Trump lockt deutsche Forscher in USA Streit um CureVac - wie sich Deutschland vor dem Ausverkauf schützen will

CureVac-Mitarbeiter im Labor

CureVac-Mitarbeiter im Labor

Foto: REUTERS

Es hat etwas von einem Wirtschaftsthriller - und in Pandemiezeiten das Zeug, die Gemüter in Deutschland zu erhitzen. Unter dem Titel "Trump gegen Berlin. Kampf um Impfstoff-Firma" berichtete die "Welt am Sonntag" von Bemühungen des US-Präsidenten Donald Trump, sich für viel Geld den Zugriff auf das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac zu sichern. Einem Biotech-Unternehmen, das an der Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19 arbeitet.

Ziel Trumps sei es, sich das Medikament exklusiv für sein Land zu sichern, berichtete das Blatt und zitierte Quellen, die von einem Gebot in Höhe von einer Milliarde Dollar sprechen.

Zwar dementiert CureVac am Montag Verkaufspläne. Man habe zwar "viele Anfragen erhalten, bezüglich unserer Impfstoff-Entwicklung" - "auch aus dem Ausland", sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage von manager magazin. Ein Verkauf ins Ausland sei aber nicht geplant.

Ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens vor einigen Tagen, der offenbar auf Drängen des CureVac-Haupteigners Dietmar Hopp erfolgte, deutet allerdings darauf hin, dass bei CureVac einiges in Bewegung ist. Am Montag wollte sich der Krisenstab der Bundesregierung mit der Angelegenheit befassen.

Staaten ringen um Zugriff auf Ressourcen

Es ist nicht der erste Fall, in dem Staaten um Zugriff auf Ressourcen ringen, denen in der Corona-Krise erhebliche Bedeutung zukommt. So erließ die Bundesregierung angesichts von Sorgen, dass finanzkräftige Staaten kritische Schutzausrüstung und medizinisches Gerät wegkaufen könnten, bereits am 4. März eine Verordnung, wonach der Export von Schutzausrüstung und medizinischen Geräten im Kampf gegen Corona unter einen Genehmigungsvorbehalt gestellt wird. Über eine weitere für Montag geplante Verordnung soll aber sichergestellt werden, dass Ausfuhren in europäische Nachbarländer weiter möglich sind.

Reuters

Zudem hat die Bundesregierung den zentralen Einkauf für Deutschland übernommen, weil selbst Landesbehörden oder gar einzelne Krankenhäuser immer schwieriger an dringend benötigte Schutzmasken, -kleidung oder -Brillen kamen. Ein Vorhaben, für das die Regierung Berichten zufolge 500 Millionen Euro in die Hand nehmen will.

Angesichts des CureVac-Falls stellt sich nun die Frage, ob sich auch ein Ausverkauf von Biotechfirmen wie CureVac von staatlicher Stelle verbieten ließe.

Was Verordnungen, Gesetze und Zwangslizenzen bringen können

Das zuständige Wirtschaftsministerium verweist hier auf das Außenwirtschaftsgesetz, das ein Veto von Übernahmen erlaubt, wenn es um nationale Sicherheitsinteressen geht. Ein Gesetz, das ursprünglich zum Schutz vor Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Unternehmen verschärft worden war.

Wenn es um die Abwerbung wissenschaftlichen Spitzenpersonals geht, sieht die Lage allerdings anders aus.

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Im Fall CureVac und bei anderen Unternehmen, die an einem Impfstoff gegen Covid-19 forschen und auch selbst produzieren wollen, dürfte neben dem Know-how der Wissenschaftler auch Patenten eine besonders Bedeutung zukommen. Wie Wissenschaftler, die mit ihrem Know-how abgeworben werden können, sind auch diese handelbar.

Auch Patente sind handelbar

Allerdings gibt es auch hier eine Sicherung für den Krisenfall, nämlich sogenannte Zwangslizenzen, über die sich Staaten im Krisenfall möglich Zugriff auf wichtige Patente sichern können, wenn sich dessen Eigner weigert, eine Nutzungserlaubnis zu erteilen, betont Patentstrategieexperte Bertram Huber. Eine Regelung, die bislang allerdings nur selten Anwendung gefunden habe. "Wenn, dann aber meist im pharmazeutischen Bereich", sagt Huber.

Allerdings dürften Mittel wie Zwangslizenzen in der akuten Krise, in der erst seit wenigen Monaten geforscht wird, Experten zufolge zunächst weniger entscheidend sein. Sondern neben dem Forschungs- vor allem auch das Produktions-Know-how, das entscheidend über den Zugang zu den ersten Impfdosen sein könnte.

Alle blicken auf CureVac-Haupteigner Dietmar Hopp

Für CureVac und dessen Haupteigner Dietmar Hopp, der über seine Dievini Hopp BioTech Holding 80 Prozent am Unternehmen hält, dürfte sich der Bericht in jedem Fall lohnen. Zum einen ruhen nun noch mehr Augen von Politik und Öffentlichkeit auf dem Unternehmen, das für seine Forschung bereits 8,3 Millionen US-Dollar Fördergeld von der Internationalen Impfstoff-Allianz "Coalition for Epidemic Preparedness Innovations" bekommen hat.

Zum anderen kann Hopp mit einem Verbleib der Firma in Deutschland auch selbst auf positive Berichterstattung hoffen. Erklärte er sich doch neben dem Ziel "alle Menschen vor Infektionen zu schützen" auch der Schaffung nachhaltiger innovativer Infrastruktur und Arbeitsplätzen in Deutschland verpflichtet.

Dass nationale Alleingänge keine Lösung für die Corona-Krise sein können, scheint indes den meisten Beteiligten klar. Man werde das Virus nicht gegeneinander, sondern nur gemeinsam besiegen können, erklärte etwa Bundesaußenminister Heiko Maas. Und auch EU- Industriekommissar Thierry Breton betonte, kein einzelnes Land der EU könne diese Schlacht alleine gewinnen. Von Trump ausbremsen lassen, will sich aber auch keiner.

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