Neue Aufträge für Data-Miner in Europa Wie Palantir & Co die Angst vor Corona fürs Geschäft nutzen

Corona-Krisen-Profiteur: Palantir-Mitgründer Alex Karp

Corona-Krisen-Profiteur: Palantir-Mitgründer Alex Karp

Foto: Charles Platiau/ REUTERS

Für Palantir-Mitgründer Alex Karp dürfte die aktuelle Corona-Krise mehr sein als eine schreckliche Misere, die Hunderttausende Menschen auf der Welt das Leben kosten könnte. Für den 52-jährigen Chef des umstrittenen US-Data-Mining-Unternehmens Palantir ist die Pandemie auch eine riesige Chance. Denn in ihrer Furcht vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Virus sind Regierungen aus aller Welt auf der Suche nach technischen Möglichkeiten, die bei der Eindämmung helfen können. Und landen dabei auch bei Karp.

Mit dem britischen Gesundheitsdienst hat Karp, der bis vor Kurzem auch im Springer-Aufsichtsrat saß, bereits einen Vertrag  in der Tasche. Und auch mit Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz soll seine Firma laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg in Verhandlungen stehen .

Eine offizielle Bestätigung der bundesrepublikanischen Behörden dazu hatte die Agentur nicht. Einen Fuß in der Tür bei deutschen Behörden  hat Palantir allerdings schon. Sowohl in Hessen als auch in Nordrhein-Westfalen setzen Ermittlungsbehörden bereits auf Software des Unternehmens, das in den USA mit seiner Arbeit für Geheimdienste und Regierungsorganisationen groß geworden ist und zuletzt mit 20 Milliarden Dollar bewertet wurde. Wie es heißt soll die Palantir-Software verschiedene Datenbanken der Polizei verknüpfen und Onlinenetzwerke wie Facebook  durchleuchten, um Verdächtigen nachzuspüren und Täterprofile zu erstellen.

Allerdings hat das Unternehmen, dem noch vor Kurzem Pläne für einen Börsengang in diesem Jahr nachgesagt wurden, sein Geschäft schon seit Längerem erweitert und bietet neben seiner Geheimdienst-Software namens Gotham mittlerweile auch eine Alternative für den Privatsektor namens Foundry an.

Angesichts der Krise offeriert Palantir den Behörden beide Produkte, berichtete Bloomberg ohne konkrete Quellenangabe - oder eine Mischung daraus.

Dabei fasst die Software des Unternehmens Informationen aus verschiedenen Bereichen in einen einzigen Speicher zusammen und untersucht diese auf Muster.

Gesichtserkennung, Ortung per Smartphone oder beim Geld abheben

So nutzen US-Behörden die Software etwa im Kampf gegen unerwünschte Einwanderer. Und auch bei der Bekämpfung von Terroristen, von Menschenhandel und Hackern hat Palantir in den USA nach eigenen Angaben bereits geholfen - Errungenschaften, die so Karp kürzlich, "von der Welt da draußen selten registriert" würden.

Angesichts der aktuellen Krise könnte das Gehör deutlich zunehmen. Schließlich ist die gefühlte Bedrohung groß - und viele Politiker scheinen bereit, datenschutzrechtliche Bedenken erst einmal hintenan zu stellen.

So ist in China schon lange eine App in Benutzung, die Bürger anhand ihrer Kontakte und etwaiger Krankheitssymptome in Kategorien einteilt, die sich auf deren Bewegungsfreiheit auswirkt. In Israel dürfen die Behörden mittlerweile Handys infizierter Patienten und diejenigen von Verdachtsfällen tracken. In Tschechien läuft gerade ein Pilotprojekt, das neben der Ortung über das Handy auch die Auswertung der Daten von Kreditkartengesellschaften vorsieht.

In Russland wird aktuell eine App getestet, mit der überwacht wird, ob sich Infizierte an Ausgehverbote halten. Und US-Behörden, die Berichten zufolge bei der Pandemiebekämpfung bereits mit Palantir zusammenarbeiten, sollen auch mit den Machern der umstrittenen Gesichtserkennungssoftware Clearview im Gespräch sein und deren Einsatz in der Seuchenbekämpfung erörtern.

Auch in Deutschland wollte Gesundheitsminister Jens Spahn noch kürzlich auch ohne freiwillige Einwilligung staatlichen Behörden personalisierte Bewegungsdaten  von Handynutzern zugänglich machen.

Ein Vorstoß, der nach massiver Kritik zunächst gestoppt wurde.

Doch wie viel Bedeutung Politiker und große Teile der Bevölkerung dem Datenschutz einräumen, kann sich angesichts der Krise und damit einhergehender Ängste schnell ändern. Karp selbst plädierte erst vor einigen Monaten dafür, die Entscheidungen über den Einsatz von Technologie doch am besten der Politik zu überlassen.

Die ist in diesen Zeiten ein dankbarer Kunde.

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