Ungenutzte Potenziale in vielen Betrieben Das Energieinvestment, das Firmen dicke Renditen bringt

Klima in Gefahr: Viele Unternehmen könnten mehr für die Energieeffizienz tun - und Kosten sparen

Klima in Gefahr: Viele Unternehmen könnten mehr für die Energieeffizienz tun - und Kosten sparen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Als Mitte Dezember vergangenen Jahres die Mitarbeiter der Firma Roth Plastic Technology am Unternehmenssitz im hessischen Dautphetal zusammenkamen, war das bevorstehende Weihnachtsfest nicht der einzige Grund zum Feiern. Angestoßen wurde auch auf die Schlüsselübergabe einer neuen Logistikhalle, für die das rasch wachsende Unternehmen insgesamt rund sieben Millionen Euro investiert hatte.

Hauptsitz der Roth Industries in Dautphetal-Buchenau: Das Unternehmen tut viel für die Energieeffizienz.

Hauptsitz der Roth Industries in Dautphetal-Buchenau: Das Unternehmen tut viel für die Energieeffizienz.

Foto: Roth

Dabei handelt es sich nicht um irgendeine Werkshalle: Das 3650-Quadratmeter-Objekt wurde mit neuester Technik ausgestattet, mit deren Hilfe der Energieverbrauch optimiert, Kosten gespart und letztlich auch die Umwelt geschont werden sollen. Roth Plastic Technology kommt dabei die Zugehörigkeit zur unter anderem auf Energietechnik spezialisierten, weltweit agierenden Gruppe Roth Industries zugute, deren hauseigene Systemlösungen beim Bau der Halle eingesetzt wurden.

So verfügt die neue Immobilie nun über ein Energiekonzept, bei dem die Wärmeenergie, die in der Spritzgussfertigung des Betriebs entsteht, genutzt wird, um die gesamte Halle zu beheizen. Und mehr noch: Weil ausreichend Abwärme zur Verfügung steht, können auch noch die Verladeflächen im Außenbereich damit warmgehalten werden. So können Lkw-Fahrer ihre Trucks auch im Winter gefahrlos be- und entladen.

Die Logistikhalle im Dautphetaler Ortsteil Wolfgruben ist zwar das jüngste Beispiel für die Aktivitäten der Roth-Gruppe im Bereich Energieeffizienz. Das einzige ist es aber nicht. "Politik, Wirtschaft und Gesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung für den Umweltschutz", sagt Geschäftsführerin Christin Roth-Jäger. "Daher sehen auch wir uns als Unternehmen in der Pflicht."

Vor allem die Abwärmenutzung spielt bei Roth Industries eine wichtige Rolle. Ein weiteres Beispiel: Bereits seit 2011 beheizt das Unternehmen am Stammsitz Dautphetal-Buchenau eine 3300 Quadratmeter große Betriebshalle mit der Abwärme der dortigen Produktionsprozesse. Bestehende Heizlüfter sowie eine Heizkesselanlage mit einer Wärmeleistung von insgesamt 1250 Kilowatt (kW) wurden zu dem Zweck eigens gegen drei Sole/Wasser-Wärmepumpen mit je 220 kW Wärmeleistung und 180 kW Kälteleistung ausgetauscht.

"Wir entziehen Energie aus Prozessabwärme und wandeln diese mit Hilfe der Wärmepumpen auf ein höheres Temperaturniveau von etwa 50 Grad Celsius um", erläutert Projektleiter Volker Hedderich. So wird nicht nur die Produktionshalle beheizt. Vielmehr entsteht nach Angaben Hedderichs zudem auch noch Kaltwasser für den Fertigungsprozess.

Weniger CO2 und zweistellige Renditen

Eine Rechnung, die offenbar aufgeht, und das in mehrfacher Hinsicht: Einerseits spart das Unternehmen auf diese Weise eigenen Angaben zufolge rund 80 Prozent Heizöl zum Heizen und 40 Prozent Strom im Kühlprozess. Andererseits sinkt zudem noch der CO2-Ausstoß um mehr als etwa 590 Tonnen jährlich.

Kein Wunder also, dass sich solche Investments auch wirtschaftlich auszahlen. Laut Roth-Werke-Geschäftsführer Franz Kind realisiert das Unternehmen Projekte, die eine Kapitalrückflusszeit von bis zu knapp zehn Jahren haben. Das sei man der gesellschaftlichen Verantwortung bezogen auf den Klimaschutz schuldig, so Kind. Bei der Betriebshalle in Dauphtetal-Buchenau jedoch war die interne Verzinsung des Investments deutlich höher, so Kind. Die rund 250.000 Euro, die die Roth Werke in das Vorhaben gesteckt hatten, waren schon in weniger als zwei Jahren amortisiert.

Tatsächlich eine "beachtliche Energieoptimierung" also, wie Roth Industries in einer Mitteilung urteilt. Das sieht auch die Deutschen Energie-Agentur (dena) so. Sie zeichnete das Projekt in Dautphetal-Buchenau schon vor drei Jahren mit dem Label "Best Practice Energieeffizienz" aus.

Spätestens seitdem sollten die Aktivitäten der Roth-Gruppe nach Ansicht der Agentur also Vorbildcharakter haben für die deutsche Wirtschaft. Denn da besteht nach Einschätzung der dena noch immer erheblicher Nachholbedarf, insbesondere im Bereich Abwärmenutzung.

Nicht weniger als 460 Terrawattstunden an Energie wendet die deutsche Industrie Jahr für Jahr auf, um Wärme für Produktions- und Verarbeitungsprozesse zu erzeugen, so dena-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann. "Ein hoher Anteil geht dabei jedoch als ungenutzte Abwärme verloren." Viel Potenzial also für Einsparungen. Aber die Chancen bleiben oft ungenutzt, so der Experte: Lediglich die Hälfte der Unternehmen kenne die eigenen Abwärmepotenziale, habe eine Umfrage der dena ergeben.

Wirtschaftlichkeit der Investitionen steht außer Frage

Deshalb ist eine genaue Analyse des Status quo meist der beste Start in die Verbesserung. Entstehen kann Abwärme in Industrie- und Gewerbebetrieben an verschiedensten Stellen: Maschinen laufen heiß, Prozesse erzeugen Hitze, Abwässer sind nicht selten ebenfalls gut temperiert. Hinzu kommen Kühl- oder Klimaanlagen, die ebenso Wärmeenergie zur Verfügung stellen.

All diese Quellen können häufig angezapft werden, um die Energie sinnvoll zu nutzen, sei es zur Strom- oder Kälteerzeugung, sei es zur Beheizung von Räumlichkeiten oder von Wasser, oder sei es, falls intern nicht ausreichend Bedarf besteht, extern, bei anderen Abnehmern. Insgesamt, so haben Untersuchungen ergeben, könnte die deutsche Industrie durch eine geschicktere Nutzung von Abwärme jedes Jahr nach wie vor Milliarden Euro sparen. Schließlich sind die Preise für Strom, Erdgas und Heizöl für die Firmen in den vergangenen Jahren um 160 bis 490 Prozent gestiegen, so die dena.

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Dabei steht die Wirtschaftlichkeit der Investitionen den Experten zufolge außer Frage, sofern entsprechende Maßnahmen fachmännisch vorbereitet, geplant und durchgeführt werden. Die Roth Werke liefern dafür nicht den einzigen Beleg.

Beispiel Molkerei Gropper, ein Betrieb mit 500 Mitarbeitern und Sitz in Bissingen. Das Unternehmen nutzt eigene Blockheizkraftwerke zur Stromerzeugung und setzt zudem die Abwärme der Anlagen in der Produktion ein. Einem Investment von 1,7 Millionen Euro stehen laut dena jährliche Kosteneinsparungen von 515.000 Euro gegenüber, was zu einer internen Verzinsung von etwa 30 Prozent führt.

Das Volkswagen-Werk in Kassel, eine mittelständische Keramikfirma mit 80 Mitarbeitern, ein Industriebetrieb, der die Abwärme einer Glühofenanlage nutzt - weitere Beispiele für ähnlich erfolgreiche Energieinvestments kennt die dena ebenfalls. Die Kapitalrendite erreiche in der Regel zweistellige Prozentwerte, heißt es in einer Informationsbroschüre. Mitunter seien sogar Renditen von 50 Prozent und mehr möglich.

Damit ist klar: Mit der Verbesserung der Energieeffizienz dienen Unternehmen keineswegs nur dem Umweltschutz und dem Klimaerhalt. Solche Maßnahmen rentieren sich vielmehr sehr konkret, denn sie sparen Kosten und tragen damit zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei.

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