Dienstag, 26. Mai 2020

Vorstandsbezüge sinken leicht - Daimler stellt Milliarden für Rechtsrisiken zurück Ola Källenius bekommt weniger als Dieter Zetsche

Ola Källenius übernahm Mitte Mai 2019 den CEO-Job von Dieter Zetsche. Insgesamt verdiente Källenius 2019 3,5 Millionen Euro, sein Vorgänger Zetsche kam auf 3,8 Millionen Euro

Das schwache Ergebnis des vergangenen Jahres dämpft auch die Vergütung der Daimler-Vorstände. Weil ein Teil ihrer Einkünfte an die Geschäftsentwicklung gekoppelt ist, bekommt die aktuelle Führungsriege des Autobauers für 2019 wie schon 2018 weniger Geld, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Die Zahlen sind jedoch nur eingeschränkt mit den Vorjahren vergleichbar, weil einige Posten 2019 neu besetzt wurden.

Mehr als im Vorjahr erhält mit rund 3,5 Millionen Euro einzig Ola Källenius - vor allem deshalb, weil er im Mai vom Mitglied des Vorstands zu dessen Vorsitzendem aufstieg. Der erfolgsabhängige Bestandteil fällt auch bei ihm deutlich geringer aus als 2018. Auch damals waren diese Komponenten infolge eines Gewinnrückgangs schon deutlich geschrumpft. Källenius' Vorgänger Dieter Zetsche stehen für 2019 noch 3,8 Millionen Euro zu.

23 Millionen Euro für den Vorstand

Die Daimler-Vorstände Martin Daum, Renata Jungo Brüngger, Wilfried Porth, Britta Seeger und Hubertus Troska haben im Jahr 2019 jeweils 2,1 Millionen Euro verdient. Harald Wilhelm, der im April 2019 in den Vorstand einrückte, verdiente bis Jahresende 1,6 Millionen Euro. Insgesamt ging die Vorstandsvergütung minimal auf 23,0 Millionen Euro von 23,2 Millionen zurück.

Die Vergütung setzt sich aus fixen und variablen Teilen zusammen, die sich auch am operativen Gewinn des Dax -Konzerns und am Erreichen festgelegter Ziele orientieren. Die einzelnen Vergütungselemente werden auch nicht alle sofort, sondern teilweise über mehrere Jahre hinweg ausgezahlt. Dadurch kann sich der Wert auch noch ändern. Daimler hatte 2019 einen operativen Gewinn von 4,3 Milliarden Euro erwirtschaftet - fast sieben Milliarden weniger als 2018.

Daimler stellt 4,9 Milliarden Euro für Rechtsrisiken zurück

Daimler Börsen-Chart zeigen fürchtet außerdem steigende Belastungen durch den Dieselskandal. Der Stuttgarter Autobauer stockte seine Rückstellungen für Haftungs- und Prozessrisiken sowie behördliche Verfahren auf 4,9 Milliarden Euro von 2,1 Milliarden auf, wie aus dem Geschäftsbericht ebenfalls hervorgeht.

Bereits 2019 verhagelten die zunehmenden Risiken im Diesel-Abgasskandal die Bilanz des Autobauers. Trotz eines Absatzrekords sackte der Nettogewinn um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro ab. Neben hohen Rechtskosten im Dieselskandal, schwacher Konjunktur und hoher Investitionen lag das auch an eigenen Fehlern in Produktion und Modellpolitik bei Mercedes-Benz-Pkw und Vans.

Drei Gewinnwarnungen seit Mai

Der neue Konzernchef Ola Källenius musste seit seinem Amtsantritt im Mai drei Gewinnwarnungen veröffentlichen.

Durch den Ausbruch des Coronavirus droht den Stuttgartern weiteres Ungemach. Er könne zu signifikanten Rückgängen des Wirtschaftswachstums in China und anderen asiatischen Ländern führen, hieß es im Risiko- und Chancen-Teil des Geschäftsberichts. "Risiken für den Daimler-Konzern können dabei nicht nur die Absatzentwicklung betreffen, sondern auch zu erheblichen Beeinträchtigungen der Produktion, des Beschaffungsmarkts und der Zulieferkette führen." Ein Grund für den im laufenden Jahr erwarteten leichten Rückgang des Pkw-Absatzes sei die Virus-Epidemie.

Auch die neuen CO2-Grenzwerte könnten zur Belastung für den Autobauer werden. 2019 stiegen die CO2-Emissionen der Daimler-Pkw-Flotte in Europa auf 137 (Vorjahr: 135) Gramm je Kilometer. Dazu trug die geringere Beliebtheit von Dieselautos bei. Auch durch das neue Messverfahren WLTP verschlechtert sich der CO2-Flottendurchschnitt. "Nach heutigem Kenntnisstand erschwert dies die Erreichung der CO2-Ziele ab 2020", erklärte Daimler. Verfehlt der Stuttgarter Konzern die von der EU verordneten Grenzwerte, werden Strafzahlungen fällig.

la/dpa/reuters

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