Samstag, 25. Januar 2020

Basketball trauert um Funktionär Wie David Stern die NBA zur milliardenschweren Weltmarke machte

David Stern (rechts) mit Deutschlands Basketballlegende Dirk Nowitzki (Archivaufnahme, 2007)
Glenn James/NBAE via Getty Images
David Stern (rechts) mit Deutschlands Basketballlegende Dirk Nowitzki (Archivaufnahme, 2007)

Vielleicht war alles nur Glück. Vielleicht liegen David Sterns Erfolge vor allem darin begründet, dass gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit, 1984, der beste Basketballer aller Zeiten seine ersten Sprungwürfe und Dunks auf dem NBA-Parkett machte.

Der Spieler selbst sieht das allerdings anders: "Seine Vision und Führung haben mir erst die globale Bühne gegeben, um erfolgreich zu sein", sagt Michael Jordan über Stern, der am Neujahrstag im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer Hirnblutung verstorben ist. Für LeBron James, Jordans Nachfolger als globale Ikone des Sports, steht Stern auf einer Ebene mit James Naismith - dem Erfinder der Sportart Basketball.

Zwischen 1984 und 2014 hatte Stern die "National Basketball Association" (NBA) als Commissioner geführt; eine ganze Reihe an Zahlen illustrieren die Blütephase, die die nordamerikanische Profiliga seitdem durchlaufen hat: Ihre Umsätze stiegen von 118 Millionen (1983) auf 5,5 Milliarden US-Dollar (2014), der Wert ihrer TV-Rechte war kurz nach Sterns Ausscheiden 250-mal höher als zu Beginn seiner Amtszeit. Wechselte Mitte der 1980er Jahre ein Team wie die Chicago Bulls noch für 16 Millionen Dollar den Besitzer, zahlte Ex-Microsoft-Chef Steve Ballmer 2014 für die Los Angeles Clippers zwei Milliarden Dollar.

Vor allem die Internationalisierung des Sports geht auf Sterns Konto: "Lange bevor jede andere große US-Sportliga Wert auf internationales Wachstum legte, handelte Stern einen Deal mit CCTV in China aus - er hat Videotapes per Post verschickt und dafür einen Teil der Werbeerlöse eingestrichen", schreibt "Bloomberg" in einem Nachruf. Auch habe er früh ein Büro in der Volksrepublik eröffnet und Freundschaftsspiele auf chinesischem Boden abgehalten. Die Folge: Heute schauen etwa 800 Millionen Chinesen jährlich NBA-TV-Angebote an, ein milliardenschwerer Markt.

Mit einer teilweise als rigide empfundenen Imagepolitik, etwa einem Dresscode für Spieler, und einer strikten Anti-Doping-Strategie machte Stern seine Stars zudem als Werbepartner für große Unternehmen attraktiv - Ikone Michael Jordan dürfte auch deshalb knapp zwanzig Jahre nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport immer noch Dollar über 100 Millionen Dollar im Jahr von Schuhhersteller Nike einstreichen.

Die Popularität seiner Superstars nutzte Stern für weitere internationale Expansion, vor allem, nachdem das "Dream Team" der USA 1992 in Barcelona überlegen Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen hatte. Auch stockte er die Liga von 23 auf 30 Teams auf und machte das All-Star-Spiel und die jährliche Draft-Lotterie, bei der junge Spieler aus dem College-Bereich rekrutiert werden, zu medialen Großereignissen - alles, um mehr Inhalte an TV-Sender zu verkaufen. Zudem fiel das Aufkommen erster ausländischer Superstars, etwa des Chinesen Yao Ming, des Nigerianers Hakeem Olajuwon oder des Deutschen Dirk Nowitzki, unter Sterns Ägide.

Sterns Amtszeit war indes nicht frei von Kontroversen: Insgesamt viermal vertrat er Liga und Team-Inhaber in arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen mit den Spielern, wodurch Saisons nur verkürzt stattfinden konnten. Traditionell wurde er beim Draft von den Fans ausgebuht.

Seiner Wertschätzung unter Kennern des Sports tut das allerdings keinen Abbruch. So meint der Ex-Spieler und heutige TV-Experte Charles Barkley: "Ich kann nicht erkennen, wie man die NBA erfolgreicher hätte machen können, als David Stern es getan hat."

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