Montag, 30. März 2020

Corona-Krise zerschießt Hauptversammlungssaison Konzerne ohne Beschlüsse - Aktionäre ohne Dividende

Gefährliche Nähe: Auf den jährlichen Treffen der Berkshire-Aktionäre ging Investmentikone Warren Buffett (hier mit Buddy Bill Gates beim traditionellen Zeitungsweitwurf) gerne mit seinen Fans auf Tuchfühlung - das geht in Zeiten von Corona nun nicht mehr

Es ist so etwas wie das Hochamt des Kapitalismus, ein Event, zu dem alljährlich viele Tausend Geldanleger aus aller Welt nach Omaha im US-Bundesstaat Nebraska reisen: Die Hauptversammlung der Beteiligungs-Holding Berkshire Hathaway Börsen-Chart zeigen, mit dem Multimilliardär und Starinvestor Warren Buffett an der Spitze. Doch in diesem Jahr wird die Veranstaltung ausfallen. Der "Guru" der Kapitalanlage teilte seinen Aktionären Ende vergangener Woche mit, dass sie die Berkshire-Hauptversammlung am 2. Mai im Internet verfolgen sollen. Grund: Die Corona-Krise. "Ich bedauere dies sehr", schrieb Buffett seinen Anhängern.

Dabei ist der 89-jährige Unternehmenschef mit seiner Absage keineswegs allein - im Gegenteil. Wer in diesen Tagen mit offenen Augen durch die Welt geht, der weiß: Hauptversammlungen von Aktiengesellschaften, also das physische Zusammentreffen mehrerer Hundert oder gar Tausend Aktionäre in einem Saal oder einer Halle, so etwas ist angesichts der beunruhigenden globalen Ausbreitung des Coronavirus schlicht undenkbar und zudem vielerorts inzwischen auch behördlich untersagt.

Die Absagen der Konzerne, die seit Tagen reihenweise über den Ticker laufen, haben insofern auch in erster Linie formellen Charakter. Traditionell finden die Aktionärstreffen alljährlich vor allem in den Monaten März, April und Mai statt - doch nicht in diesem Jahr. Der Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen, die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen, der Autobauer Daimler Börsen-Chart zeigen, die Zulieferer Continental Börsen-Chart zeigen, Schaeffler Börsen-Chart zeigen und ElringKlinger Börsen-Chart zeigen, der Versorger RWE Börsen-Chart zeigen - das sind nur einige der zahlreichen Unternehmen, die ihre Hauptversammlungen in diesem Jahr vertagen müssen.

Die Investoren der Firmen trifft das auch im Geldbeutel. Sie stimmen auf den Versammlungen normalerweise den Dividendenvorschlägen der Vorstände zu und erhalten dann kurz darauf die Gewinnausschüttungen auf ihre Konten. Darauf müssen die Anteilseigner in diesem Jahr also ebenfalls zumindest länger warten - nachdem viele Konzerne angesichts der kritischen Entwicklung ihre Ausschüttungspläne bereits gestutzt haben.

Ein Problem dabei ist das deutsche Aktienrecht, das jeder öffentlich notierten Aktiengesellschaft für ihre Hauptversammlung ein ziemlich starres Korsett vorgibt. So sind hierzulande - anders als beispielsweise in Großbritannien oder einigen Staaten der USA - Präsenzveranstaltungen vorgeschrieben. Diese müssen in den meisten Fällen in den ersten acht Monaten des Geschäftsjahres stattfinden, welches in der Regel mit dem Kalenderjahr übereinstimmt. Dabei ist die Anwesenheit des Vorstands, des Aufsichtsrats, eines Versammlungsleiters (meist der Aufsichtsratschef) sowie eines Notars erforderlich.

Und besonders problematisch: Jedem Aktionär muss die Möglichkeit eingeräumt werden, persönlich an der Versammlung teilzunehmen. Ein Ausschluss Einzelner etwa als Ordnungsmaßnahme ist nur unter engen Voraussetzungen möglich - und formale Fehler bei derartigen Maßnahmen führen Juristen zufolge regelmäßig zur Anfechtung von Beschlüssen der Versammlungen.

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