Längstes Schiff der Welt Chinesen wollen mit Mega-Frachtern aus der Krise fahren

Ein Containerschiff, das die chinesische Reederei CSCL demnächst in Betrieb nimmt, wird das längste fahrende Schiff der Welt sein. Mit 400 Metern übertrifft es den bisherigen Rekordhalter um exakt einen Meter. Gigantomanie? Im Gegenteil, das Unternehmen kämpft ums Überleben.
Weltrekord: Das neue Schiff von CSCL ist mit 400 Metern einen Meter länger als der bisherige Rekordhalter

Weltrekord: Das neue Schiff von CSCL ist mit 400 Metern einen Meter länger als der bisherige Rekordhalter

Foto: Jeon Ho-sung/Hyundai Heavy Industries Co.

Hamburg - Die chinesische Linienreederei China Shipping Container Lines (CSCL) ist dabei, einen neuen Rekord in der Schifffahrt aufzustellen. Bekannt ist bereits, dass die Reederei den Bau einiger Ozeanriesen in Auftrag gegeben hat, die bisherige Dimensionen übertreffen. Jetzt ist das erste dieser Schiffe praktisch fertig und soll in Kürze in Betrieb genommen werden, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Die Länge des Containerriesen namens "CSCL Globe" - das erste von insgesamt fünf baugleichen Modellen, die CSCL geordert hat - beträgt 400 Meter. Laut Bloomberg wird es damit das längste Schiff sein, das auf den Weltmeeren unterwegs ist. Länger waren bislang nur einige Großtanker, die aber bereits nicht mehr im Dienst sind.

Gegenwärtiger Längenrekordhalter ist das Containerschiff "Maersk McKinney Moeller" der dänischen Großreederei Maersk, das von der Bugspitze bis zum Heck exakt 399 Meter misst (siehe Grafik links). Diesen Frachter werden die Chinesen ab dem voraussichtlichen Start im November also um exakt einen Meter schlagen. Auch den Kreuzfahrtriesen "Oasis of the Sea" übertrifft CSCL mit seinen neuen Frachtern um fast 40 Meter. Die US-Flugzeugträger der Nimitz-Klasse seien sogar 67 Meter kürzer, schreibt Bloomberg.

Was wie ein albernes Wetteifern um Rekorde erscheint, hat allerdings einen vernünftigen Hintergrund: Die weltweite Transportschifffahrt steckt seit der Lehman-Pleite 2008 in einer ihrer schwersten Krisen. Die Frachtraten befinden sich im Keller, gleichzeitig müssen die Reedereien hohe Betriebskosten - insbesondere für Treibstoff - aufbringen.

Wetteifern mit ernstem Hintergrund

In der Situation wird Effizienz besonders groß geschrieben. Das heißt möglichst viel Fracht muss mit möglichst geringem Aufwand befördert werden. Die logische Folge ist, dass die Schiffe immer größer werden, und dass möglichst neue Schiffe mit besserer Technik zum Einsatz kommen, um den Treibstoffverbrauch zu senken.

Praktisch bedeutet das: Obwohl die kommenden Giganten der Meere lediglich einen Meter länger sind, als der bisherige Rekordhalter, bringen sie einen erheblichen Effizienzgewinn. Der Treibstoffverbrauch etwa ist Werftangaben zufolge um ein Fünftel niedriger als bei vergleichbaren Modellen in der Vergangenheit.

Zudem lassen sich auf den CSCL-Riesen -zumindest offiziellen Angaben zufolge - 19.100 Standardcontainer (im Jargon: TEU) befördern. Das wären immerhin mehr als 800 Stahlkisten mehr als auf der "Maersk McKinney Moeller". Das "CSCL Globe" allein kann laut Bloomberg bis zu 190 Millionen iPads von Apple  transportieren.

Kein Wunder also, dass bei CSCL große Hoffnungen auf den fünf Großcontainerschiffen ruhen. Die Reederei wird Analystenschätzungen zufolge im laufenden Jahr einen Verlust von mehr als 43 Millionen Yuan (5,4 Millionen Euro) verbuchen, schreibt Bloomberg. 2013 betrug das Minus bereits 2,6 Milliarden Yuan. Mit den neuen Riesenfrachtern wolle der Konzern die Wende schaffen und im kommenden Jahr wieder in die Gewinnzone fahren.

Die Chinesen orientieren sich dabei offenbar an der weltgrößten Reederei Maersk. Die Dänen setzten vor Kurzem ihre vergleichsweise sparsamen Großcontainerschiffe der "Triple-E"-Reihe in Betrieb. Der Gewinn des Unternehmens stieg daraufhin in der ersten Hälfte dieses Jahres um mehr als 50 Prozent auf eine Milliarde Dollar (0,77 Milliarden Euro), so Bloomberg.

Die Finanzmärkte jedenfalls scheinen die Hoffnung von CSCL  zu teilen. Die Aktien der Reederei stiegen im laufenden Jahr bereits im 16 Prozent. Der Vergleichsindex Hang Seng  legte im gleichen Zeitraum um lediglich 4,6 Prozent zu.

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