Mittwoch, 8. April 2020

Corona-Krise bedroht 25.000 Jobs bei Zara-Mutter Inditex In Spanien drohen Massenentlassungen

Weltweit ist mehr als die Hälfte der Shops des spanischen Textilhändler Inditex (Zara, Massimo Dutti) geschlossen. Hält der Ausnahmezustand in Spanien an, werde der Konzern 25.000 Verkäufer entlassen müssen.
Uwe Anspach/dpa-Bildfunk
Weltweit ist mehr als die Hälfte der Shops des spanischen Textilhändler Inditex (Zara, Massimo Dutti) geschlossen. Hält der Ausnahmezustand in Spanien an, werde der Konzern 25.000 Verkäufer entlassen müssen.

Andere Branchen fahren die Produktion herunter, schließen teils ihre Werke - doch die befürchteten Massenentlassungen im Zuge der Corona-Krise blieben bislang aus. Bislang. Inditex, unter anderem Eigentümer von Zara und Massimo Dutti, schockte jetzt mit der Nachricht, vorübergehend alle 25.000 Mitarbeiter seiner Geschäfte in Spanien entlassen zu wollen - wenn denn der Ausnahmezustand des Landes über den 15. April hinausgeht.

Das wäre seit Ausbruch des Coronavirus in Europa die bislang wohl schärfste Einzelreaktion in der Wirtschaftswelt auf die Pandemie. Unwahrscheinlich ist das aber nicht. Die Krise hat noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht, und keiner weiß, wie lange sie anhalten wird: Die Zahl der Todesopfer in Spanien ist binnen eines Tages um rund 30 Prozent auf mehr als 1000 gestiegen, die der infizierten Menschen klettert weiter exponentiell an.

Spanien hatte am Samstag landesweit den Notstand für 15 Tage ausgerufen. Die meisten Geschäfte, Bars und Restaurants müssen geschlossen bleiben, Transporte sind eingeschränkt. Auch die Filialen des Textilkonzerns sind dicht, die Gehälter sollen aber vorerst weiter fließen, berichtet der englischsprachige Reuters-Dienst

Umsatz im März bis jetzt um ein Viertel eingebrochen

Die Beschäftigten in der Logistik und der Produktion seien nicht von Massenentlassungen bedroht. Hier wurde die Zahl der Mitarbeiter in den Schichten reduziert, so dass die empfohlenen Sicherheitsabstände eingehalten würden, erklärte der Konzern am Freitag. Die meisten Verwaltungsangestellten arbeiteten aus dem Home-Office.

Der spanische Textilhändler Inditex beschäftigt weltweit rund 175.000 Mitarbeiter, unter anderem in China, Russland und den USA. Der Heimatmarkt mit dem weltweit größten Filialnetz steht für rund ein Sechstel des Konzernumsatzes.

Und die Corona-Krise drückt bereits empfindlich auf die Erlöse: Inditex hatte am Mittwoch erklärt, dass die Verkäufe in den ersten beiden März-Wochen um fast ein Viertel eingebrochen seien, wobei fast die Hälfte seiner 7500 Geschäfte weltweit geschlossen war.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 (31. Januar) hatte Inditex den Nettogewinn auf 3,64 Milliarden Euro (Vorjahr: 3,44 Milliarden) steigern können. Der Umsatz stieg auf 28,29 Milliarden Euro - ein Plus von 8 Prozent. Im laufenden Jahr dürfte die weltweite Corona-Krise solche Steigerungen wohl kaum noch zulassen.

Autobauer, Burger King, Iberia in Spanien schicken Tausende nach Hause

Wie viele andere Unternehmen scheut auch Inditex angesichts der Pandemie eine Prognose für das laufende Jahr. Einen Dividendenvorschlag für das abgelaufene Geschäftsjahr unterbreitete Inditex nicht. Voraussichtlich im Juli will sich das Management zur Dividende äußern.

Da sich die Corona-Krise jetzt in Spanien zuspitzt, reagieren auch andere Konzerne. Die Autobauer Seat, Volkswagen und Renault sowie die Fast-Food-Kette Burger King haben bereits Tausende Mitarbeiter vorübergehend freigestellt. Die Fluglinie Iberia hat angekündigt, 90 Prozent ihres Flugpersonals freizustellen, da die Flugzeuge nicht mehr starten.

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