Erste Milliardenübernahme einer Craft-Brauerei Das Craft-Beer-Märchen - Vom Heimbrauer zum Milliardär

Das Milliardenbier: Für Ballast Point und die vielen anderen Craft-Biere wird der Platz auf den Regalen eng

Das Milliardenbier: Für Ballast Point und die vielen anderen Craft-Biere wird der Platz auf den Regalen eng

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Für Jack White steht der Traum kurz vor der Erfüllung. Der Gründer der Kleinbrauerei Ballast Point aus dem kalifornischen San Diego dürfte ziemlich reich werden, wenn der Getränkekonzern Constellation Brands - weltgrößter Weinproduzent und im Biermarkt mit globalen Marken wie Corona oder Modelo aktiv - eine Milliarde Dollar für seine Firma zahlt, die in den 90er Jahren aus Selbstbrauversuchen im Studentenwohnheim entstanden war. Der im Oktober angemeldete Börsengang von Ballast Point ist damit abgesagt.

Der Deal markiert einen neuen Höhepunkt der Craft-Beer-Welle - und wirft zugleich die Frage auf, wie viel der Boom noch mit dem Ideal der handwerklichen Do-it-yourself-Bewegung zu tun hat.

Das Magazin "Vinepair" schreibt von der "Craft-Beer-Blase" . Dass der Craft-Beer-Verband Brewers Association eine Verdopplung ihres Anteils am US-Biermarkt auf 20 Prozent bis 2020 vorhersagt und täglich zwei neue Brauereien im Land eröffneten, erinnere an die Dotcom-Blase, "da Geld hereinströmt und viele der neuen Brauer überzeugt sind, dass auch sie davon reich werden".

Inzwischen gebe es bereits mehr als 4000 Brauereien in den USA - annähernd so viele wie im bisherigen Rekordjahr 1873, also eine komplette Umkehrung der Konzentration auf einige wenige Anbieter, bevor 1978 das hobbymäßige Bierbrauen erlaubt wurde.

Diese Entwicklung scheint im Widerspruch zur 120-Milliarden-Dollar-Megafusion der Braugiganten AB Inbev und SAB Miller zu stehen. Doch "Vinepair" bezweifelt, dass die Mikrobrauereien sich weiter im bisherigen Tempo ausbreiten könnten.

"Lasst sie ihr Kürbis-Pfirsich-Ale schlürfen": AB Inbev verspottet eigene Marke

In den Craft-Beer-Hochburgen wie Seattle oder Boston tobe bereits ein aggressiver Verdrängungswettbewerb um die begrenzten Regalplätze in Bars und Getränkeläden. Außerdem zitiert das Magazin einige Craft-Beer-Veteranen, die selbst vor Qualitätsproblemen einiger Neulinge warnen, die nur auf den Boom aufsprängen.

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Auch wenn die Nachfrage nach handwerklich gut gebrauten Bieren mit ausgewählten Zutaten und vielfältigen Geschmäckern weiter wachse - vieles spreche dafür, dass sich auf Dauer nur die größeren unter den Kleinen durchsetzen (Ballast Point zählt mit vier Brauhäusern in San Diego dazu). Oder gleich die ganz Großen, gegen deren Monopol die Craft-Beer-Bewegung angetreten war.

In Deutschland wie weltweit sehen die Braukonzerne ihre Wachstumshoffnung darin, Sorten wie Pale Ale oder Amber Lager ins Sortiment zu nehmen, so wie beispielsweise AB Inbevs deutsche Marke Beck's.

In Amerika sorgte der Konzern beim diesjährigen American-Football-Finale Super Bowl noch einmal für Furore mit ausdrücklicher Abgrenzung vom Craft-Beer-Trend: In einem Werbespot  wurde die AB-Inbev-Massenmarke Budweiser als Bier vermarktet, das man säuft und nicht verkostet.

"Lasst sie ihr Kürbis-Pfirsich-Ale schlürfen", wurden die Craft-Beer-Fans darin als alberne Hipster verspottet. Die wiederum sahen in dem Video den Beweis, wie verzweifelt die Großbrauereien angesichts des Erfolgs der Kleinen seien. Nur: Das in dem Spot gezeigte Kürbis-Pfirsich-Ale namens Gourdia on My Mind stammt aus dem Seattler Haus Elysian Brewing. Und das gehört seit Jahresbeginn zum Weltmarktführer: AB Inbev.


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