Mittwoch, 27. Mai 2020

Premier League Gewerkschaft: Gehaltsverzicht von Fußballprofis wäre schlecht für das Gesundheitssystem

Premier-League-Spiel zwischen Chelsea (blau) und Arsenal (Archivaufnahme, Dezember 2019)
Getty Images
Premier-League-Spiel zwischen Chelsea (blau) und Arsenal (Archivaufnahme, Dezember 2019)

Anders als in Deutschland, Spanien und Italien haben sich die englischen Fußball-Profis in der Corona-Krise noch nicht zu Gehaltskürzungen bekannt. Eine Erklärung vom Samstagabend facht den seit Tagen schwelenden Streit nun zusätzlich an. Die Gewerkschaft der Premier-League-Fußballer (PFA) stellt darin einen geforderten Gehaltsverzicht von 30 Prozent infrage - weil dieser die Steuereinnahmen des Staates mindern würde und sich deshalb negativ auf das Gesundheitssystem auswirke.

"Den Spielern ist bewusst, dass […] die Steuern auf ihre Gehälter einen signifikanten Beitrag zur Finanzierung wichtiger öffentlicher Dienste leisten - die in dieser Zeit besonders kritisch sind", zitiert die Nachrichtenagentur "Reuters" aus der Mitteilung. "Ein Gehaltsverzicht von 30 Prozent würde die Schatzkammer substanzielle Summen kosten. Das wäre schädlich für unser Gesundheitssystem und andere vom Staat finanzierte Dienste."

Laut PFA-Rechnung würde ein Abschlag von 30 Prozent aufs Jahr gerechnet mehr als 500 Millionen Pfund an weniger gezahlten Gehältern bedeuten, dem Staat würden damit über 200 Millionen Pfund an Steuereinnahmen durch die Lappen gehen. "Hat der Gesundheitsminister Matt Hancock dies bedacht, als er die Spieler aufforderte, den Lohnkürzungen zuzustimmen?"

Der britische Gesundheitsminister hatte die Premier-League-Spieler aufgefordert, Gehaltskürzungen zuzustimmen. In der Bundesliga sowie in Spanien und Italien verzichten viele Spieler auf Teile ihres Gehaltes, damit Club-Mitarbeiter in der fußballfreien Zeit weiter bezahlt werden können und nicht ihren Job verlieren.

"Wir sind uns der öffentlichen Meinung bewusst, dass die Spieler die Gehälter von nicht spielenden Mitarbeitern zahlen sollten", hatte die Spielergewerkschaft schon am Donnerstag mitgeteilt. "Unsere derzeitige Position ist jedoch, dass Vereine - wenn sie es sich leisten können, ihre Spieler und Mitarbeiter zu bezahlen - dies tun sollten." Am Donnerstagabend waren Gespräche mit der Premier League über dieses Thema ergebnislos beendet worden.

Zuvor war bekannt geworden, dass die 550 Mitarbeiter des Champions-League-Vorjahresfinalisten Tottenham Hotspur im April und Mai auf 20 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen. Auch Champions-League-Sieger Liverpool hat Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Derweil haben die Trainer Eddie Howe vom AFC Bournemouth und Graham Potter von Brighton & Hove Albion beschlossen, freiwillig auf Teile ihres Gehalts zu verzichten.

luk mit dpa, Reuters

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung