Textilkonzern klärt Führungsfrage Daniel Grieder wird Chef von Hugo Boss

Vonn Hilfiger zu Boss: Daniel Grieder

Vonn Hilfiger zu Boss: Daniel Grieder

Foto: Brad Barket/Getty Images for Tommy Hilfiger

Der Modekonzern Hugo Boss  hat die Nachfolge an der Konzernspitze geregelt - und das Ergebnis dürfte nur wenige überraschen: Wie das im MDax  gelistete Unternehmen am Mittwoch in Metzingen mitteilte, wird Daniel Grieder mit Wirkung zum 1. Juni 2021 die Nachfolge von Mark Langer antreten, der zum 30. September 2020 aus dem Unternehmen ausscheidet. Für die Übergangszeit soll Finanzvorstand Yves Müller das Amt des Vorstandssprechers mit übernehmen.

Daniel Grieder galt bereits seit geraumer Zeit als heißer Kandidat für den Chefposten bei Hugo Boss. Erst kürzlich hatte er sein Amt als CEO von PVH Europe und Tommy Hilfiger abgegeben, was die Spekulationen neu angeheizt hatte. Hugo Boss hatte kurz darauf zudem bestätigt, mit Grieder in Kontakt zu stehen.

Nach Informationen von manager magazin hat PVH im Rahmen des Wechsels des Topmanagers zu Hugo Boss auf eine einjährige Wettbewerbsklausel gepocht, deshalb der Amtsantritt erst im kommenden Jahr. Zudem hat Grieder, dem neben der Offerte von Boss auch andere Optionen offenstanden, mit seinem neuen Arbeitgeber einen "Besserungsschein auf Aktien" verhandelt: Gelingt es ihm, den Aktienkurs von Hugo Boss nach oben zu treiben, so wird er dadurch viel Geld verdienen.

Hoffnungsträger Grieder ist der Mitteilung von Hugo Boss zufolge seit mehr als 30 Jahren in der Modebranche tätig, die meiste Zeit in verschiedenen Funktionen für die Marke Tommy Hilfiger. Seit 2014 war er Vorstandschef von Tommy Hilfiger Global und PVH Europe, dem Ableger des US-amerikanischen Modekonzerns PVH, dem die Marke Tommy Hilfiger gehört.

Der 58-Jährige habe maßgeblich zur positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung bei Tommy Hilfiger beigetragen, lobten die Metzinger den Neuen. Er habe die Digitalisierung und weitere Innovationsprojekte vorangetrieben sowie wegweisende Nachhaltigkeitsinitiativen umgesetzt.

Der scheidende Boss-Chef Langer war 2016 angetreten, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Das MDax-Unternehmen war zuvor durch zu schnelles Wachstum und eine verfehlte Markenstrategie in die Bredouille geraten. Langer richtete den Edelschneider Schritt für Schritt neu aus. Unrentable Läden wurden geschlossen, Rabatte eingedampft, Preise angeglichen und an den Marken gefeilt. Zudem setzte Hugo Boss mehr auf Digitalisierung.

Der Umbau und die stärkere Ausrichtung auf das Internet kosteten jedoch viel Geld. Im vergangenen Jahr musste der Konzern sogar zweimal seine Prognose senken. 2020 kam dann noch die Corona-Krise hinzu, die der Branche das Leben schwer machte. Geschäfte blieben geschlossen, Kunden hielten sich zurück.

Im ersten Quartal war Hugo Boss denn auch in die roten Zahlen gerutscht. Der auf Herrenanzüge spezialisierte Schneider will mit Einsparungen gegenhalten, Investitionen werden aufgeschoben, die Produktion zurückgefahren. Erste Verbesserungen im Einzelhandel erwartet das Unternehmen jedoch erst ab dem dritten Quartal.

Der Abschied von Langer, über den laut damaliger Mitteilung in gegenseitigem Einvernehmen entschieden wurde, ist seit März bereits bekannt.

Anleger reagierten am Dienstag im nachbörslichen Handel dennoch erfreut auf die Entscheidung, die Papiere rückten auf der Handelsplattform Tradegate gegenüber ihrem Xetra-Schlusskurs um 3,1 Prozent vor.

cr/dpa-afx
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