Mittwoch, 8. April 2020

Corona-Angebot von Schweizer Hotel Luxus-Quarantäne mit Corona-Test und Privatschwester

Corona-Angebot aus der Schweiz: So luxuriös geht Quarantäne
Le Bijou Hotel

Das Coronavirus kennt keine Klassen: Es kann jeden treffen, vom einfachen Arbeiter bis hin zum britischen Thronfolger. Und auch die Ausgangsbeschränkungen gelten vor dem Gesetz für jeden gleich. Massive Unterschiede gibt es allerdings bei den Quarantänebedingungen. Ein Hotelbetreiber in der Schweiz hat hier eine Marktlücke aufgetan: Der Anbieter Le Bijou aus Zug bietet der solventen Kundschaft, die es im Privatjet noch in die Schweiz schafft, in seinen High-End-Apartments Quarantäne der Luxusklasse - inklusive Corona-Heimtest für rund 500 Dollar, privatem Pflegeservice, persönlichem Koch, kontaktlosem Check-in und digitalem Entertainmentprogramm.

Und auch für den Notfall sind Hotelkunden gerüstet: Über die Buchung bekommen sie laut Werbung des Schweizer Hotellerie-Betreibers "fast-track access" zu einer Privatklinik "mit Behandlungsmöglichkeiten auf dem neusten Stand".

Anfang März seien die Umsätze des Unternehmens deutlich gesunken, zitierte die "Washington Post" Le-Bijou-Chef Alexander Hübner, der mit seinem Unternehmen Unterkünfte in mehreren Schweizer Städten, darunter Basel, Genf und Zürich betreibt. Und der nach eigenen Angaben Vermögende wie die saudische Königsfamilie oder Apple-Mitgründer Steve Wozniak zu seinen Kunden zählt. "Da haben wir uns gesagt, okay - da müssen wir sofort darauf reagieren."

Angesichts von Anfragen von Kunden, die auf der Suche nach einer luxuriösen Unterkunft waren, in der sie Zugang zu medizinischen Diensten hatten, ohne sich im örtlichen Krankenhaus einer Ansteckungsgefahr auszusetzen, war die Entscheidung schnell getroffen.

Der Hotellerie-Betreiber entschied sich, mit Quarantäne-Dienstleistungen zu werben, die Kunden über einen externen Gesundheitsdienstleister namens Double Check quasi "a la carte" dazu buchen können: Vom Corona-Test-Roomservice für umgerechnet 500 Dollar über zwei tägliche Kontrollbesuche medizinischen Personals für rund 1800 Dollar bis hin zur Rund-um-die-Uhr-Versorgung durch eine Pflegekraft für rund 4800 Dollar, wie die "Washington Post" weiter berichtet.

Vollkommen von den Quarantäne-Einschränkungen ist allerdings auch die Luxus-Klientel nicht gefeit. Zwar stehen offenbar noch die Koch- und Lieferdienste, der Einsatz des Reinigungspersonals musste allerdings bereits eingeschränkt werden, wie es heißt. Allerdings werden die Apartments vor uns nach dem Einzug desinfiziert.

Die Nachfrage steigt nach Aussagen Hübners stetig. Nachdem man angefangen habe, das Quarantäne-Angebot auf Facebook zu inserieren, seien zunächst nur etwa zwei Anfragen täglich eingegangen, sagte er der "Washington Post". Mittlerweile seien es vier, fünf, sechs pro Tag.

Und das Angebot wird auch bereits wahrgenommen: Corona-Tests, Ärzte und Pflegekräfte seien bereits an Gäste vermittelt worden, teilte der Hotelier mit. Wer bereits nachweislich infiziert sei, dem rate er allerdings dringend, nicht mehr anzureisen und sich zu isolieren, wie es in der Schweiz auch staatliche Vorgabe ist. Auch andere von der Krise getroffene Hotellerie-Betriebe in Asien und Australien bieten dem Blatt zufolge Quarantäne-Angebote an.

Allerdings dürfte es für viele Kunden zunehmend problematischer werden, an die Quarantäne-Location ihrer Wahl zu kommen. Zwar ist angesichts der Krise die Nachfrage nach privaten Flügen deutlich gestiegen. Doch zahlreiche Länder haben ihre Bevölkerung bereits angewiesen, unnötige Reisen zu vermeiden. Und auch für Reisende, die diese Vorgaben ignorieren, wird es zunehmend schwerer: Denn mittlerweile machen immer mehr Flughäfen auch für Privatflieger dicht.

Mittlerweile hat der Apartmentbetreiber angekündigt, sein Angebot auch medizinischem Personal kostenlos zur Verfügung stellen zu wollen, das aufgrund der Krise mit stärkeren beruflichen Herausforderungen konfrontiert ist und Erholung braucht. Ob unter den aktuellen Umständen bereits ein Gast aus dieser Zielgruppe eingezogen ist, war zunächst nicht zu erfahren.

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