Börse Fed-Chef treibt Dow kräftig an, Dax-Anleger mutlos

Nach einer Rede des US-Notenbankchefs baut der Dow Jones seine Gewinne am Abend kräftig aus. Sollten die US-Börsen dieses Niveau halten, wären das beste Vorgaben für Dax und Co am Donnerstag. Der deutsche Leitindex ging am Mittwoch kaum verändert aus dem Handel. Die Aktie von Continental musste starke Einbußen hinnehmen.
US-Notenbankchef Jerome Powell signalisierte am Mittwochabend (MEZ) in einer Rede eine Zinspolitik mit Augenmaß, die Aktienkurse an der US-Börse legten daraufhin zunächst kräftig zu

US-Notenbankchef Jerome Powell signalisierte am Mittwochabend (MEZ) in einer Rede eine Zinspolitik mit Augenmaß, die Aktienkurse an der US-Börse legten daraufhin zunächst kräftig zu

Foto: Mary Calvert/ REUTERS

Am deutschen Aktienmarkt blieben die Anleger am Mittwoch vorsichtig . Der Leitindex Dax  schloss 0,09 Prozent tiefer auf 11.298 Punkte, nachdem er bereits am Dienstag leicht nachgegeben hatte. Der MDax (Kurswerte anzeigen) bewegte sich zur Wochenmitte ebenfalls kaum und ging mit 23.417 Punkte aus dem elektronischen Handel.

Unter den Einzelwerten verloren die Aktien des Autozulieferers Continental  mehr als 4 Prozent und waren mit Abstand der größte Dax-Verlierer. Börsianer verwiesen auf einen negativen Analystenkommentar mit deutlich gestutzten Gewinnschätzungen.

Auch Papiere des Rückversicherers Munich Re  standen unter Druck und fielen um gut 1 Prozent. Vorstandschef Joachim Wenning hatte auf einem Treffen mit Journalisten zwar grundsätzlich an seinem Jahresgewinnziel von 2,1 bis 2,5 Milliarden Euro festgehalten. Der Top-Manager äußerte sich allerdings angesichts der jüngsten Schäden ein wenig vorsichtiger.

Um knapp 1 Prozent aufwärts ging es für die Papiere von SAP (Kurswerte anzeigen). Ein boomendes Cloud-Geschäft hatte dem US-Rivalen Salesforce  im dritten Quartal ein überraschend starkes Umsatzplus beschert. Analysten waren voll des Lobes. Auch für die Walldorfer ist ein Erfolg in der Cloud von entscheidender Bedeutung.

Ebenfalls gefragt waren im MDax (Kurswerte anzeigen) Aroundtown nach aktuellen Geschäftszahlen. Der Gewerbeimmobilien-Spezialist hatte in den ersten neun Monaten dank höherer Mieten und jüngster Zukäufe deutlich mehr verdient als ein Jahr zuvor. Die Anteilsscheine gewannen gut 1 Prozent.

Papiere von K+S  profitierten mit einem Plus von 4,63 Prozent von einem Einstieg des US-Investors und Hedgefonds-Managers Kenneth Griffin, dem nun gut 3 Prozent der Anteile am Salz- und Düngemittelproduzenten gehören.

Klarer Favorit im Nebenwerte-Index SDax (Kurswerte anzeigen) waren die Aktien von SMA Solar (Kurswerte anzeigen)mit einem Gewinn von fast 20 Prozent. Ein Händler verwies auf die Hoffnung auf großzügigere staatliche Vorgaben Chinas für den Bau von Solaranlagen und eine infolgedessen wieder zunehmende Nachfrage.

Vapiano brechen nach gesenkter Prognose ein

Deutlich unter Druck gerieten dagegen Vapiano (Kurswerte anzeigen) mit einem Abschlag von mehr als 7 Prozent. Die Restaurantkette war bei der Prognose weiter zurückgerudert und hatte dies unter anderem mit der unter den Erwartungen liegenden Umsatzentwicklung in Europa begründet.


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Der EuroStoxx 50 (Kurswerte anzeigen) als Leitindex der Eurozone schloss mit plus 0,06 Prozent auf 3168 Zähler nahezu unverändert. In Frankreich trat der Cac 40 ebenfalls quasi auf der Stelle, während der FTSE 100 (Kurswerte anzeigen) in Großbritannien etwas nachgab.

Dow Jones in New York zieht nach Rede von Fed-Chef stark an

In New York notierte der US-Leitindex Dow Jones (Kurswerte anzeigen) zum Handelsschluss in Europa rund 0,8 Prozent höher. Der Index schnellte bis 18.30 Uhr dann aber nach einer Rede von Fed-Chef Jerome Powell mit plus 1,8 Prozent auf 25.192 Zähler in die Höhe. Sollte der US-Leitindex diese Zugewinne halten könnten, wären das für den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag eigentlich beste Voraussetzungen.

Powell signalisiert in New York Zinserhöhungen mit Augenmaß. Die Politik der stufenweisen Straffung der Geldpolitik sei so angelegt, dass Gefahren ausbalanciert würden, sagte er am Mittwoch. Dies sei aber eine Gratwanderung: "Wir wissen, dass sich die Dinge oft anders entwickeln als selbst in den sorgfältigsten Vorhersagen prognostiziert." Die aktuelle Leitzinsspanne von 2,0 bis 2,25 Prozent liege "knapp unter" dem geschätzten Niveau, mit dem die Wirtschaft weder gefördert noch gebremst werde. Am Konjunkturausblick gebe es zudem vieles, was man mögen könne, fügte er hinzu. Wegen der brummenden Wirtschaft hat die Fed die Zinsen dieses Jahr schon drei Mal angehoben und noch vier weitere Erhöhungen bis Ende 2019 ins Auge gefasst hat. Die nächste könnte bereits im Dezember kommen.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von 0,20 Prozent am Vortag auf 0,19 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,04 Prozent auf 141,31 Punkte. Der Bund-Future büßte 0,05 Prozent auf 160,95 Punkte ein. Der Euro notierte zuletzt bei 1,1285 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1284 (Dienstag: 1,1328) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8862 (0,8801) Euro.

dpa-afx, rtr