Montag, 30. März 2020

Ansturm auf digitale Doktoren Wie die Corona-Krise die Telemedizin etabliert

Ärzte mit Tablet: Die Corona-Krise erweist sich als Katalysator für die E-Health-Branche
Getty Images/iStockphoto
Ärzte mit Tablet: Die Corona-Krise erweist sich als Katalysator für die E-Health-Branche

Es herrscht aktuell Ausnahmezustand in deutschen Praxen und Kliniken. Reihenweise werden Mediziner in die Notaufnahmen gerufen, um sich für den erwarteten Ansturm von Patienten bereit zu machen. Andernorts werden Termine verschoben und abgesagt, um zu vermeiden, dass das Virus sich weiter rasend schnell verbreitet. Gleichzeitig steigt angesichts von Ausgangsbeschränkungen und Home Office bei vielen der Leidensdruck. Psychische Probleme und Angststörungen nehmen zu.

Für Anbieter elektronischer Gesundheitsleistungen eine enorme Chance, die viele auch beherzt nutzen. Zögern doch viele Nicht-Corona-Patienten aktuell, mit ihren Problemen zum Arzt zu gehen - benötigen aber doch medizinische Versorgung. Und auch bei potenziellen Covid-Infizierten ist die Verunsicherung groß.

Hilfe finden sie bei Anbietern elektronischer Gesundheitsleistungen, die sich aktuell einem enormen Patientenansturm gegenübersehen. So verzeichnete der nach eigenen Angaben in fünf europäischen Ländern aktive schwedische Telemedizin-Anbieter Kry alleine in den vergangenen Wochen einen Anstieg bei den Videosprechstunden um 219 Prozent. Die Zahl der App-Registrierungen stieg um 162 Prozent. Beim Anbieter Zava lag das Plus europaweit bei 60 Prozent, was in der Gesamtsumme mehreren tausend Behandlungen und Beratungen täglich entspricht. Und auch beim 2015 gegründeten Münchener Konkurrenten Teleclinic, der Telefongespräche und Videochats mit mittlerweile 250 Ärzten vermittelt, stieg die Nachfrage massiv.

"Bis zur Corona-Krise ist die Zahl der abgehaltenen Sprechstunden bei uns um 20 Prozent im Monat gestiegen," sagt Teleclinic-Mitgründerin Katharina Jünger. "Seit Beginn der Krise steigt sie um 50 Prozent - pro Woche."

Bislang sind es bei Kry, Teleclinic und Zava noch ausschließlich Privatversicherte und Selbstzahler, die die virtuellen Dienste der Ärzte in Anspruch nehmen. Doch auch bei den gesetzlich Versicherten steigt angesichts von Corona das Interesse an virtuellen Dienstleistungen. Und die Start-ups kommen dem entgegen.

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