Blatters stärkstes Wahlkampfargument Das Festgeldkonto der Fifa

Fifa-Zentrale in Zürich: Für fünf unterirdische Etagen mit brasilianischem Granit und Lapislazuli-Boden war auch noch Geld da

Fifa-Zentrale in Zürich: Für fünf unterirdische Etagen mit brasilianischem Granit und Lapislazuli-Boden war auch noch Geld da

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Dieser Fifa-Kongress in Zürich bot nicht die beste Gelegenheit, die monetären Erfolge des Weltfußballverbands herauszustellen. Aber zwischen der Verhaftung mehrerer Funktionäre wegen Korruptionsvorwürfen, Zank um die Wiederwahl des Fußballpaten Sepp Blatter und dem Streit über die kommenden zwei Weltmeisterschaften in Russland und Katar war auch noch Zeit dafür:

Der Geschäftsbericht der Fifa, bereits im März veröffentlicht und für den aktuellen Kongress vorgelegt, zeigt Blatters stärkstes Wahlkampfargument: Geld.

2014 war - nicht unerwartet wegen der WM in Brasilien - ein Rekordjahr für die Organisation, mit einem Ertrag von 2,1 Milliarden Dollar (51 Prozent mehr als 2013 und 62 Prozent Plus zum vorigen WM-Jahr 2010). Das Nettoergebnis von 141 Millionen Dollar ist zwar weniger rekordverdächtig, aber die Fifa - in Wahrheit ein mächtiger Konzern im globalen Sportgeschäft - firmiert ja auch offiziell als Schweizer Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht.

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Die beeindruckendste Zahl in Blatter Bilanz sind wohl die auf 1,523 Milliarden Dollar angewachsenen Reserven. Damit kann sich die Fifa einer Eigenkapitalquote von 52 Prozent rühmen. Das Fachmagazin "Sponsors"  hatte bereits im Vorjahr die damals 1,4 Milliarden Dollar zum Anlass genommen, Blatters Verein den Titel "Dagoberts Erben" zu verleihen. Die Fifa übertreffe das berühmte "Festgeldkonto" des FC Bayern München um mehr als das Zehnfache.

Die Bezeichnung Festgeldkonto ist durchaus treffend, denn fast drei Viertel des Vermögens sind in Einlagen investiert, vor allem bei Schweizer Kantonalbanken. Der Rest sind im Wesentlichen US-Staatsanleihen. Aktien oder andere gewagte Investments sind tabu.

Für 2014 musste die Fifa - noch vor dem Franken-Schock von Januar 2015 - Wechselkursverluste von 106 Millionen Dollar verbuchen, insgesamt war das Finanzergebnis negativ. Aber macht nichts - der Betrieb wirft ja genug Überschuss ab, um die Reserven weiter zu füllen.

Blatters Gehalt "haben wir versteckt, damit Sie es nicht finden"

Trotz der großen Summe wirkt die Anlagestrategie also wenig anspruchsvoll. Die Fifa begründet das mit dem Ziel der "realen Werterhaltung und nicht im Versuch der Maximierung der Rendite".

Da die Fifa stark von einem einzigen Ereignis abhängt, das nur alle vier Jahre stattfindet, hat sie auch Grund zur Vorsicht. "Die meisten Einnahmen der Fifa stammen von der Fifa-Fußballweltmeisterschaft", erklärt Blatter im Begleitwort der Bilanz mit leichtem Understatement. Die WM 2014 spülte 4,8 Milliarden in die Kassen, 84 Prozent aller Einnahmen im Finanzzyklus 2011-14. Die Fifa, das ist das Unternehmen WM.

Für sich genommen liefert das umsatzstärkste Sportereignis der Welt eine Gewinnmarge von 54 Prozent ab, weil die Einnahmen vor allem aus Fernsehgeldern und Sponsoren-Verträgen die Kosten des Verbands bei weitem übersteigen (für die Ausrichterländer ist das Geschäft weniger lukrativ).

So bleibt immer genug Geld übrig, um neben dem Festgeldkonto auch die Kassen der Mitgliedsverbände aufzufüllen - ein wesentlicher Posten, der in der Fifa-Bilanz unter "Entwicklungsprojekte" läuft. Tatsächlich tut die Fifa viel, um das mit dem Fußballinteresse der Fans in reichen Ländern erzeugte Cash in die weltweite Sportförderung umzuverteilen.

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Das ist ein Grund für Blatters Beliebtheit in den Verbänden außerhalb Europas. Ein anderer ist, dass diese Umverteilungsmaschine auch die Funktionäre direkt begünstigt - zumal die Fifa bei der Mittelverteilung ebenso wie bei den Stimmrechten keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Verbänden macht. Die Cayman-Inseln zählen so viel wie Brasilien, São Tomé so viel wie Nigeria, Vanuatu so viel wie Indien.

Nicht aus dem Fifa-Geschäftsbericht zu entnehmen ist übrigens, wie viel Blatter persönlich verdient. Die Löhne und Gehälter (rechnerisch 187.000 Dollar pro Fifa-Angestelltem) werden nicht weiter aufgeschlüsselt. Blatters Salär soll erheblich darüber liegen. "Wir haben es versteckt, damit Sie es nicht finden", spottete Fifa-Finanzchef Markus Kattner gegenüber "Bloomberg" . Und ernsthafter: "Wir veröffentlichen es vor allem deshalb nicht, weil wir es nicht müssen."

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