Samstag, 7. Dezember 2019

Börse Der Dax und der Fluch der großen Zahl

Ist der Dax mit knapp 10.000 Punkten bereits zu teuer? Der Index ist nicht teurer als vor 5 Jahren, als die Kursrally am Aktienmarkt begann. Wer jetzt noch einsteigen will, sollte nicht auf große, runde Zahlen schauen - sondern auf wichtigere Ziffern achten.

Hamburg - Warum kosten Bücher meist 9,90 Euro? Weil 10 Euro als teuer gelten. Die Preisstrategien, auf die der Handel seit Jahren setzt, greifen auch am Aktienmarkt: Sobald sich ein Aktienkurs der Marke von 100 Euro nähert, prüft das Unternehmen, per Aktiensplit zwei Aktien á 50 Euro anzubieten.

Und wenn der Dax Börsen-Chart zeigen auf die runde Rekordmarke von 10.000 Punkten zuhält, kommt sogleich die Frage auf: Ist der Dax nach fast genau fünf Jahren Kursrally bereits zu teuer? Warum sollte man als Letzter einsteigen und als Erster Geld verlieren, wenn der Index wieder fällt?

"An der Spitze ist es windig" sagen Börsianer. Wenn sich ein Index stetig von Rekord zu Rekord robbt, bleibt kaum eine andere Möglichkeit, als "teuer" einzusteigen. Schon kleine Rücksetzer von 3 bis 5 Prozent werden als Chance gesehen, auf den Aktien-Zug aufzuspringen: Billiger wird's nicht, so die Meinung vieler Investoren.

Doch welche Bedeutung haben runde Zahlen wie "Dax 10.000" oder "5 Jahre Aktienrally" für den Anleger - außer dass sie für eine Schlagzeile taugen? Die Antwort: Keine. Viel wichtiger sind andere Zahlen.

Anleger, die jetzt noch einsteigen, sollten sich mit Zahlen beschäftigen, die mehr mit der Ertragskraft der Unternehmen als mit Psychologie zu tun haben. Der Dax Börsen-Chart zeigen müsste aktuell noch rund 4 Prozent zulegen, um die Marke von 10.000 Zählern zu knacken. Doch warum sollte die Grenze zwischen "günstig" und "teuer" ausgerechnet dort verlaufen? Entscheidend sind Wert und Gegenwert - also das, was man für sein Geld bekommt.

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