Montag, 1. Juni 2020

Uber-Gründer steckt Millionen ins Bringdienst-Geschäft Das neue Business-Leben des Travis Kalanick

Macht mittlerweile in Immobilien: Travis Kalanick

Laufen die Geschäfte wirklich so gut? Bei Travis Kalanick weiß man das nie. Der Mitgründer des US-Fahrdienstes Uber, der dort 2017 recht unehrenhaft vom Chefposten verdrängt worden war, ist es gewohnt, mit Milliardensummen zu jonglieren, ganz gleich, welcher wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg dahintersteckt.

Jetzt wurde Kalanick vom "Wall Street Journal" als Kopf hinter einem millionenschweren Immobiliendeal geoutet. Kalanick sei der bislang unbekannte Käufer einer 2000-Quadratmeter-Villa namens "Bellagio" in Los Angeles, so die Zeitung. Das Anwesen im "Spanisch-Revival-Kolonial-Stil" - ursprüngliche Preisforderung: 75 Millionen Dollar - hatte im vergangenen Monat für 43,3 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Es war laut "WSJ" der größte private Immobilienkauf in der Stadt seit Beginn der Corona-Pandemie.

43,3 Millionen Dollar also für eine neue Unterkunft - bei Travis Kalanick muss das nicht viel bedeuten. Vor Jahren pushte er bereits Uber zum mit einer Bewertung von 68 Milliarden Dollar zeitweise wertvollsten Start-up der Welt. Dabei war das Unternehmen chronisch defizitär. Inzwischen wird Uber an der Börse immerhin noch mit rund 57 Milliarden Dollar bewertet - die Aktie war für ihre Besitzer seit dem Börsengang 2019 allerdings eine Dauerenttäuschung.

Kalanick selbst ist längst nicht der einzige Supereiche mit einem privaten Faible für teure Immobilien. 2018 erwarb der Serien-Start-Up-Gründer bereits ein Penthouse in New York für 36,5 Millionen Dollar. Er kann es sich leisten: Kalanick sitzt laut "Forbes" gegenwärtig auf einem Privatvermögen von 2,6 Milliarden Dollar.


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Woher kommt all das Geld? Als er 2017 nach Skandalen und viel Kritik an seinem Managementstil von Investoren zum Abgang als Uber-CEO gedrängt wurde, veräußerte er etwa 30 Prozent seiner Anteile an dem Unternehmen an den japanischen Tech-Investor Softbank Börsen-Chart zeigen. Der Erlös seinerzeit: Berichten zufolge rund 1,4 Milliarden Dollar.

Den Rest seiner Anteile an Uber hat Kalanick Ende vergangenen Jahres abgestoßen, was ihm laut "Wall Street Journal" noch einmal rund 2,7 Milliarden Dollar einbrachte. Im Dezember 2019 erfolgte dann der letzte Schnitt zwischen dem Mitgründer und früheren Unternehmenschef und dem Fahrdienst: Kalanick legte sein Amt als Verwaltungsratsmitglied von Uber nieder. Es sei an der Zeit, sich auf sein aktuelles Geschäft zu konzentrieren, so Kalanick seinerzeit.

Was dahinter steckt, hatte Kalanick bereits 2018 öffentlich gemacht: Zunächst verkündete er per Twitter die Gründung eines Investmentvehikels namens 10100 (in Worten: "Ten-One-Hundred", angeblich benannt nach der Adresse des Hauses, in dem der Unternehmer aufgewachsen ist). Kurz darauf gab Kalanick sein erstes Engagement bekannt: 150 Millionen Dollar steckte er per 10100 in ein Immobilien-Start-up namens City Storage Systems (CSS), in dem er auch gleich den Chefposten übernahm.

CSS sei auf die Sanierung in Schieflage geratener Immobilien insbesondere in den Bereichen Parkhäuser, Einzelhandel sowie Industrie spezialisiert, so der Unternehmer. Es gebe in dem Markt Assets im Wert von mehr als zehn Billionen Dollar, die in den kommenden Jahren für die digitale Welt umgenutzt werden könnten.

Operativ ist CSS über verschiedene Firmen aktiv. Kalanicks Hauptaugenmerk liegt offenbar auf dem Start-up CloudKitchens, einem Unternehmen, das im Markt für Essenlieferungen agiert. Daneben gibt es beispielsweise die CSS-Tochter CloudRetail, die das CloudKitchens-Prinzip auf Non-Food-Lieferdienste übertragen soll.

Das Geschäft von CloudKitchens besteht im Wesentlichen darin, Restaurants, die auch Außer-Haus-Lieferungen anbieten wollen, externe Küchen einzurichten, zusätzlich zu deren eigentlichen Restaurantküchen also. Zudem betreibt CloudKitchens selbst solche Bringdienst-Küchen.

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Insgesamt 300 Millionen Dollar hat Kalanick bis heute in diese Geschäfte investiert, so das "Wall Street Journal". Weitere 400 Millionen kamen von alten Bekannten des früheren Uber-Chefs: Kalanick konnte laut "WSJ" den Staatsfonds PIF ("Public Investment Fund") von Saudi-Arabien, den er schon bei Uber an seiner Seite hatte, für ein Investment in dieser Höhe in CloudKitchens gewinnen. Das Geld helfe bei der Expansion des Geschäfts nach China, Indien sowie Großbritannien, so die Zeitung.

Komplett hat Kalanick mit seiner Uber-Vergangenheit also noch nicht abgeschlossen. Darauf deutet auch eine andere Connection hin: Unter den Unternehmen, die als Lieferanten mit CloudKitchens zusammenarbeiten, befindet sich auch die Uber-Tochter UberEats.

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