.

Frauenanteil im Vorstand steigt nur langsam - Quote nur im Aufsichtsrat

"Wenn die Zahl der Frauen in den Vorstandsgremien weiter so langsam steigt wie im ersten Halbjahr dieses Jahres, wird es bis zum Jahr 2048 dauern, bis ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt ist", rechnete EY-Experte Markus Heinen vor. Dass derzeit nicht mehr Topmanagerinnen in der Verantwortung sind, liegt Heinen zufolge auch daran, dass es anders als für Aufsichtsräte keine gesetzliche Frauenquote gibt. "Dadurch ist der Druck nicht so groß, Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen." Zudem hätten Unternehmen in der Vergangenheit zu wenig für die Förderung weiblicher Managementtalente getan.

Die etwa 100 größten börsennotierten, voll mitbestimmungspflichtigen Firmen müssen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherstellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht.

In SDax-Firmen sitzen vergleichsweise am wenigsten Frauen im Vorstand

Am stärksten sind Frauen bislang in der Topetage deutscher Börsenschwergewichte vertreten. In 23 der 30 Dax-Konzerne sitzt eine Managerin im Vorstand. Allerdings hat sich an der Zahl zuletzt nichts geändert: Wie schon zum Jahresbeginn gehören 28 Frauen den Führungsgremien an. Das entspricht einem Anteil von 14,1 Prozent.

Bei den 60 Firmen des MDax stieg der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in den vergangenen sechs Monaten auf 8,6 Prozent. 21 Frauen gab es in der obersten Führungsebene. In den SDax-Firmen sind nur 12 von 258 Vorstandsmitgliedern weiblich - ein Anteil von 4,7 Prozent.

rei/dpa

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