Mittwoch, 1. April 2020

Soziale Standards als Wachstumstreiber "Die Digitalisierung hilft auch beim Thema Nachhaltigkeit"

Nachhaltig handeln: "Umwelt- und soziale Nachhaltigkeitskonzepte gewinnen bei immer mehr Kunden an Bedeutung. Der Sustainability-Gedanke spielt auch in unserem Marketing eine große Rolle"
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Nachhaltig handeln: "Umwelt- und soziale Nachhaltigkeitskonzepte gewinnen bei immer mehr Kunden an Bedeutung. Der Sustainability-Gedanke spielt auch in unserem Marketing eine große Rolle"

Nachhaltiges Wirtschaften ist keine lästige Verpflichtung, sondern muss als Wachstumstreiber und Wettbewerbsvorteil gesehen werden, fordert das deutsche Hightech-Forum. Henning Ohlsson, Geschäftsführer von Epson Deutschland, erklärt den Mehrwert von Corporate Social Responsibility. 

mm.de: Viele Unternehmen haben eine weltweite Zuliefererkette aufgebaut. Sie legen Wert darauf, von der Herstellung bis zur Auslieferung alle Produkte im Konzern zu behalten. Wer liegt falsch?

Henning Ohlsson: Wir sehen in unserem Ansatz nur Vorteile, da der wichtige Teil "Fertigung" in der eigenen Hand bleibt. Bei Epson gilt das "Sho, sho, Sei"-Prinzip, welches bedeutet, dass unsere hochpräzise Technologie nach unseren Qualitätsanforderungen entwickelt und gefertigt wird. Ein Beispiel: Die PrecisionCore-Druckköpfe werden in Reinraumumgebungen in Japan gefertigt. Diese Druckköpfe werden dann in Indonesien, China und auf den Philippinen in der Druckerfertigung verbaut. Die Fabriken dort gehören Epson, laufen unter japanischem Management, mit japanischer Prozess- und Qualitätsdenke und entsprechen den internationalen Standards von EICC (Electronic Industry Citizenship Coalition) und ILO (International Labor Organization).

mm.de: China, die Philippinen und Indonesien gelten nicht gerade als Musterländer, um soziale und nachhaltige Standards in Unternehmen umzusetzen und Corporate Social Responsibility (CSR) vorzuleben. Wie kann das trotz des Wettbewerbsdrucks funktionieren?

Ohlsson: Sich dem Wettbewerb zu stellen, bedeutet nicht, auf soziale Standards zu verzichten. Da wir in unseren eigenen Werken fertigen, setzten wir die Standards, die zum Teil weit über den rechtlichen Anforderungen in den Ländern liegen. Das bedeutet: Alle Arbeiter und Arbeiterinnen haben Arbeitsverträge, geregelte Arbeitszeiten, geregelte Bedingungen für Überstunden und sind sozialversichert. Während das chinesische Recht den Vollerwerb mit 16 Jahren erlaubt, gilt bei Epson ein Mindestalter von 18 Jahren. Auf die regional üblichen Schwangerschaftstests bei der Einstellung verzichten wir ebenfalls. Außerdem achten wir auf die Einhaltung des Arbeitsschutzes nach japanischen Health and Safety-Richtlinien.

mm.de: Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber - das funktioniert nur, wenn die Kunden mitziehen. Wie stark ist das Nachhaltigkeitskonzept in die Produkte und das Marketing eingebunden? Hilft das Konzept der digitalen Kooperation, also das Zusammenwirken von Unternehmen und Kunden, bei diesem Vorhaben?

Ohlsson: Umwelt- und soziale Nachhaltigkeitskonzepte gewinnen im gesellschaftlichen und geschäftlichen Umfeld zunehmend an Bedeutung. Öffentliche Auftraggeber müssen gesetzliche Anforderungen in der nachhaltigen Beschaffung befolgen. Hersteller und Lieferanten haben nicht nur die Umwelt- und Energiestandards zu erfüllen, sondern müssen auch Transparenz in der Fertigung und Lieferkette bieten. Große Unternehmen müssen sich einem "Non-Financial Reporting" stellen. Wir betrachten den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte unter dem Sustainability-Gedanken und stellen diesen Ansatz sehr stark in der Marketing-Kommunikation voran. So erläutert zum Beispiel die Kampagne "Neu Denken" Entscheidern in Unternehmen die ökologischen Vorteile unserer Drucktechnologie.

mm.de: Nachhaltigkeit als zusätzliches Marketing-Instrument - dann muss die Botschaft aber auch beim Kunden ankommen.

Ohlsson: Beim Thema Nachhaltigkeit hilft uns auch die Digitalisierung. Sie schafft Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten für Kunden. Auch diesen Trend wollen wir nutzen.

la/mmo

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